Caritas Bamberg - Pressemitteilung vom 23. Januar 2004

23. Januar 2004

„Nicht schon Fachidioten im Kindergarten“

Besuch in der Bamberger Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik: Erzbischof plädiert für ganzheitliche Bildung


Schulleiter Jürgen Melber überreicht dem Bischof ein T-Shirt für seine Joggingrunden

Für eine ganzheitliche Bildung hat sich Erzbischof Prof. Dr. Ludwig Schick stark gemacht und damit zugleich die Bedeutung religionspädagogischer Arbeit unterstrichen. Schick war zu einer Begegnung mit Berufspraktikantinnen und –praktikanten in die Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik Bamberg gekommen und stellte sich dort den Fragen von 56 jungen Leuten, vorwiegend Frauen, im Alter um die 20 Jahre.

Ohne ganzheitliche Bildung, sagte der Erzbischof, erziehe man „Fachidioten – schon im Kindergarten“. Allerdings stünden die gesellschaftlichen Chancen für einen ganzheitlichen Ansatz schlecht, denn gegenwärtig sei der Blickwinkel meist auf Technik verengt. Von dieser Warte aus kritisierte Schick Bayerns neues Modell für die finanzielle Förderung der Kindergärten. Es eröffne den Eltern die Möglichkeit, Betreuungszeiten nach ihren Bedürfnissen und Wünschen „einzukaufen“. Dies erschwere die kontinuierliche Arbeit mit den Kindern, da die einzelnen zu ganz unterschiedlichen Zeiten anwesend seien.

Einwände erhob Schick auch gegen das achtjährige Gymnasium, das noch dieses Jahr im Freistaat eingeführt werden soll. Was dies für die Kinder bedeute, wenn sie durch längere Unterrichtzeiten den Eltern als den primären Erziehern entzogen werden, sei noch gar nicht durchdacht. Weil im „G 8“ Wissen komprimiert werden müsse, bestehe die Gefahr, dass soziales Lernen zu kurz komme.

Auf die Frage eines Schülers, wie er etwa in einem städtischen Kindergarten religionspädagogisch wirken könne, antwortete Erzbischof Schick: „Der Pädagoge ist wichtiger als die Pädagogik.“ Das Vorbild sei entscheidend. Eine junge Muslima warf das Problem auf, dass es Schwierigkeiten mache, wenn sie in einem kirchlichen Kindergarten arbeiten wolle, und bekannte: „ich finde es nicht schlimm, wenn ich den Kindern meinen Glauben zeige. Ich zwinge ihn ihnen ja nicht auf.“ Schick riet ihr: „Bleiben Sie im Gespräch, bringen Sie sich ein!“ Wo Dialog abgebrochen werde, schüre dies Angst und Aggression.

Dass die Kirche aus finanziellen Zwängen eventuell Kindergärten schließe müsse, sprachen die Schüler ebenfalls an. Der Erzbischof verwies darauf, dass es in manchen Gemeinden zwei und mehr katholische Kindergärten gebe. Dies entspreche nicht mehr „unserer Situation“. Die Kirche wolle ein Angebot machen, aber nicht alles abdecken, zumal dann keine Pluralität vorhanden sei. Hier könne der Rückgang der Einnahmen aus der Kirchensteuer zu der einen oder anderen Schließung führen: „Wir wollen aber nicht unnötig und grundlos irgendeinen Kindergarten schließen.“

Die Bamberger Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik im Haus St. Elisabeth führt in einer fünfjährigen Ausbildung zum Abschluss als staatlich anerkannte/r Erzieher/in. Die Ausbildung untergliedert sich in ein zweijähriges, von der Fachakademie begleitetes Sozialpädagogisches Seminar, das mit dem Abschluss als staatlich geprüfte/r Kinderpfleger/in endet, einer zweijährigen überwiegend theoretischen Ausbildung an der Fachakademie und einem einjährigen Berufspraktikum. In jedem Jahrgang befinden sich rund 50 Schülerinnen und Schüler, so dass die Fachakademie gleichzeitig etwa 250 junge Menschen ausbildet. Die fertigen Erzieherinnen und Erzieher arbeiten in Kindergärten, Horten, Kinderheimen und anderen Jugendhilfe-Einrichtungen.

An der Bamberger Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik kann als Zusatzqualifikation die „Kirchliche Sendung“ erworben werden. Sie beauftragt die Erzieherinnen, in Einrichtungen und Gemeinden religionspädagogisch zu arbeiten. Diese zusätzliche freiwillige Ausbildung umfasst sieben bis acht Seminartage, bei denen es um Themen wie Vorbereitung von Kindergottesdiensten, Umgang mit der Kirche entfremdeten Jugendlichen oder Sterben und Tod geht. Sie wird von fast allen Schülerinnen und Schülern absolviert.

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