Caritas Bamberg - Pressemitteilung vom 23. Oktober 2003

23. Oktober 2003

Der Bedarf an Caritas-Kindererholung nimmt zu.
Benefizkonzert soll zu Finanzierung beitragen

Die Nachfrage nach Kindererholung wächst. Immer mehr Kinder sind nicht nur gesundheitlich angeschlagen, sondern kommen gleichzeitig aus materiell bedürftigen und sozial benachteiligten Familien. Für den Diözesan-Caritasverband bedeutet dies nicht nur, dass er sein Angebot an Ferienaufenthalten verstärken müsste. Zugleich muss er die Eltern vermehrt finanziell unterstützen, damit sie ihren Kindern die dringend notwendige Erholung erlauben können. Daher veranstaltete der Diözesan-Caritasverband an Allerheiligen in der Bamberger Konzerthalle ein Benefizkonzert zugunsten der Caritas-Kindererholung.

Die Mutter ist alleinerziehend und arbeitslos. Die Miete hat sie seit Monaten nicht bezahlt; die Räumungsklage kann nur abgewendet werden, weil die Caritas die Mietschulden begleicht. Die neunjährige Tochter hat Asthma, nässt nachts ein und ist sehr schüchtern. Auf die Kindererholung an der Ostsee ist sie nur mitgegangen, weil sie mit einer Klassenkameradin im selben Zimmer schlafen darf. – Dies ist nur ein Beispiel, mit welchen Problemen das Referat „Kur und Erholung“ des Diözesan-Caritasverbandes bei der Durchführung der Kindererholungen konfrontiert wird.

250 Kinder haben im vergangenen Jahr an Erholungsmaßnahmen des Caritasverbandes für die Erzdiözese Bamberg teilgenommen. Die dreiwöchigen Aufenthalte an Ost- oder Nordsee, im Schwarzwald oder Fichtelgebirge sowie in Österreich waren für die Sechs- bis Dreizehnjährigen schon wegen gesundheitlicher Probleme angezeigt. Die Teilnehmerlisten lesen sich wie Krankenberichte: Neurodermitis, Asthma, verschiedenste Allergien, Atembeschwerden, Kleinwuchs, Infektanfälligkeit, Akne, Ekzeme, Heuschnupfen, Migräne, nervöse Verdauungsbeschwerden, Übergewicht und immer wieder Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom lauten die Diagnosen. Wichtige Aufgabe der Kindererholung ist daher, Gesundheit, Widerstandsfähigkeit und Allgemeinbefinden der Kinder zu fördern. Dazu sucht die Caritas Reiseziele mit besonders günstigem Klima aus.

Häufig sind die Kinder, die mit der Caritas in Erholung fahren, zudem familiären Schwierigkeiten ausgesetzt. Der Anteil jener Kinder, die nur mit einem Elternteil zusammenleben, schwankt seit 1998 zwischen 60 und 70 Prozent; 1994 waren es noch 40 Prozent. Bei jedem vierten Kind waren 2002 die Eltern arbeitslos oder Umschüler. Die belasteten Familienverhältnisse bedingen hohe Anforderungen für die Betreuerinnen und Betreuer bei den Kindererholungen. Etliche Kinder lernen erstmals einen geregelten Tagesablauf, feste Mahlzeiten und ungestörte Bettruhe kennen. Neben Sport und Bewegung ist daher auch gesunde und ausgewogene Ernährung ein wichtiger Bestandteil der Kindererholung. Andere Kinder müssen sich soziale Fähigkeiten wie Rücksichtnahme und Teamgeist erst aneignen. Sich in eine Gruppe zu integrieren, andere Kinder, deren Vorstellungen und Wünsche zu akzeptieren, aber auch selbstbewusst eigene Ideen einzubringen, dazu wollen Spiele und kreative Beschäftigungen anleiten.

Oft sind Eltern auch nicht in der Lage, den Erholungsaufenthalt für ihr Kind zu bezahlen oder bei einer Finanzierung durch die Krankenkasse den Eigenanteil aufzubringen. Im vergangenen Jahr wurden nicht einmal 32 Prozent der Gesamtkosten für Kindererholung von den Eltern getragen. 17,5 % übernahmen Krankenkassen, vor allem die AOK, über 26 % Sozial- oder Jugendämter. Knapp neun Prozent konnten durch besondere Zuschüsse aus Landesmitteln gedeckt werden. Aber immerhin 12 % finanzierten Diözesan-Caritasverband, örtliche Caritasverbände und Pfarreien. Fast 10.000 Euro musste der Diözesan-Caritasverband 2002 aus Eigenmitteln aufbringen. Und dieser Anteil wird ansteigen, denn das Referat „Kur und Erholung“ beobachtet, dass Sozial- und Jugendämter ihre Zuschüsse an die Eltern zunehmend reduzieren.

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