Caritas Bamberg - Pressemitteilung vom 4. Juli 2003

4. Juli 2003

Caritas Kronach bietet Eltern Kurse an: Mehr Selbstvertrauen bei der Kindererziehung

„Eltern werden ist nicht schwer, Eltern sein dagegen sehr.“ Der Caritas-Kreisverband Kronach führte jetzt erstmals einen Kurs durch, der zu mehr Sicherheit im Umgang mit Kindern verhelfen soll. Ende September wird ein weiterer Elternkurs beginnen. Was hat es mit diesem Kurs unter dem Titel „Starke Eltern - Starke Kinder“ auf sich?

Ein Patentrezept für Erziehung gibt es zwar nicht, und jede Familie muss ihren eigenen Weg finden. Dennoch können Eltern besser zu Recht zu kommen, wenn sie verschiedene Möglichkeiten der Erziehung kennen und einüben. Solche neuen Anregungen will der Kurs Eltern geben und sie so befähigen, problematische Erziehungssituationen erfolgreicher in den Griff zu bekommen. „Es ist einfach sehr hilfreich, manche Situationen aus verschiedenen Blickwinkeln anzusehen“, erläutert Anette Schwägerl den Nutzen der Arbeit in der Gruppe.

Die speziell ausgebildete Diplom-Sozialpädagogin leitet in Kronach den Kurs, den der Kinderschutzbund entwickelt hat. Schwägerl arbeitete fünf Jahre lang in der Caritas-Erziehungsberatungsstelle in Bamberg und ist selbst Mutter. Heute ist sie für den Kronacher Caritas-Kreisverband bei der Sozialpädagogischen Familienhilfe tätig.

Die Inhalte des Kurses basieren auf kommunikationstheoretischen und familientherapeutischen Konzeptionen. Der Erziehungsstil, der hier befürwortet wird, ist weder autoritär noch antiautoritär. Angestrebt wird eine „anleitende Erziehung“. Sie will erreichen, dass die Kinder allmählich Verantwortung für ihr eigenes Tun übernehmen, lernen, ihren eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu vertrauen, sowie Kooperationsbereitschaft und Problemlösungsstrategien entwickeln.

Der Elternkurs ist eine Kombination aus Theorievermittlung, Selbsterfahrung und Übungen, die mit alltäglichen Erlebnissen der Teilnehmenden verknüpft werden. So steht auf dem Programm: Wie muss ich sprechen, damit mein Kind mir zuhört? Wie muss ich zuhören, damit mein Kind mit mir spricht? Wie lassen sich Bedürfnisse von Eltern und Kind unter einen Hut bringen? Welche Erwartungen hat man an sich als Mutter oder Vater, als Erziehende? Welche Erwartungen habe ich an die Kinder/das Kind?

Die Kursabende bauen in Stufen aufeinander auf. Zunächst geht es um klare Werte der Eltern, dann um Selbstkenntnis, Identität und Bedürfnisse. Zu Beginn soll darüber nachgedacht werden, was man in der Erziehung erreichen möchte. „Welche Werte sind mir wichtig? Was möchte ich meinen Kindern vermitteln? Welche Erziehungsziele habe ich?“ Ganz wichtig, so Diplom-Sozialpädagogin Annette Schwägerl, ist auch das Erkennen und Ausdrücken der eigenen Bedürfnisse der Mutter und des Vaters. „Mütter dürfen ihre persönlichen Wünsche haben und sollten diesen, wenn möglich, auch nachkommen. Das gibt den Müttern Kraft und stärkt somit auch die Kinder.“ Schließlich geht es um die Förderung des Selbstvertrauens der Kinder. Eine nächste Stufe stärkt die Fähigkeit, Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken. Eltern seien hier große Vorbilder für ihre Kinder. Schließlich gehe es um Kooperationsfähigkeit und Verantwortungsgefühl.

Jeder der zehn Kursabende steht unter einer speziellen Thematik. Dabei geht es auch immer um das Erlernen von Techniken, die dann in einer Hausaufgabe zu Hause angewendet und gefestigt werden. Als goldene Regel gilt: „Mach mehr von den Dingen, die gut funktionieren.“ Und wenn etwas nicht funktioniert, sollte man nicht dieses Verhalten noch steigern, sondern sich etwas anderes einfallen lassen. Wenn man ein Kind immer wieder ruft und es nicht hört, ende dies oft in Schreien, ohne dass dies mehr bewirke. Vielversprechender wäre, schon früher etwas anderes zu versuchen: Und hier dann hilft der Erfahrungsschatz aus der Gruppe.
Rainer Glissnik

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