8. Januar 2003


Endlich mehr Platz für die Nürnberger Wärmestube


Der Erweiterungsbau für die Wärmestube in der Köhnstraße soll im April bezugsfertig sein. Bauherr ist der Caritasverband Nürnberg. Foto: Sauerbeck

Es ist fast kein Durchkommen möglich, jeder Platz ist besetzt, bei der Essensausgabe bildet sich eine lange Schlange. Bis zu 110 Männer und Frauen suchen jeden Tag die Wärmestube in der Köhnstraße hinter dem Nürnberger Hauptbahnhof auf. Ein Erweiterungsbau soll jetzt der Raumnot ein Ende machen.

„Selbst wenn das Haus voll ist, wird keiner abgewiesen“, betont Peter Meusch, der Leiter der ökumenischen Tageseinrichtung für Wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen. Vor allem in der kalten Jahreszeit herrscht in der Wärmestube dichtes Gedränge. Die Menschen von der Straße finden dort Ansprechpartner und einen schützenden Ort, wo sie essen und duschen oder das Telefon zur Arbeits- und Wohnungssuche benutzen und sich nach Notschlafstellen erkundigen können.

Ab April sollen die neuen Räume bezugsfertig sein, erklärten der Caritasverband Nürnberg und die Stadtmission Nürnberg, die seit fast 20 Jahren mit Unterstützung durch die Stadt die Wärmestube gemeinsam betreiben. Der Erweiterungsbau beherbergt künftig großzügige Sanitäranlagen und einen großen Gruppenraum. Im „Altbau“ wird dafür Platz geschaffen für dringend benötigte größere Büros und Beratungszimmer. Auch für das Frauencafé, das einmal wöchentlich in der Wärmestube stattfindet und an dem regelmäßig bis zu zehn Frauen teilnehmen, gibt es im nächsten Jahr mehr Platz. Außerdem wird der Außenbereich so umgestaltet, dass sich für Besucher und Mitarbeiter ein sichtgeschützter Aufenthaltsort im Freien ergibt.


Peter Meusch, der Leiter der Wärmestube, stellte das neue Raumkonzept vor. Caritasdirektor Roland Werber und Anna-Margareta Odenburg vom Vorstand der Stadtmission (Bildmitte) vertraten die beiden Betriebsträger. Foto: Sauerbeck

Die Baukosten in Höhe von 200.000 Euro trage die Stadt, erläuterte Nürnbergs Caritasdirektor Roland Werber. Der Caritasverband Nürnberg fungiert als Bauherr. Werber wie auch Anna-Margareta Oldenburg vom Vorstand der Stadtmission dankten ausdrücklich der Stadt Nürnberg, dass sie trotz des öffentlichen Sparzwangs und der schwierigen Haushaltslage zu dem Projekt stehe. Dennoch bleiben den beiden Wohlfahrtsverbänden im Jahr Eigenanteile von jeweils 50.000 Euro. Um die ökumenische Tageseinrichtung auf Dauer finanziell abzusichern, seien die Betriebsträger daher auf Spenden und Sponsoren angewiesen.

Wie notwendig die Wärmestube als Anlaufstelle für die meist alleinstehenden Menschen ist, verdeutlichte Frau Oldenburg mit einem Hinweis auf die Statistik: „Im vergangenen Jahrzehnt hat sich die Zahl der Besucher verdreifacht und die Zahl der ausgegebenen Essen fast verdoppelt.“ 30.000 Mahlzeiten werden im Jahr zubereitet und an die Besucher ausgegeben.

Peter Meusch machte deutlich, dass die Wärmestube mehr ist als ein Aufenthaltsort für Menschen aus der Obdachlosenszene. Die 1.500 Besucher im Jahr (85 Prozent Männer) erhalten dort Beratung und Informationen über betreute Wohnmöglichkeiten, medizinische Versorgung oder finanzielle Hilfen durch das Sozialamt. Die Wärmestube kooperiert auch mit dem Straßenkreuzer, Frankens Magazin für Menschen in sozialer Not. Die Abgabe der Hefte an die Verkäufer, bedürftige und obdachlose Menschen, findet in der Wärmestube statt.

Wer die Wärmestube unterstützen will, kann eine Spende überweisen an: Caritasverband Nürnberg, Liga-Bank Nürnberg, Konto-Nr. 9121, BLZ 750 903 00, Stichwort „Wärmestube“.
Ingrid Petersen


[nach oben]   [zurück]