Caritas Bamberg - Pressemitteilung vom 23. Juli 2003

30. Juli 2003

Caritas wirkt mit: Pilotprojekt will Flüchtlingen Neuanfang in der Heimat erleichtern

Die bayerische Sozialministerin Christa Stewens eröffnete die „Zentrale Rückkehrberatung für Flüchtlinge in Nordbayern“ in Nürnberg. Foto: Sauerbeck

Claudia Siegel vom Caritasverband Fürth ist in der neuen Beratungsstelle eine der vier Ansprechpartnerinnen für rückkehrwillige Flüchtlinge. Foto: Sauerbeck

Perspektiven für eine Rückkehr in Würde wollen die Caritas und drei weitere Wohlfahrtsverbände gemeinsam mit ausreisewilligen Flüchtlingen entwickeln. „Zentrale Rückkehrberatung für Flüchtlinge in Nordbayern“ (zrb) heißt die neue Einrichtung, die im Juli von Staatsministerin Christa Stewens in Nürnberg offiziell eröffnet wurde.

Der Hintergrund: Circa 7.700 abgelehnte Asylbewerber mit einer Duldung leben in Bayern. Die meisten haben keine Chance, auf Dauer in Deutschland bleiben zu können. Die Alternativen hießen für viele: Abtauchen in die Illegalität oder Abschiebung unter teils menschenunwürdigen Bedingungen in eine ungewisse Zukunft.

„Für uns steht der humanitäre Gedanke im Vordergrund“, begründete Helmut Herz von der geschäftsführenden Arbeiterwohlfahrt (AWO) Nürnberg das Engagement der Wohlfahrtsverbände, die sich nicht in der Rolle eines „Erfüllungsgehilfen des Staates“ sehen. Neben AWO stemmen Bayerisches Rotes Kreuz (BRK) Nürnberg-Stadt, Caritasverband für die Stadt und den Landkreis Fürth und die Rummelsberger Anstalten der Inneren Mission in einem Trägerverbund das bayernweite Pilotprojekt.
Erklärtes Ziel der Wohlfahrtsverbände ist eine „ergebnisoffene Beratung“ und eine ganzheitliche Betreuung der ratsuchenden und rückkehrbereiten Menschen. „Wir wollen keinen Druck ausüben.“ Vom umstrittenen Ausreisezentrum in Fürth für rechtskräftig abgelehnte Asylbewerber distanzierten sich die Vertreter der beteiligten Verbände. „Das ist nicht unser Weg“, unterstrich Angelika Allen, Geschäftsführerin der Fürther Caritas. „Wir haben eine klare Aufgabenbeschreibung, wir alle stehen zur Freiwilligkeit.“

Modellcharakter, so hieß es bei der Vorstellung, habe die Kooperation zwischen öffentlichen Trägern und Wohlfahrtsverbänden. Die Landesaufnahmestelle des Freistaates Bayern in der Beuthener Straße stellt Räume und zwei Verwaltungskräfte für die Beratungsstelle zur Verfügung. Von den Wohlfahrtsverbänden kommen die vier Beraterinnen sowie jahrzehntelange Erfahrung im Flüchtlings- und Migrantenbereich. Gefördert wird das erst einmal auf ein Jahr angelegte Pilotprojekt durch den Flüchtlingsfonds der Europäischen Kommission und den Freistaat Bayern.

Anfang Juni nahm die Beratungsstelle ihre Arbeit auf. 25 Flüchtlinge haben bisher die Rückkehrberatung aufgesucht, berichtete deren Leiterin Martina Sommer. Ein Mann sei bereits nach Moskau ausgereist. Von irakischen Flüchtlingen lägen viele Anfragen vor, doch die politische Lage und die Infrastruktur im Land erlaubten noch keine Rückkehr, teilte Angelika Allen mit. Mit aktuellen Informationen zum Heimatland sollen die Ratsuchenden bei der Reintegration unterstützt werden. Die Wohlfahrtsverbände könnten hier auch auf Einschätzungen ihrer international tätigen Hilfsorganisationen zurückgreifen.
Mit beruflichen Qualifizierungsangeboten wie Handwerks- oder Computerkursen will man es rückkehrbereiten Flüchtlingen ermöglichen, in der Arbeitswelt ihres Heimatlandes wieder Fuß zu fassen. Außerdem unterstützen die Beraterinnen bei der Beschaffung von Reisedokumenten und vermitteln Direkthilfen für Flüchtlinge in besonderen Lebenslagen. Dieses „menschliche Handeln“ würdigte denn auch die bayerische Sozialministerin Christa Stewens. Sinn der neuen Einrichtung sei es, den Flüchtlingen die Rückkehr in ihre Heimat zu erleichtern.
sen

Kontakt: Zentrale Rückkehrberatung für Flüchtlinge in Nordbayern, Beuthener Straße 37, 90471 Nürnberg, Tel.: (0911) 9406-170/172; Fax: (0911) 9406-179; e-mail: zrb@last-n.bayern.de

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