17. Dezember 2004

In der Caritas-Straßenambulanz in Nürnberg ist jetzt ständig ein Arzt vor Ort 


Hand in Hand können der Allgemeinmediziner Dr. Jens Schuler (links) und der Leiter der Straßenambulanz, der Krankenpfleger Roland Stubenvoll, ihre Patienten versorgen.


Die Caritas und ihre Kooperationspartner stellten die zusätzliche medizinische Versorgung wohnungsloser Menschen vor. Von links: Willi Kronberger, Koordinator der Wohnungslosenhilfe in Nordbayern, Hans-Dieter Moritz von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns, der “Arzt vor Ort” Dr. Jens Schuler, Allgemeinmediziner Dr. Heribert Renner, Stadtdekan Theo Kellerer, Erster Vorsitzender des Caritasverbandes Nürnberg, Roland Stubenvoll, Leiter der Straßenambulanz, und Caritasdirektor Roland Werber.
Fotos: Sauerbeck

In der Caritas-Straßenambulanz "Franz von Assisi" gibt es jetzt einen Arzt, der jeden Tag Sprechstunden für wohnungslose Menschen abhält. Mit diesem zusätzlichen niedrigschwelligen Angebot soll Frauen und Männern von der Straße, die oftmals den Weg in eine "normale" Arztpraxis scheuen, direkt geholfen werden. "Arzt vor Ort" ist der 35-jährige Facharzt für Allgemeinmedizin, Dr. Jens Schuler. Im Dezember wurde er der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Straßenambulanz am Hummelsteiner Weg 36, die der Franziskanerbruder Martin Berni 1995 aufgebaut hat und die der Caritasverband Nürnberg trägt, ist eine wichtige Anlaufstelle für bedürftige Menschen. Der Bedarf an pflegerischer Versorgung und medizinischer Behandlung ist groß und von Jahr zu Jahr gestiegen. Allein von Oktober 2003 bis Oktober 2004 wurden 879 Patienten in der  Straßenambulanz behandelt: 206 Frauen und 673 Männer im Alter zwischen 20 und 50 Jahren.

Bisher hatte der Allgemeinmediziner Dr. Heribert Renner einmal in der Woche Sprechstunde. Doch dies reichte bei weitem nicht aus. So erteilte die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) Dr. Renner die Zulassung, in den Räumen der Straßenambulanz eine Zweigpraxis zu eröffnen. Dort praktiziert nun Schuler, der nach seinem Medizinstudium unter anderem in der Unfallchirurgie der Erlerklinik, in der Psychiatrie und in der Inneren Medizin gearbeitet hat.

"Es ist der KVB ein ganz besonderes Anliegen, Männern und Frauen, die am Rande der Gesellschaft leben, zu helfen", erklärte Hans-Dieter Moritz von der Bezirksstelle Mittelfranken. Das Hauptproblem sei, dass diese Menschen nicht in die Praxen kommen. "Also muss der Arzt zu den Menschen kommen!"

Im November trat Dr. Schuler seinen Dienst in der Straßenambulanz an. 20 bis 30 Frauen und Männer behandelt er seitdem Tag für Tag. Viele Krankheiten sind eine Folge der Lebensbedingungen auf der Straße, von Not und Armut. Durch fehlende Hygiene kommt es zu Krätze, Milben- und Lausbefall oder zu infizierten Wunden. Alkoholmissbrauch ist ein weiteres Problem. Chronische Erkrankungen der Atmungs- und Verdauungsorgane oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind unter Wohnungslosen weit verbreitet.

Hand in Hand können Jens Schuler und der gelernte Krankenpfleger Roland Stubenvoll, der als Nachfolger von Bruder Martin die Straßenambulanz leitet, die Patienten versorgen. "Wir kümmern uns auch darum, dass die, die zum Facharzt überwiesen werden, dort auch wirklich ankommen", sagt Stubenvoll. "Notfalls fahren wir sie hin."

1000 wohnungslose Menschen leben im Großraum Nürnberg, teilte Willi Kronberger, Koordinator der Wohnungslosenhilfe in Nordbayern, mit. Zwischen 80 und 90 Prozent benötigen dringend eine ärztliche Behandlung, zwei Drittel leiden an verschiedenen Erkrankungen, heißt es in der jüngsten Erhebung der Wohnungslosenhilfe Nordbayern und der Münchner Gruppe für sozialwissenschaftliche Forschung (GFS).

Stadtdekan Theo Kellerer, Erster Vorsitzender des Caritasverbandes Nürnberg, unterstrich die Bedeutung von Diensten wie der Straßenambulanz. Kirche und Caritas müssten an den Brennpunkten der Großstadt für die Menschen da sein. Caritasdirektor Roland Werber dankte dem Team in der Straßenambulanz und allen, die ideell und finanziell die Einrichtung am Hummelsteiner Weg unterstützen.  

Sprechstunden:

Der Facharzt für Allgemeinmedizin, Dr. Jens Schuler, praktiziert ganztätig in der Straßenambulanz "Franz von Assisi" am Hummelsteiner Weg 36. Seine Sprechzeiten sind: Montag bis Freitag von 9 bis 11.30 Uhr sowie von 14 bis 18 Uhr (außer Mittwoch Nachmittag).

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