Caritas Bamberg - Pressemitteilung vom 30. Januar 2004

30. Januar 2004

Leitungswechsel im Jugendhilfezentrum Schnaittach - Manfred Huth im Ruhestand


Stabwechsel im Jugendhilfezentrum Schnaittach: Manfred Huth (links) übergibt die Gesamtleitung an Willibald Neumeyer.
Foto: Sauerbeck

Die Einrichtung, so wie sie heute da steht, ist Ihr Lebenswerk." Immer wieder war das bei der Verabschiedung von Manfred Huth zu hören. Nach 32 Jahren Leitungstätigkeit verlässt der Pädagoge das Jugendhilfezentrum Schnaittach und geht in den Ruhestand. Jetzt gelte es das, was Huth in drei Jahrzehnten aufgebaut habe, zu sichern, unterstrich sein Nachfolger Willibald Neumeyer.

Die Fussstapfen, in die Neumeyer tritt, sind groß: Unter Huths Leitung durchlief das ehemalige Caritas-Mädchenheim eine rasante Entwicklung hin zu einer innovativen Einrichtung der Jugendhilfe mit differenzierten Angeboten im stationären, teilstationären, ambulanten und schulischen Bereich.

"Das Jugendhilfezentrum verdankt sein hohes Ansehen in Gesellschaft und Kirche ganz wesentlich Ihrem Engagement", würdigte denn auch Caritasdirektor Roland Werber die Verdienste von Manfred Huth. Der Caritasverband Nürnberg ist Träger der Einrichtung. "Sie waren stets offen und bereit, neuen Herausforderungen zu begegnen, aber auch vorausschauend Entwicklungen voran zu treiben." Mit einem "hohen Maß an Selbständigkeit" habe Huth Akzente gesetzt.

Huths Verabschiedung in der Privaten Schule zur Erziehungshilfe, die dem Jugendhilfezentrum angegliedert ist, war zugleich die offizielle Vorstellung des Nachfolgers: Willibald Neumeyer ist ebenfalls studierter Pädagoge und bereits seit 1996 als Erziehungsleiter in der Einrichtung tätig. 

Neumeyer, der die Laudatio auf seinen früheren Chef hielt, skizzierte noch einmal Entwicklungslinien und erinnerte an Meilensteine in der Geschichte des Jugendhilfezentrums. "Im Grunde erlebten und gestalteten Sie mit ihren 32 Dienstjahren die entscheidende geschichtliche Phase von der Anstaltserziehung zur modernen, differenzierten Erziehungshilfe", fasste er zusammen. Huth habe zur rechten Zeit die entscheidenden Weichen gestellt, so sei in den 80-er Jahren in Schnaittach der Paradigmenwechsel von der Psychoanalyse zur systemischen Familientherapie erfolgt.

Auch außerhalb der Einrichtung engagierte sich Manfred Huth in zahlreichen Gremien und Arbeitskreisen, um auch überregional Jugendhilfe politisch mit zu gestalten und "den Puls der Zeit zu hören". So wirkte er lange Jahre als Vorsitzender und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfe der Erzdiözese Bamberg, wie Neumeyer herausstellte. Durch eine eigene Fachzeitschrift, die "Interna", werde zudem seit 1997 "das hohe Niveau der fachlichen Auseinandersetzung und der konzeptionellen Differenzierung" nach außen dokumentiert.

Soziales Lernen

160 junge Menschen mit Verhaltensproblemen erfahren in heilpädagogischen Innen- und Außenwohngruppen, in Tagesstätte und  Schule Unterstützung und Förderung, 90 Familien in der Region werden durch ambulante sozialpädagogische Dienste erreicht. 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter 23 Schnaittacher Bürger, beschäftigt die Einrichtung. Zahlen, die Huth selbst in seiner Abschiedsrede anführte und mit denen er den Stellenwert des Jugendhilfezentrums belegte.

Aus ehemals drei Klassen für Mädchen entstand im Laufe der Jahre die 13 Klassen umfassende, auch für Jungen offene "Schule zur Erziehungshilfe", die sich durch die Entwicklung und Umsetzung von Methoden zum sozialen Lernen große fachliche Anerkennung erworben habe. "Ich bin stolz auf diese Einrichtung" gab Huth seinen Dank an das Lehrerkollegium zurück.

Der scheidende Gesamtleiter  dankte dem Träger und den Jugendämtern für günstige Rahmenbedingungen, Akzeptanz und Kooperation, er dankte insbesondere der politischen und kirchlichen Gemeinde für die gute Zusammenarbeit. Schließlich befinde sich das Jugendhilfezentrum nicht auf der grünen Wiese, sondern im Ortskern der 8000 Einwohner zählenden Marktgemeinde Schnaittach.

"Ich fühlte mich wie der Leiter einer Jazzband" umschrieb Huth sein Leitungsverständnis, "wie einer, der selbst mitspielt". Und das habe er in der Tat mannigfach bewiesen, bescheinigten ihm die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihren Beiträgen. Als es einmal in einer Wohngruppe einen Wasserrohrbruch gegeben habe, habe Huth “zum Trost” eine Torte vorbeigebracht, ein anderes Mal sei er kurzfristig als Nikolaus bei einer Weihnachtsfeier eingesprungen.

"Während andere Leiter vergleichbarer Einrichtungen reine Leitungsfunktionen wahrnehmen, übernahm Herr Huth zusätzlich noch die fachliche Leitung des kompletten ambulanten Bereichs, des Betreuten Wohnens und der Inobhutnahme in Bereitschaftspflegefamilien", brachte es Nachfolger Neumeyer auf den Punkt.

Der Dank der Mitarbeiterteams, der Festgäste und Festredner, darunter der stellvertretende Landrat vom Landkreis Nürnberger Land und der Schnaittacher Bürgermeister, schloss daher ausdrücklich Frau Huth mit ein, die das außergewöhnliche Engagement ihres Mannes all die Jahre hindurch mitgetragen habe. 

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