Caritas Bamberg - Pressemitteilung vom 15. Juni 2004

15. Juni 2004

Diözesan-Caritasdirektor kritisiert Mittelkürzungen im ambulanten Bereich als kostentreibend


Direktor Bernhard Simon (rechts) und sein Pressesprecher Dr. Klaus-Stefan Krieger auf Schloss Hirschberg
Foto: Klaus-Dieter Engelhardt

Den Grundsatz „ambulant vor stationär“ endlich ernst zu nehmen, hat der Bamberger Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon bei einer Veranstaltung am Wochenende auf Schloss Hirschberg bei Beilngries die Politik aufgefordert. Die Kürzung finanzieller Mittel für Beratungsdienste, wie sie gegenwärtig auf Landes- und Bezirksebene erfolgen, verursachen deutlich höhere Kosten im stationären Bereich. Als Beispiel nannte Simon die ambulante Betreuung psychisch Kranker. Er kritisierte scharf, dass die Krankenkassen ihre bisherige 18 prozentige Beteiligung an den Kosten der Sozialpsychiatrischen Dienste aufgegeben hätten. Die Bezirke seien nicht bereit, diese Finanzierungslücke zu schließen. Da die Wohlfahrtsverbände kaum zusätzliche Eigenmittel aufbringen könnten, seien bereits Sozialpsychiatrische Dienste geschlossen worden. Folge sei, dass man psychisch Kranke vermehrt in Kliniken einweisen müsse. Dort kosteten zwei Tage Aufenthalt freilich so viel wie die ambulante Betreuung eines Patienten im ganzen Jahr.

Für die Sozialpolitik insgesamt konstatierte Simon: „Wir haben den Eindruck, dass sich der Staat immer mehr aus seiner sozialen Verantwortung zurückzieht.“ Folge sei eine Spaltung der Gesellschaft: „Die einen können sich Alles, die anderen nicht einmal das Notwendige leisten.“ Um den Trend zu stoppen, forderte Simon, die politischen Entscheidungsinstanzen sollten den Dialog mit den Wohlfahrtsverbänden wieder aufnehmen.

Simon sprach beim Hirschberg-Forum des Katholischen Sozialverbandes KKV Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung. Es befasste sich mit der Frage: „Solidarität am Ende? Die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme“.

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