Caritas Bamberg - Pressemitteilung vom 10. März 2004

10. März 2004

Caritas Forchheim bietet „Hausarztmodell in der Erziehungshilfe“

Dem Sozialbereich haftet in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Diskussion das Vorurteil an, Geld zu verschlingen. Wie die soziale Beratung der öffentlichen Hand Ausgaben spart, zeigt das „Clearing“-Angebot der ambulanten Erziehungshilfe bei der Caritas Forchheim.

Üblicher Weise hat das Jugendamt die Aufgabe, die richtige Hilfe für einen Jugendlichen zu finden, bei dem Schwierigkeiten in der Familie auftreten. Es gibt freilich Familien, bei denen das Jugendamt eigentlich mehr Einblick benötigen würde, um eine gute Entscheidung zu treffen. „Wir haben aber nicht die Möglichkeit“, erläutert der Forchheimer Jugendamtsleiter Martin Haendel, „mit unseren Sozialarbeitern über einen längeren Zeitraum eine Familie zu beobachten.“ Die Mitarbeiter der ambulanten Erziehungshilfe hingegen sind es gewohnt, Familien zu Hause aufzusuchen und sie eine Zeit lang zu begleiten.

Seit vergangenem Jahr kann das Jugendamt dank „Clearing“, Fälle, in denen es unsicher ist, an die ambulante Jugendhilfe überweisen. Deren Mitarbeiter klären in acht Gesprächen die Situation. Danach entscheidet sich, ob die Familie weitere Hilfen – etwa Erziehungsberatung oder Erziehungsbeistandschaft – benötigt oder ihre Probleme selbst lösen kann.

Da ist z.B. eine Jugendliche, die von ihrem Vater vor die Tür gesetzt wurde, weil er mit ihr nicht mehr zurecht zu kommen glaubte. Das Mädchen lebte bereits in Obhutnahme einer Jugendhilfeeinrichtung. Ein erster Erfolg der Caritas-Erziehungshilfe bestand darin, dass sie die Familie wieder an einen Tisch brachte. Im Verlauf der Begleitung kehrte das Mädchen in die Familie zurück. Bei den Gesprächen wurde deutlich, dass es nur der „Sündenbock“ war für die Probleme, die die Eltern miteinander hatten. Inzwischen besucht der Vater eine Therapie.

„Dass der Berater sich nicht nur mit dem Kind befasst, sondern auch mit den Eltern, bringt bereits Entlastung“, erläutert Irene Kattner, Leiterin der Caritas-Erziehungshilfe. „Die Beratung nimmt die ganze Familie in den Blick, nicht nur den ‚schwierigen‘ Jugendlichen,“ betont auch Haendel.

Der Erfolg gibt dem „Clearing“-Konzept Recht. Vier Familien haben das Angebot bisher in Anspruch genommen. In allen Fällen konnten die Jugendlichen wieder in ihre Familie zurückkehren. Ohne Clearing hätte ihnen die Unterbringung im Heim bevorgestanden. Nach der Beratung seien nicht alle Probleme gelöst, sagt Irene Kaltner, aber sie mobilisiere die eigenen Fähigkeiten der Familie. Eltern und Kinder hätten gelernt: „Es ist nicht alles schlecht bei uns.“

Peter Ehmann, Geschäftsführer des Caritasverbandes Forchheim, betont auch den Einspareffekt von „Clearing“: Indem die Caritas passgenaue Hilfe für die Familien finde, werde die teure Heimunterbringung vermieden. Ehmann spricht daher vom „Hausarztsystem in der Jugendhilfe“. Clearing sei hocheffizient, lösungsorientiert und kostenneutral, ohne dass Abstriche an der Qualität der sozialen Arbeit gemacht würden. Dies beweise die Zufriedenheit der Klienten.

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