Caritas Bamberg - Pressemitteilung vom 3. März 2004

3. März 2004

Modellprojekt von Caritas und Diakonie im Landkreis Forchheim:
Landgemeinden nehmen ihre Verantwortung für alte Menschen wahr

Alte Menschen, die auf dem Land leben, stehen vor zusätzlichen Problemen: Die Jungen wandern aus beruflichen Gründen in die Städte und Ballungsräume ab. Dadurch fehlen Bezugspersonen, die sich um die Senioren kümmern. Dazu kommt: Mobil ist nur, wer selbst motorisiert ist. Wer nicht mehr Auto fahren kann, dem bleibt oft Alltägliches wie Brötchen beim Bäcker zu holen verwehrt.

In einer Gesellschaft, in der immer mehr hochbetagte und damit zugleich immer mehr unter Demenz leidende Menschen leben, steht der ländliche Raum daher vor besonderen Schwierigkeiten. Die klassischen Einrichtungen wie Pflegeheime, Sozialstationen und Tagespflege reichen nicht mehr aus. Gerade auf dem Land drohen alte Menschen zu vereinsamen oder gar zu verwahrlosen - und das, obwohl sie vielleicht nur geringe Hilfen benötigen, z.B. jemanden, der sie badet.

Neue Wege der Versorgung alter Menschen sucht seit Anfang März ein auf vier Jahre angelegtes Modellprojekt im Landkreis Forchheim. Ziel ist, die Gemeinden - gerade auch kleine Ortschaften - zu befähigen, dass sie selbst die Verantwortung für betagte und demente Einwohner übernehmen. Dabei setzt das Projekt auf Angebote, die man ohne großen Aufwand verwirklichen kann. Eine Idee ist etwa die "Tagesmutter" für Demenzkranke. Erwogen wird auch, eine Wohnberatung für Senioren einzurichten.

Das Projekt wurde vom Freistaat als Modellversuch für die Entwicklung alternativer Altenhilfestrukturen im ländlichen Raum ausgewählt und ist damit das einzige dieser Art in Bayern. Der Zuschlag fiel auf den Landkreis Forchheim, weil er durch starke regionale Unterschiede in der Alterstruktur gekennzeichnet ist. So sind die östlichen Gemeinden, die ländlich geprägt sind, bereits überaltert. Bei einer Umfrage meinten fast 58 % der Über-50-Jährigen in diesen Gemeinden, dass für ihre Altersgruppe nicht genügend getan wird, über 61 % sagen, dass ein Allgemeinarzt nur schlecht zu erreichen ist.

Durchgeführt wird das Projekt in den Gemeinden Gräfenberg und Ebermannstadt. Gräfenberg ist mit 6000 Einwohnern und vielen verstreuten Ortsteilen eher ländlich geprägt. Hier wird der Druck, der durch die Überalterung und die wegbrechenden familiären Strukturen entsteht, besonders spürbar. Ebermannstadt ist eine ländliche Kleinstadt mit 8000 Einwohnern und wurde - so die Projektskizze - ausgewählt, "da dort am ehesten das Altern als dementer Single auf dem Land problematisiert werden kann."

Träger des Projekts sind der Caritasverband für Stadt und Landkreis Forchheim, der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg und das Diakonische Werk Bamberg-Forchheim. Die Projektleitung hat Ulrike Görner, die bisher die Tagespflege in Neunkirchen am Brand und zuvor auch schon eine Sozialstation und ein Altenheim geleitet hat. Die Finanzierung teilen sich neben den Trägern die beiden beteiligten Gemeinden, der Landkreis, der Freistaat und die Pflegeversicherung.

Klaus-Stefan Krieger

[nach oben]   [zurück]