Caritas Bamberg - Pressemitteilung vom 4. April 2003

4. April 2003


„Erziehung wird künftig nicht einfacher werden“
Beratungsstellen der Caritas bieten Eltern und Kindern Unterstützung an

Die Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstellen der Caritas in Forchheim und Herzogenaurach haben dieser Tage ihr 25-jähriges Bestehen gefeiert. Geschuldet ist das der Entwicklung, dass die Erziehungsberatung, die es bereits im 19. Jahrhundert und dann verstärkt nach dem 2. Weltkrieg in den großen Städten gab, sich in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts auch in die Fläche ausbreiteten.

Die Probleme, bei denen die Erziehungsberatungsstellen Hilfe für Kinder und Jugendliche sowie deren Eltern anbieten, reichen von Schulversagen und Schuleschwänzen über Schüchternheit, Aggressivität und „Klauen“ bis zu Ängsten und psychosomatischen Phänomenen wie Einnässen und Hyperaktivität. Gleich einer seiner ersten Fälle, erinnert sich Richard Rudert, Leiter und Mann der ersten Stunde bei der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatung Forchheim, sei ein Suizidversuch gewesen, den ein Kind wegen eines schlechten Zwischenzeugnisses unternommen habe.

Unterstützung geben die Berater auch, wenn Konflikte in der Familie und Partnerschaftsprobleme sich auf die Kinder auswirken. Dieses Problemfeld hat sich, so Rudert, in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet, und der Gesetzgeber legt großen Wert auf die Hilfen für Kinder bei Trennung und Scheidung der Eltern.

Insgesamt lässt sich eine deutliche Zunahme der Klientenzahl beobachten; gegenüber den Anfängen hat sie sich in den 90er Jahren verdreifacht. Obwohl die Zahl der Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren im Landkreis Forchheim heute wie 1978 um die 25.000 pendelt, stehen knapp 190 Ratsuchende Anfang der 80er Jahre 586 im Jahr 2002 gegenüber.

Einen Grund sieht Richard Rudert darin, dass die Erziehungsberatung zu einer Anlaufstelle geworden ist, die man selbstverständlich und ohne Hemmschwelle in Anspruch nimmt. Die Hauptursachen macht der Psychologe jedoch im Wandel der Familienformen und des Familienalltags aus: Die klassische Arbeitsteilung von Vater und Mutter bestehe nicht mehr, „neue konfliktfreie Modelle sind allenfalls im Entstehen.“ Auf dem Land mache zusätzlich die Veränderung des dörflichen Lebensraums zu schaffen: die Schulen seien in die Städte verlagert, das Dorfzentrum stehe den Kindern nicht mehr als Spielplatz zur Verfügung, die Dörfer werden zu Schlaforten für Pendler.

Dazu komme die Verunsicherung der Eltern durch einander widersprechende gesellschaftliche Normen. „Erziehung wird nicht leichter werden,“ wagt er die Prognose. Daher werde Prävention immer wichtiger: Mutter-Kind-Gruppen, Gruppen für Kinder, deren Eltern in Trennung oder Scheidung leben, Fortbildungen für Erzieherinnen und Lehrkräfte.

Doch gerade hierfür fehlt den Stellen das Geld. Zwar ist die Erziehungsberatung eine Pflichtaufgabe der Kommunen, weshalb der größte Teil der Kosten vom Landkreis getragen werden muss. 10 Prozent muss der Träger – das sind in Forchheim und Herzogenaurach die Kreis-Caritasverbände – selbst aufbringen, wobei dieser Anteil auf bis zu 15 Prozent steigen kann. 30 Prozent der Personalkosten übernimmt der Freistaat. Doch beim Festakt in Forchheim kündigte der stellvertretende Landrat Gregor Schmitt unmissverständlich an: „Wir können nicht auf Dauer auf Kosten der Jugend Schulden machen, auch wenn die Aufwendungen der Jugend zugute kommen.“

So bleibt Richard Rudert nur der Wunsch: „Wir wären froh, wenn wir das, was wir an Prävention schon einmal angeboten haben, wieder anbieten könnten.“ Vorerst bleibt dies ein Wunsch. Die geplante Beschäftigung einer Honorarkraft musste die Caritas aus dem Haushalt streichen.

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