27. Dezember 2004

Gemeinsam feiern und neue Kraft tanken

Caritas-Weihnachtsfreizeit für Senioren der Erzdiözese


Annemarie Stengel liest eine Weihnachtsgeschichte vor.
Foto: Renate Steinhorst

„Gößweinstein ist unsere dritte Heimat geworden. Die Weihnachtsfreizeit im Haus St. Elisabeth bietet alles, was man sich nur wünschen kann: Gemeinschaft, Aktivität, Besinnlichkeit und auch für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt“, berichtet Horst Trenkel aus Coburg. Seine Frau Hermine nickt zustimmend und erläutert ihre besondere Beziehung zum Wallfahrtsort: Vor 52 Jahren wurde das aus Schlesien stammende Paar in der Basilika getraut.

Die Trenkels erleben in diesen Tagen mit 20 weiteren Teilnehmern aus der gesamten Erzdiözese Bamberg – vom Nürnberger Land bis in den Frankenwald - die vom Caritasverband der Erzdiözese angebotene Weihnachtsfreizeit für Senioren, die bis zum 3. Januar dauert. Wer in diesen Tagen an dem malerisch am Ortsrand gelegenen Haus St. Elisabeth vorbeigeht, kann aus dem Mund der sangeslustigen Franken Weihnachtslieder aus aller Welt hören – begleitet von Schwester Sigrid auf der Gitarre. Die Franziskusschwester wird als „Seele des Hauses“ von allen Erholungssuchenden geliebt und gelobt. „Gemeinsam mit ihrem Team schafft sie eine so warme Atmosphäre, sorgt bestens für das leibliche und das seelische Wohl, so dass man gerne herkommt“, schwärmt Hans Roth aus Bamberg. Einige ziehen das Zusammensein mit Gleichaltrigen dem Weihnachtsfest bei den erwachsenen Kindern vor, wo sich mancher „als fünftes Rad am Wagen“ fühlen würde.

Ermöglicht wird das vielseitige Freizeitangebot durch ehrenamtliche Erholungsleiterinnen. Elisabeth Bady aus Ansbach und Hannelore Friedl aus Bamberg haben Erfahrung mit den Bedürfnissen älterer Menschen, stehen ihnen mit Rat und Tat zur Seite und unterstützen jeden, der eigene Fähigkeiten einbringt. Beim gemeinsamen Schmücken des Christbaums gleich zu Beginn haben sich alle kennen gelernt.

Annemarie Stengel, zuständige Fachreferentin der Caritas, überzeugt sich vor Ort davon, dass sich die Gäste wohl fühlen. „Das von den Erholungsleiterinnen vorbereitete Programm ist ein offenes Angebot, dessen Teilnahme selbstverständlich freiwillig ist. Keinem wird etwas aufgezwungen“, betont sie. Ganz ähnlich läuft es auch im Haus St. Hedwig in Bad Steben, wo zurzeit 31 allein stehende ältere Menschen die Weihnachtstage und den Jahreswechsel erleben.

Viele der Senioren haben während des Jahres gespart oder sich von ihren Angehörigen einen Zuschuss als Weihnachtsgeschenk gewünscht, um in Gößweinstein oder Bad Steben auszuspannen und sich versorgen zu lassen. Denn sie wissen: der Urlaub vom Alltag außerhalb der eigenen Wände, das aktive Zusammensein mit Gleichgesinnten, verständnisvolle Gespräche mit den Betreuerinnen heben ihr Lebensgefühl. Nicht umsonst kommen viele immer wieder. Diesmal ist auch eine besonders treue Seele, Agnes Förtsch, Jahrgang 1908 (!), aus Teuschnitz zum zehnten Mal dabei. „In den zwei Wochen in Gößweinstein kann ich neue Kraft tanken,“ versichert sie lachend. Ihre 20 Jahre jüngere Nachbarin aus Erlangen wirft ihr einen bewundernden Blick zu. Als Neuling ist sie gespannt auf das, was die nächsten Tage bringen werden. Zum Trübsal blasen jedenfalls bleibt keine Zeit, denn Elisabeth Bady ruft: „Auf zur Gymnastik“. Wenn’s auch hie und da schon zwickt – da kneift keiner, weil jeder weiß, dass Bewegung gut tut.

Renate Steinhorst

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