Caritas Bamberg - Pressemitteilung vom 12. März 2004

12. März 2004

Erzieherinnen im Kindergarten sind zunehmend als Bezugsperson gefordert – Caritas-Fachtagung befasste sich mit der seelischen Widerstandskraft von Kindern


Eine satirisch gestaltete Animation stimmte die Teilnehmer auf die Tagung ein.


Wolfgang Eichler, Leiter der Diözesanstelle Familie, referierte über die Frage, ob christliche Erziehung Kinder stärker macht. Seine Antwort: Gelungene christliche Erziehung vermittle dem Kind die Einsichten: "Ich bin wer!", "Ich kann was bewirken!", "Ich gehöre zu einer Gemeinschaft!".

Negative Erfahrungen wie den Tod eines Elternteils oder die Unterbringung in einem Heim oder einer Pflegefamilie können Kinder ebenso für ihr Leben prägen wie ungünstige Lebensumstände, etwa Armut oder Arbeitslosigkeit der Eltern. Auffällig ist, dass es Kinder gibt, die solche Erfahrungen gut meistern oder sich von ihnen erholen und eine Entwicklung durchlaufen, die sich von der anderer Kinder, die diese Erfahrungen nicht machen mussten, nicht unterscheidet. Voraussetzung dafür ist, dass diese Kinder gerade in den ersten Lebensjahren eine dauerhafte, emotional stabile Beziehung zu einer festen Bezugsperson haben. Da die Beziehungen in den Familien immer zerbrechlicher werden, sind zunehmend auch Erzieherinnen und Erzieher als Bezugspersonen gefragt. Diese Erkenntnis stand im Mittelpunkt der Tagung „Sorgenkinder oder Superkids?“, welche der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg und der Caritasverband Nürnberg gemeinsam in Bamberg veranstalteten.

Der Hauptreferent der Tagung, der Psychologe Thomas Wörz vom Dr. von Hauner’schen Kinderspital in München, forderte daher bei einem Pressegespräch im Rahmen der Tagung mehr gesellschaftliche Aufmerksamkeit für Kinderkrippen und Kindergärten. Er kritisierte das geringe Ansehen und das im Vergleich zu anderen pädagogischen Berufen niedrige Gehalt der Erzieherinnen in Kindertagesstätten. Es genüge auch nicht, für diese Einrichtungen einen wohlmeinenden Bildungsplan zu entwerfen, wie ihn der Freistaat Bayern gegenwärtig erprobe. Notwendig sei eine stärkere finanzielle Unterstützung der Krippen und Kindergärten durch den Staat.

Dass auch die Caritas gefordert sei, verstärkt Aufmerksamkeit auf diesen Bereich zu lenken, bekannte Helmar Fexer, Bereichsleiter „Soziales“ beim Diözesan-Caritasverband. Gerade Trägern von Kindertagesstätten wolle man die Problematik bekannter machen, wie diese Einrichtungen die seelische Widerstandsfähigkeit von Kindern fördern könnten. Aus diesem Grund hätten Diözesan-Caritasverband und Caritasverband Nürnberg die Fachtagung veranstaltet. Fachabteilungen beider Verbände beraten in der Erzdiözese Bamberg insgesamt 327 Kindertagesstätten, die von 20.129 Kindern besucht werden.

Fexer belegte auch die gestiegenen Anforderungen an die Betreuungseinrichtungen. In Nürnberg und Fürth betrage die durchschnittliche Betreuungszeit der Kindertagesstätten in katholischer Trägerschaft 8,27 Stunden am Tag. Die Zahl der Kinder, die eine Mittagsbetreuung in Anspruch nehmen, liege im Ballungsraum Nürnberg-Fürth-Erlangen je nach Tagesstätte zwischen 50 und 100 %. Er nannte das Beispiel eines Kindergartens in Erlangen, bei dem von 125 Kindern lediglich zwei mittags nach Hause gehen. Auch in Bamberg Stadt und Land lasse sich beobachten, dass die Mittagsbetreuung verstärkt in Anspruch genommen werde. Die durchschnittliche Öffnungszeit der Kindergärten und Kinderkrippen liege in der Stadt Bamberg zwischen 9 und 10 Stunden, im Landkreis bei 9 Stunden.

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