Caritas Bamberg - Pressemitteilung vom 16. Mai 2003

16. Mai 2003

Im Gesundheitssystem muss Bürokratie abgebaut werden
Diskussionsrunde zum 20-jährigen Bestehen der Caritas-Sozialstation
Schesslitz

Auf dem Podium diskutierten miteinander (von links): Irmgard Heckmann, Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg, Dr. Peter Landendörfer als Moderator, Heinrich Rudrof, Dr. Bernd Dietz und Dr. Hubert Metzner.
Foto: Krieger
Eine 81-jährige Patientin mit kompliziertem Armbruch kommt aus der Klinik nach Hause. Vor dem Unfall war sie mobil, jetzt ist sie pflegebedürftig. Sie benötigt Hilfe beim Waschen, Anziehen, Anlegen der Armbinde, beim Kochen und im Haushalt.

Dieses Beispiel nannte Irmgard Heckmann bei der Diskussion über die Zukunft des Gesundheitssystems, die am Donnerstagabend in Scheßlitz stattfand. Die Referentin für ambulante Pflege beim Diözesan-Caritasverband beschrieb so, wie sich die Einführung von Fallpauschalen in Krankenhäusern auswirkt: Darauf, dass Patienten früher entlassen werden, seien die Angehörigen nicht eingestellt, alleinstehende Menschen seien hilflos, die Hausärzte würden überrascht, wenn am Freitagnachmittag der Kranke mit dem Entlassungsschein ratlos in der Praxis stehe. „Hier werden wieder ambulante Pflegedienste benötigt,“ betonte Heckmann. Diese aber stünden unter Druck, da sie zunehmend Defizite erwirtschafteten. So verweigerten die Pflegekassen seit mehreren Jahren, die Vergütungen den steigenden Sachkosten der Sozialstationen anzupassen.

Eine enorme Bürokratisierung erwartet Dr. Bernd Dietz, Chefarzt für Chirurgie in der Juraklinik Scheßlitz, von den Fallpauschalen. Nach komplizierten Regeln müssten die Ärzte für jeden Patienten die Fallpauschale errechnen.

Den Abbau von Bürokratie im Gesundheitswesen – für deren Auswüchse die Schwestern der Sozialstation Scheßlitz eindrucksvolle Beispiele berichteten – forderten einmütig der Bundestagsabgeordnete Karl-Theodor Freiherr zu Guttenberg und das Landtagsmitglied Heinrich Rudrof (beide CSU). Die Frage „Unser Gesundheitssystem – ein Auslaufmodell?“, die der Podiumsdiskussion im Rot-Kreuz-Heim den Titel gab, beantwortete zu Guttenberg mit der Einschätzung, dass man sich von der Vollversorgung verabschieden und künftig jeder Bürger Eigenvorsorge betreiben müsse. Der Parlamentarier sprach sich für mehr Wettbewerb im Gesundheitssystem, eine Verstärkung der Prävention und das Wahlrecht der Versicherten beim Umfang der Kassenleistungen aus.

Der Arzt Dr. Hubert Metzner wandte sich gegen die Absicht, die – von ihm auf dem Podium vertretene – Kassenärztliche Vereinigung als „Machtmonopol“ zu zerschlagen. Letztlich dienten die Vereinigungen den Patienten, indem sie sich für die Sicherung der Qualität ärztlicher Behandlung einsetzten.

Anlass für die von Dr. Peter Landendörfer, dem Vorsitzenden des Caritasverbandes für den Landkreis Bamberg, moderierten Veranstaltung war das 20-jährige Bestehen der Caritas-Sozialstation in Scheßlitz. Dort betreuen 19 Altenpflegerinnen, Krankenschwestern und Hauswirtschaftskräfte, zwei Zivildienstleistende und eine Verwaltungsangestellte 130 Patienten in einem Gebiet, das von Gundelsheim bis Stadelhofen und von Scheßlitz bis Heiligenstadt reicht. Mit 14 PKWs sind sie im laut Stationsleiterin Birgit Deinlein größten Einzugsgebiet aller zwanzig Sozialstationen im Erzbistum Bamberg unterwegs. Neben der Pflege und rund 600 Beratungsgesprächen jährlich engagieren sich die Pflegekräfte – nur ein Mann ist unter ihnen – ehrenamtlich in der Sterbe- und Trauerbegleitung und organisieren für die Patienten einmal im Jahr einen Krankengottesdienst mit anschließendem Beisammensein.

Klaus-Stefan Krieger

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