Caritas Bamberg - Pressemitteilung vom 27. August 2003

27. August 2003

Damit junge Mütter einen Beruf lernen können:
Caritas-Schwangerenberatung sucht Teilzeitausbildungsplätze

Sonja Krefft mit ihrer kleinen Tochter Julia.

Einen Beruf, bei dem sie mit Menschen zu tun hat, würde Sonja Krefft gerne lernen. Doch als alleinerziehende Mutter sieht die 17-jährige sich nicht in der Lage, eine Ausbildung durchzuziehen. Tagsüber auf Arbeit, abends für die Berufsschule lernen, das Kind versorgen, den Haushalt führen – das, sagt Sonja, sei nicht wirklich zu bewältigen: „Ich kann nicht in Vollzeit einer Ausbildung nachgehen und gleichzeitig eine gute Mutter sein.“ Wie Sonja geht es auch anderen jungen Frauen. Daher sucht die Caritas für sie Arbeitgeber, die bereit sind, in Teilzeit auszubilden.

Sonja hat sich in Bamberg auch schon bei Firmen um einen Ausbildungsplatz beworben. Kauffrau im Einzelhandel hätte sie gerne gelernt. Doch da bekam sie zu hören: „Mit einem Kind sind Sie nicht so einsetzbar.“ Andererseits befürchtet Sonja, dass sie sich nicht mehr richtig um Julia kümmern kann. „Wenn ich neun Stunden aus dem Haus bin und die Geschäfte teilweise bis abends um 8 Uhr offen haben, dann könnte ich die Kleine gerade noch ausziehen und ins Bett bringen.“

Allerdings wäre schon die Kinderbetreuung tagsüber ein Problem. Wer würde sich um Julia kümmern? Zwar hat Sonja – im Vergleich zu anderen jungen Müttern – noch Glück; sie erhält Unterstützung von ihrer Mutter, bei der sie zur Zeit noch wohnt. Doch Sonjas Mutter ist berufstätig und könnte allenfalls stundenweise die 15 Monate alte Julia beaufsichtigen.

Vom Vater ihres Kindes kann Sonja keine Hilfe erwarten. Er geht keiner geregelten Arbeit nach, hat allenfalls Gelegenheitsjobs, kann den Unterhalt nicht zahlen. Seine Tochter hat er nur drei-, viermal kurz gesehen.

Die ideale Lösung für Sonja wäre eine Teilzeitausbildung. Sonja müsste nur halbtags an ihrem Ausbildungsplatz sein, dafür würde sich die Ausbildungsdauer auf vier Jahre verdoppeln. Für etwa sechs Stunden am Tag ließe sich schon ein Platz für Julia in einer Kinderkrippe finden, ist Sonja überzeugt; den Rest des Tages hätte sie dann Zeit für Kind und Haushalt.

„Leider wissen noch viel zu wenige Arbeitgeber, dass es diese Möglichkeit gibt,“ sagt Martina Nowak von der Schwangerenberatungsstelle der Caritas in Bamberg. Die Sozialpädagogin begleitet eine Gruppe junger Mütter, die sich alle vierzehn Tage in der Beratungsstelle trifft. Dort ist das Interesse an einer Teilzeitausbildung auch entstanden. Arbeitsamt, Handwerkskammer sowie Industrie- und Handelskammer sind mit einem solchen Modell einverstanden, hat Martina Nowak erfragt. Und in anderen Bundesländern gibt es die Teilzeitausbildung längst. In Bayern hat die Beraterin nur von einem ähnlichen Projekt in Nürnberg gehört.

„Die Mädchen sind hoch motiviert,“ weiß Martina Nowak. „Sie wollen den Sozialhilfekreislauf verlassen und suchen eine Möglichkeit der Berufsausbildung, der ihren Lebensumständen gerecht wird.“ Sonja wünscht sich eine eigene kleine Wohnung, bei der Mutter geht es doch arg beengt zu. „Wenn man sagt, man lebt von Sozialhilfe, heißt es: Können Sie überhaupt die Miete bezahlen? Sozialhilfeempfänger wollen die Vermieter nicht,“ hat Sonja bei der Wohnungssuche die Erfahrung gemacht. Zwar wird sie bei einer Teilzeitausbildung trotz der Ausbildungsvergütung nicht ganz ohne Sozialhilfe auskommen, aber eigenes Geld zu verdienen, ist ihr großes Ziel. „Da überlegt man sich dann auch mehr, was kauf‘ ich jetzt, was kauf‘ ich nicht, vielleicht habe ich für das Geld eine Stunde gearbeitet.“ Ohne Ausbildung sieht sie für sich und ihre Tochter keine Perspektive: „Ich will meinem Kind auch mal was bieten und den Lebensunterhalt für mich und Julia ohne die Abhängigkeit vom Sozialamt sichern.“

Martina Nowak wirbt noch mit weiteren Vorzügen der jungen Mütter: Mit Kind und Haushalt müssen sie Organisationstalent beweisen, haben Belastbarkeit und Verantwortungsgefühl eingeübt. „Gerade diese jungen Mütter wollen unbedingt eine Ausbildung absolvieren; sie möchten eine möglichst eigenständige Existenzsicherung.“ Den jungen Frauen diese Chance für eine persönliche und berufliche Zukunft zu geben, ist das Ziel des Projektes der Caritas-Schwangerenberatung. Außerdem will die Beratungsstelle die Mädchen neben der Ausbildung sozialpädagogisch betreuen.

Martina Nowak hält noch ein grundsätzliches Argument für die Teilzeitausbildung bereit: „Die Mädchen haben nicht abgetrieben, sondern sich für ihr Kind entschieden. Sollen sie nun dafür bestraft werden, indem sie keine Ausbildung erhalten?“ Sonja Krefft ist dafür bereit, auch einen anderen als den erwünschten Beruf zu erlernen: „Ich wollte mein Kind, und da muss ich jetzt durch.“ „Und es wäre doch schade,“ ergänzt Martina Nowak, „wenn wir Julia nicht hätten.“

Arbeitgeber, die bereit wären, einen Teilzeitausbildungsplatz anzubieten, werden gebeten, sich bei Martina Nowak, Katholische Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen, Tel. (0951) 2 55 11 zu melden.

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