Pressemitteilung vom 28. März 2002

Don-Bosco-Haus feierte zehnjähriges Bestehen und carisma-Arbeitstherapie weihte ihr neues Gebäude ein

Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon zollte ein hohes Lob: „Es gibt keinen Caritasverband im Erzbistum, der so intensiv die Arbeit mit psychisch Kranken betreibt.“ Bei einer doppelten Feier konnte sich der Caritasverband im Landkreis Nürnberger Land über Früchte dieser Anstrengung freuen: Das Don-Bosco-Haus beging sein zehnjähriges Jubiläum, und die carisma-Arbeitstherapie weihte ihr neues Gebäude ein.

Die Montage von Bürostühlen ist einer der hauptsächlichen Aufträge, die in der carisma-Arbeitstherapie in Hersbruck ausgeführt werden.

Interessiert sehen (von links) Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon, Thomas Reichelsdorfer, der Leiter der carisma-Arbeitstherapie, und Angela Henke, die Vorsitzende des Caritasverbandes Nürnberger Land, zu, wie Elektronikteile gefertigt werden. Fotos: Robert Sauerbeck

Das Don-Bosco-Haus in Hersbruck bietet Langzeitwohnen für psychisch kranke und behinderte Menschen. Anspruch des Hauses sei es, erläuterte bei der Feier Angela Henke, die Vorsitzende des Caritasverbandes Nürnberger Land, die Bewohner anzunehmen mit ihren Stärken und Schwächen, ihr Selbstwertgefühl zu steigern und sie Freiheit erfahren zu lassen.

Im Don-Bosco-Haus leben gegenwärtig insgesamt 25 Personen in drei therapeutischen Wohngruppen und einer Wohngemeinschaft, deren Mitglieder sich auf das Leben in einer eigenen Wohnung vorbereiten. 17 fest angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie zehn Honorarkräfte begleiten die Hausbewohner. Sie sollen, wie Angela Henke betonte, „Tag und Nacht, wochen- wie sonntags“ einen Ansprechpartner haben. Ziel sei es, dass die Bewohnerinnen und Bewohner eigenständig und für sich selbst verantwortlich werden. Nach Henkes Angaben konnten in den letzten Monaten elf Bewohner das Haus verlassen. Nur eine Entlassung sei nicht erfolgreich verlaufen.

Ende der Raumnot

Die carisma-Arbeitstherapie ist aus dem Don-Bosco-Haus hervorgegangen. Zunächst befand sich eine Werkstatt im Haus selber. Wegen Platznot zog sie 1995 in die Ostbahnstraße 28, wo das Projekt Arbeitstherapie 28 Plätze bot. Später kamen unter dem Label „carisma“ Selbsthilfefirma und Gebrauchtwarenmarkt hinzu. Gleichzeitig wuchs die Nachfrage nach Plätzen in der Arbeitstherapie. Daher mietete der Caritasverband im Juni 2000 eine Halle in der Eichenhainstraße 2.

Innerhalb von nur fünf Monaten wurde die Halle ab Januar 2001 umgebaut. Jetzt bietet sie der Arbeitstherapie 350 m_ Arbeits- und 150 m_ Lagerfläche. Gerade der erweiterte Lagerraum bietet viele Vorteile, war doch in den alten Räumen die Kapazität erschöpft. Architekt Klug lobte bei der Einweihung besonders den Vermieter Joachim Tausendpfund. Von den Baukosten in Höhe von 1,265 Millionen Mark hat er 22,3 % selbst übernommen.

In ihrem neuen Domizil verfügt die carisma-Arbeitstherapie über 43 Arbeitsplätze, die jeweils halbtags besetzt werden. Nicht nur Bewohner des Don-Bosco-Hauses, sondern auch anderer Heime und Wohngemeinschaften arbeiten hier. Sieben Mitarbeiter leiten die psychisch Kranken an. Die Tätigkeiten bestehen vor allem in Sortieren, Verpacken, Elektronikfertigung, Bohr- und Montagearbeiten. Hauptauftraggeber ist ein Hersteller von Bürostühlen. Die Arbeitstherapie finanziert sich teils über Pflegesätze und muss zugleich Gewinne aus den Aufträgen erwirtschaften. Nach Angaben ihres Leiters, Thomas Reichelsdorfer, erzielte die Arbeitstherapie im vergangenen Jahr einen Umsatz von 200.000 Mark.

Arbeit stärkt die Psyche

Die als Festrednerin vorgesehene Behindertenbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung, Ina Stein, musste wegen Krankheit absagen. Ihr Vortrag wurde vom Geschäftsführer des Caritasverbandes Nürnberger Land, Norbert Strebel, verlesen. In ihrem Text betonte Ina Stein, dass psychisch Kranke, die Arbeit haben, weniger Krankheitssymptome zeigten. Allerdings verlören gerade psychisch Behinderte als erste ihren Arbeitsplatz – mit schweren psychischen Folgen. Daher sei die Arbeitstherapie unverzichtbar. So weit wie möglich anzustreben sei der Übergang in reguläre Beschäftigungsverhältnisse. In Hersbruck bietet die carisma-Selbsthilfefirma diese Möglichkeit.

In einem sehr persönlich gehaltenen Grußwort unterstrich auch die stellvertretende Landrätin Marlene Mortler, wer selber in einer Krankheit die Ablehnung der Umwelt erfahren habe, wisse, wie wichtig solche Einrichtungen wie das Don-Bosco-Haus und die carisma-Arbeitstherapie seien. Hersbrucks 1. Bürgermeister Wolfgang Plattmeier überreichte ein Bild des Don-Bosco-Hauses, das der Künstler Frieder Sand eigens für das Jubiläum gemalt hat. Werke Sands zeigt die carisma-Selbsthilfefirma in der Ostbahnstraße im Rahmen einer Dauerausstellung.

Vor der Feier in der Halle der carisma-Arbeitstherapie hatten Bewohnerinnen und Bewohner des Don-Bosco-Hauses einen Gottesdienst in der Pfarrkirche Maria Geburt gestaltet. Unter dem Caritas-Jahresthema „Mittendrin draußen: psychisch krank“ machten sie deutlich, was es heißt, sich ausgeschlossen zu fühlen, wenn man doch „drinnen“, sprich akzeptiert sein will. Angela Henke dankte Pfarrer Helmut Spindler ausdrücklich, dass in seiner Gemeinde die psychisch Kranken stets ganz selbstverständlich mit den anderen Pfarrmitgliedern Gottesdienst feiern können.

Klaus-Stefan Krieger

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