Pressemitteilung vom 26. April 2002

Mehr Raum für soziales Lernen
Erweiterungsbau für Private Schule zur Erziehungshilfe der Nürnberger Caritas in Schnaittach eingeweiht

Lernen kann auch Spaß machen: In einem Theaterspiel stellten Jugendliche ihre Schule vor und erhielten dafür viel Beifall.
Fotos: Sauerbeck

In unserer Schule geht es rund! Das symbolisiert ein von Schülerinnen und Schülern gefertigtes Kunstwerk, das im Foyer des Erweiterungsbaus der Privaten Schule zur Erziehungshilfe in Schnaittach die Blicke auf sich lenkt. Auf welch vielfältige Weise Jugendliche in der vom Caritasverband Nürnberg getragenen Einrichtung gefördert werden, das führte auch die Feier zur Einweihung des neuen Schulgebäudes vor Augen. Theatergruppe, Schulband und Lehrerchor demonstrierten eindrucksvoll, dass das schulische Leben vom Miteinander getragen wird.

Die räumliche Enge hat nun ein Ende. Sechs Klassen sind nach den Osterferien in den Neubau eingezogen. In den langgestreckten, zweigeschossigen Pultgebäuden, die sich um eine zentrale Eingangshalle gruppieren, finden die Schülerinnen und Schüler auf insgesamt 1750 Quadratmetern helle, in Pastelltönen gestrichene Klassen- und Gruppenräume, einen Werk- und Mehrzweckraum sowie eine Turnhalle mit Sanitärräumen vor. Viel Wert legten der Träger, der Caritasverband Nürnberg, und das Jugendhilfezentrum auf natürliches Licht und Materialien wie Holz und Glas. Nürnbergs Caritasdirektor Roland Werber zeigte sich erfreut, dass die Baukosten in Höhe von 3,3 Millionen Euro eingehalten wurden und dankte allen am Bau Beteiligten, insbesondere der für die wirtschaftliche Baubetreuung verantwortlichen Joseph-Stiftung Bamberg und den Erlanger Architekten Tempel. Die Schlüsselübergabe an Rektorin Margit Weidner nahm Architektin Pia Tempel-Meinetsberger vor.


Anerkennung

Karl Freller, Staatssekretär im Bayerischen Kultusministerium für Unterricht und Kultus, würdigte, ebenso wie Landrat Helmut Reich und Schnaittachs 2. Bürgermeister Siegfried Ruckriegl, die pädagogische Arbeit. Die Einrichtung habe einen “hervorragenden Ruf”, überbrachte Freller den Lehrkräften und dem Leiter der Gesamteinrichtung Manfred Huth den Dank der Ministerin. “Ich freue mich, dass wir in der Caritas einen Partner haben, der in Schulen investiert”, wandte sich der Staatssekretär an den Caritasverband. Auf solche freie Träger sei der Staat angewiesen.

Regionaldekan Theo Kellerer, der die Segensfeier leitete, beim Verteilen der Schulkreuze an das Lehrerkollegium

Sehr persönlich sprach Freller dann die Schülerinnen und Schüler an: “Ich möchte Euch Mut machen, Ihr habt Fähigkeiten, die Ihr entwickeln könnt. Ich setze auf Euch!”. In ähnlicher Weise ermutigten Dekan Theo Kellerer, der die Segnung des Hauses vornahm, und Diözesancaritasdirektor Bernhard Simon die Jugendlichen. Belastet durch teils schwierige familiäre Verhältnisse benötigten die Mädchen und Jungen “eine Perspektive für ihr Leben”. Der kirchliche Segen gelte vor allem den jungen Menschen, unterstrich Kellerer, “jeder hat ein Recht auf die Achtung seiner Würde”.

Als Heimschule für die Heilpädagogischen Wohngruppen des Jugendhilfezentrums Schnaittach wurde die Schule 1971 für zunächst drei Klassen eröffnet. Seitdem wurde die Einrichtung kontinuierlich, sowohl quantitativ als auch qualitativ, ausgebaut, erläuterte der Leiter des Jugendhilfezentrums Huth. Heute besuchen 120 Mädchen und Jungen die Klassen 1 bis 9, in denen nach den amtlichen Lehrplänen der öffentlichen Grund- und Hauptschulen unterrichtet wird. Die Einrichtung verfolgt das Leitziel, verhaltensauffällige, normal begabte Schüler und Schülerinnen, die an den Regelschulen nicht hinreichend gefördert werden können, zu bewusstem und selbständigem Lernen und Handeln im Rahmen christlicher Lebensvorstellungen hinzuführen.
Team- und Gemeinschaftsfähigkeit werden an der Schule gezielt gefördert. Theatergruppe, Schulband, Schülerzeitung sowie eine Reparaturwerkstatt und außerunterrichtliche Angebote in den Bereichen Kunst, Foto und Internet bieten den Schülerinnen und Schülern unterschiedliche Foren, ihre Talente zu entfalten und Selbstbewusstsein zu entwickeln.


Vorbild

Soziales Lernen werde als eigenständiges Lernfeld betrachtet, betonte Sonderschulrektorin Margit Weidner. Wegen der Vorreiterrolle auf diesem Gebiet - die Schule hat einen eigenen Lehrplan für soziales Lernen aufgestellt - war die Schnaittacher Schule als einzige Sonderschule Bayerns in das “Netzwerk innovativer Schulen” der Bertelsmann-Stiftung aufgenommen worden. Methoden des kooperativen Lernens wurden bereits 1997 eingeführt und weiterentwickelt. Lehrkräfte hatten sich dafür in Kanada auf eigene Kosten in ihren Ferien fortgebildet, berichtete Huth. Zu den positiven Auswirkungen des Schnaittacher Schulkonzepts zählt er die Steigerung der Sozialkompetenz und der Leistungsfähigkeit der Schüler. 70 Prozent der Neuntklässler erreichten den Qualifizierenden Hauptschulabschluss.

Ingrid Petersen


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