Caritas Bamberg - Pressemitteilung vom 4. Juli 2003

4. Juli 2003

Ehrenamtspreis 2003: Erzbischof zeichnet Freiwillige aus der Forchheimer Caritas aus

Ökumenischer Sozialladen Forchheim

In der Caritas-Tagespflege Neunkirchen am Brand

Not sehen und handeln, nach diesem Grundsatz entwickeln ehrenamtliche Helfer immer wieder neue soziale Projekte. Mit ihren Ideen, den sozial Schwachen, Alten und Armen zu helfen, rennen sie bei den Caritasverbänden häufig offene Türen ein. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick zeichnete kürzlich besonders vorbildliche ehrenamtliche Initiativen aus. Zwei der acht Prämierungen gingen an Projekte des Forchheimer Kreis-Caritasverbands. Als Dank und Anerkennung für ihre ehrenamtliche Arbeit überreichte der Erzbischof den Helfern des Ökumenischen Sozialladens Forchheim und der Caritas-Sozialstation Neunkirchen am Brand Schecks der "Stiftung für das Ehrenamt".

"Bei der Konzeption des Sozialladens haben wir von Anfang an stark auf die Kirchengemeinden gebaut", berichtet Peter Ehmann, Geschäftsführer des Kreis-Caritasverbands Forchheim. 15 Pfarrgemeinden, elf katholische und vier evangelische, sind am Forchheimer Sozialladen beteiligt. Seit vier Jahren läuft das Projekt, "und wir stehen sehr gut da", erklärt Ehmann stolz. Um feste Strukturen für den Betrieb zu schaffen, arbeitete man die ersten sechs Monate ohne Ehrenamtliche. Mittlerweile leisten jedoch 23 Männer und Frauen jede Woche 70 Stunden freiwillige Arbeit.

Wer im Forchheimer Sozialladen einkaufen möchte, braucht ein Berechtigungskärtchen, das die Caritas-Beratungsstelle oder das Sozialamt ausstellen. "Das wird scharf kontrolliert", versichert Ehmann. Der Missbrauch der stark verbilligten Waren könnte sonst dazu führen, wertvolle Spender zu verlieren. "Wir pflegen unsere Spenderkontakte sehr sorgfältig", unterstreicht er, vor allem Bäckereien und große Handelsketten unterstützen den Sozialladen mit Obst, Milchprodukten, Gebäck und ab und zu sind auch Hygieneartikel im Sortiment. "Weil Shampoo und Seife aber kaum verfallen, sind sie für uns schwer zu kriegen", bedauert Ruth Schwientek, die den Laden hauptamtlich leitet.

Ein Liter Milch kostet im Sozialladen zum Beispiel zehn Cent, ein Becher Joghurt fünf Cent. Vor allem Alleinerziehende und kinderreiche Familien gehören zur Stammkundschaft, aber auch verarmte Rentner oder Obdachlose. Jede Woche gehen neun Tonnen Lebensmittel über die Warentheke des kleinen Lädchens in der Birkenfelder Straße. 1000 Menschen werden wöchentlich durch das Projekt unterstützt; eine enorme Zahl, befand auch der Erzbischof während der Freiwilligen-Ehrung im Bischofshaus.

"Der Caritasverband macht immer wieder darauf aufmerksam, dass es bei uns Menschen gibt, die Mangel leiden müssen", würdigte Schick das Engagement der Forchheimer. Und auch Ehmann bestätigt, dass die Nachfrage für die Einkaufs-Ausweise der Caritas spürbar ansteigt. Doch die Kunden können sich nicht nur mit Lebensmitteln versorgen. Auch Dienstleistungen bietet der Ökumenische Sozialladen an: Ein Friseur schneidet kostengünstig die Haare und ein Verleih für Umzugskartons wurde eingerichtet. "Unsere Kunden sind aber keine Almosenempfänger, sie bezahlen für die Ware", stellt Ehmann fest.

Von der Stiftung für das Ehrenamt ausgezeichnet wurde auch die "Tagespflege in der Sozialstation Neunkirchen am Brand". Die zehn Plätze sind stark gefragt, vor allem altersdemente Senioren werden hier an vier Tagen in der Woche betreut. "Ohne die Ehrenamtlichen könnten wir den Betrieb so nicht aufrecht erhalten", weiß Ulrike Görner, die Leiterin der Neunkirchener Sozialstation. 15 Frauen bilden hier das Ehrenamtlichen-Team. Sie betreuen die Gäste der Tagespflege beim Basteln, Spazieren gehen oder Backen, bei der Gymnastik oder dem Gang zur Toilette. Sie aktivieren und fördern längst verloren geglaubte Fähigkeiten bei den Senioren. Selbst hochgradig Demenzerkrankte singen plötzlich sämtliche Strophen von "Kein schöner Land", berichtet Görner. Fester Bestandteil im Programm der Tagespflege sind außerdem Andachten mit den Neunkirchener Pfarrern.

"Die Ehrenamtlichen haben sich einen eigenen Dienstplan erstellt", berichtet Ulrike Görner, die Koordination untereinander klappt reibungslos. "Durch die Einrichtung werden betroffene Familien entlastet, Vereinsamung und geistiger Abbau der alten Menschen werden unterbrochen", lobte der Erzbischof die Ehrenamtlichen bei der Feierstunde. Und auch Ulrike Görner weiß, was sie an den freiwilligen Helfern hat: "Respektvoller Umgang mit den Mitarbeitern ist enorm wichtig. Denn dann können sie das auch an die Heimbewohner und Gäste der Tagespflege weiter geben." Die ehrenamtlichen Helfer werden regelmäßig geschult und nehmen an speziellen Dienstbesprechungen teil. "Ihre Meinungen und Beobachtungen zählen, sie gehören fest dazu."

Simon Hupfer

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