Caritas Bamberg - Pressemitteilung vom 22. Januar 2003

22. Januar 2003

Caritas Forchheim ermöglicht Kontakt: Brieffreundschaft mit afghanischen Schülern

Im Frühjahr letzten Jahres haben die Forchheimer Wohlfahrtsverbände ein Spendenkomitee Afghanistan gegründet. Über das finanzielle Hilfsangebot hinaus wurde eine Brieffreundschaft zwischen der 10. Klasse des Herder-Gymnasiums Forchheim und afghanischen Schülern organisiert. Nachdem über zum Teil abenteuerliche Wege die Briefe nach Afghanistan gesandt wurden und jetzt auch Rückantworten eintrafen, hat eine Schülerin einen ersten Bericht formuliert:

„Um Afghanistan ist es nach dem vorläufigen Sieg über das Terrorregime der Taliban wieder ziemlich ruhig geworden, nicht zuletzt da das weltweite Interesse nun dem Irak und v. a. dem irakischen Diktator Hussein gilt.

Doch wie sieht jetzt, wo eigentlich alles besser sein müsste, der Alltag aus in diesem durch jahrelange Unterdrückung und Krieg gekennzeichneten Land?

Im Freundeskreis sowie in der Schule wurde über dieses Thema diskutiert, wobei wir schnell feststellten, dass alle Vermutungen, die wir anstellten, stets theoretisch bleiben würden, solange wir nicht von persönlichen Schicksalen erfuhren. Natürlich wären eindrucksvolle Berichte von Zeitzeugen die beste Lösung, denn wer weiß besser Bescheid als der, der Aufstieg und Fall der Taliban und das Leben nach ihrem Regime selbst miterlebt hat.

So nahmen die meisten Schülerinnen der 10. Klasse des Herder-Gymnasiums das Angebot ihrer Lehrerin Frau Zippelius-Mülrath gerne an, eine Brieffreundschaft mit Schülern aus Afghanistan zu beginnen. In die Wege geleitet und ermöglicht hat uns diese Brieffreundschaft der Caritasverband Forchheim, der mit dieser Aktion auf die immer noch bestehenden Probleme, aber auch Möglichkeiten und Chancen für die Menschen aus Afghanistan aufmerksam machen will. Diese Brieffreundschaft spielt sich im Rahmen einer Hilfsaktion ab, welche der Caritasverband ins Leben gerufen hat; so wird unter anderem zu Spenden aufgerufen, mit denen der Wiederaufbau zerstörter Schulen finanziert wird, um die Bildung der Kinder zu gewährleisten. Der Caritasverband sorgt für den reibungslosen Briefverkehr und machte uns aber gleich zu Anfang auf ein Problem aufmerksam: den akuten Papiermangel! Wir wurden gebeten, in unsere Briefe immer ein paar Blätter Papier beizulegen, so dass alle uns auch zurückschreiben konnten.

So warteten wir also auf die erste Antwort auf unsere Fragen, wobei uns generell in der Klasse Dinge wie Wohnsituation, das äußere Bild der Stadt und die momentane Lebenssituation interessierten.

Über die Briefe aus Afghanistan waren wir zum Teil sehr überrascht, denn niemand hätte erwartet, dass manche unserer Brieffreunde so gut Deutsch können! Uns wurde zwar auf unser Angebot hin, man könne sich ja auf Englisch schreiben, gesagt, dass dies unnötig sei, da alle gut Deutsch sprechen, aber das hätte nun niemand erwartet. Auch bei den afghanischen Jugendlichen gab es typische Fragen, z. B. was unser Berufswunsch sei, welche Sänger wir am liebsten hörten und mit welchen Hobbys wir uns beschäftigen. Wir fanden heraus, dass ihre Lieblingsinterpreten David Hasselhoff und Roger Witthaker unserem Geschmack nicht so ganz entsprachen, aber waren doch überrascht, dass es auch in Afghanistan westliche Idole gibt.

Als Auffälligkeit bemerkten wir jedoch, dass auf unsere Fragen, wie z. B. der Alltag aussieht, wie sich die Situation innerhalb der Familie darstellt oder wie weit eine Nahrungsmittelvielfalt gegeben ist, sehr knapp und kurz angebunden geantwortet wurde. Anscheinend bedarf es noch vieler engagierter Arbeit und v. a. auch Zeit, um die alten Wunden heilen zu lassen und aus dem wirtschaftlich ruinierten Land ein Afghanistan zu machen, das seinen Bewohnern einen angemessenen Lebensstandart ermöglichen kann! Alles in allem ist diese Brieffreundschaft ein sehr gutes Mittel, um sich einen Einblick hinter die Kulissen von Fernsehnachrichten zu verschaffen, und wir sind froh, dass wir die Möglichkeit haben, dieses Projekt durchzuführen, so dass das Thema Afghanistan zumindest für uns nicht in den Hintergrund gedrängt wird.“

Johanna Schmaus, 10. Klasse Herder-Gymnasium Forchheim


Die nächsten Briefe werden noch im Januar nach Afghanistan gesandt. Darüber hinaus wird voraussichtlich im Februar oder März ein Entwicklungshelfer nach Forchheim kommen und aus erster Hand die Situation in Afghanistan schildern.

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