Caritas Bamberg - Pressemitteilung vom 21. April 2004

21. April 2004

Gemeinsam neue Hilfsangebote entwickelt – Modellprojekt in Ebermannstadt förderte die Zusammenarbeit von Caritas und Pfarreien

Eine stärkere Vernetzung zwischen der Arbeit des Caritasverbandes und den sozialen Aktivitäten der Pfarreien hat das Modellprojekt „Caritas und Pastoral“ hervorgebracht, das im Dekanat Ebermannstadt durchgeführt wurde. Etliche neue Hilfsangebote sind entstanden.

So fanden sich in der Pfarrei Ebermannstadt sieben Ehrenamtliche zu einem Besuchsdienst zusammen, der zu den Patienten der Caritas-Sozialstation kommt. Die Freiwilligen schenken den Pflegebedürftigen die Zuwendung und Aufmerksamkeit, für die das Pflegepersonal aufgrund der rigiden Abrechnungsvorschriften der Pflegeversicherung keine Zeit hat.

Zugleich gelang es, Besuchsdienste auf eine „professionellere“ Basis zu stellen. In einer breiten Kooperation, an der sich der Kreis-Caritasverband, das Katholische Kreis-Bildungswerk, die Dekanate Forchheim und Ebermannstadt, der Regionaldekan und die Diözesanstelle Altenpastoral beteiligten, durchliefen 26 Ehrenamtliche den Qualifizierungskurs "Menschen begleiten im Alter". 10 Interessenten haben sich bereits für eine Neuauflage der Schulung im Herbst angemeldet.

Seine Türen öffnen soll in Ebermannstadt demnächst ein sogenanntes Gemeinschaftshaus. Dort können Alzheimer- und Demenz-Patienten, die zu Hause gepflegt werden, für ein bis zwei Stunden Aufnahme finden, damit deren Angehörige in dieser Zeit einen Arztbesuch machen, einen Behördengang erledigen oder zum Einkaufen gehen können. Pflegerische Tätigkeiten erfolgen nicht. Den Raum will die Stadt stellen; daher soll das Angebot kostenlos sein. 8 bis 10 Personen könnten gleichzeitig betreut werden. Peter Ehmann, Geschäftsführer des Caritasverbandes für den Landkreis Forchheim, ist überzeugt, dass ein solches Angebot „in jeder Pfarrei möglich“ wäre. Einen großen Vorteil des „Gemeinschaftshauses“ sieht er auch darin, dass der Besuch einer Tagespflege nicht für jeden Patienten bezahlbar ist.

Intensiviert hat die Pfarrei St. Nikolaus in Ebermannstadt auch ihre Hilfen für Flüchtlinge. Ehrenamtliche bringen Asylbewerbern Deutsch bei. Die Pfarrei besorgte einigen von ihnen Fahrräder. Zweimal feierten Flüchtlinge und Einheimische gemeinsam einen besonders gestalteten Gottesdienst; einmal luden die Asylbewerber danach zu einem arabischen Essen ein. Im Asylbewerberheim traf man sich zu einer gemeinsamen Weihnachtsfeier. Inzwischen gibt es in der Pfarrei einen Arbeitskreis, der die Arbeit mit den Flüchtlingen gestaltet.

Auf verschiedenen Wegen wurde der Informationsfluss zwischen Caritas und Pfarreien verbessert. Von regelmäßigen Caritas-Infos in den Pfarrbriefen über Treffen für die Caritas-Sammler und die Caritas-Beauftragten der Pfarreien bis hin zu Info-Abenden, welche die Caritas in drei Pfarreien durchführte, reicht die Palette.

Das Projekt „Caritas und Pastoral“ startete im Sommer 2001 und verfolgte das Ziel, die Pfarrgemeinden und den Caritasverband zu einer intensiveren Zusammenarbeit anzuregen. Die Idee kam aus dem Diözesansachauschuss „Soziale und karitative Aufgaben“. Pfarreien, soziale Initiativen und die professionellen sozial-caritativen Dienste stärker zu vernetzen, sollte in einer ausgewählten Region erprobt werden. Das Dekanat Ebermannstadt erklärte sich für diesen Versuch bereit.

Die Erfolge des Projekts, die vor kurzem vor der Pastoralkonferenz des Dekanats vorgestellt wurden, haben die Initiatoren des Modellprojekts ermutigt, auch über dessen offizielles Ende hinaus weiterzumachen. Dazu hat sich eine Arbeitsgruppe zusammengetan, der die Dekanatsräte und Caritas-Vorstände Alfons Galster und Friedrich Schmitt, Caritas-Geschäftsführer Peter Ehmann und Pastoralreferentin Dr. Andrea Friedrich angehören. Sie denken z.B. darüber nach, einen allgemeinen Besuchsdienst im Dekanat Ebermannstadt zu gründen. Außerdem wollen sie ein Konzept entwerfen, wie der Kreis-Caritasverband die Pfarreien noch besser unterstützen kann.

Was sich aus dem Modellprojekt für andere Dekanate folgern lässt, soll in der Pastoral-Kommission der Erzdiözese Bamberg beraten werden. Um eine stärkere Vernetzung von Caritas und Pastoral zu erreichen, hält Susanne Grimmer vom Diözesansachausschuss „Soziale und karitative Aufgaben“ ein „langfristiges Umdenken“ für notwendig. Die Dekanatsräte Bamberg und Bayreuth haben das Thema bereits aufgegriffen.

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