Pressemitteilung vom 19. Juni 2002

Hilfestellung im familiären Alltag: Erziehungsberatungsstelle der Caritas Nürnberg bietet neues Elterntraining an

Teambesprechung in der Erziehungsberatungsstelle der Caritas mit Stellenleiter Wolfgang Oslislo: Sozialpädagogin Gerlinde Kern-Sekatzek, lizenzierte Trainerin für das „Positive Erziehungsprogramm“ (Triple P), führt das Elterntraining durch. Foto: Sauerbeck

Erziehung ist kein Kinderspiel. Viele Eltern sind aus unterschiedlichen Gründen bei der Erziehung ihrer Kinder überfordert. Die Erziehungsberatungsstelle des Caritasverbandes Nürnberg bietet daher seit Herbst vergangenen Jahres ein alltagsbezogenes Elterntraining, das „Positive Erziehungsprogramm“ an. Die Nachfrage ist groß. In Nürnberg, so Stellenleiter Wolfgang Oslislo, ist die Caritas-Einrichtung bislang die einzige Beratungsstelle, die Kurse mit einer lizenzierten Trainerin durchführt.

Bekannt wurde das Elterntraining als „Triple-P“. Die drei P‘s stehen für Positive Parenting Program. Entwickelt in zwölfjähriger Forschung an der Universität von Queensland in Australien, soll es Eltern bei häufigen kindlichen Verhaltensauffälligkeiten Hilfestellung im familiären Alltag bieten, erklärt Gerlinde Kern-Sekatzek. Zusammen mit ihrer Kollegin, der Diplom-Psychologin Felicitas Runge führt die Sozialpädagogin in diesen Tagen erneut Kurse für Elternpaare und Alleinerziehende nach dem Ansatz der „Positiven Erziehung“ durch.

Kinder brauchen Grenzen. Aber wie kann die Mutter oder der Vater reagieren, wenn der Sprößling im Supermarkt einen Wutanfall produziert, weil er den süßen Riegel nicht bekommen hat? Viele Eltern stolpern immer wieder in solche „Eskalationsfallen“. Fallbeispiele aus der Praxis und Gespräche in den Gruppensitzungen können den Eltern helfen, ihr Erziehungsverhalten zu reflektieren. Ein Werkbuch gibt Impulse, in der Familie einen anderen Erziehungsstil auszuprobieren und einzuüben.


Familienregeln
Grundlegende Erziehungsfertigkeiten werden bei dem „Positiven Erziehungsprogramm“ in vier Schritten vermittelt. Die lizenzierte Triple-P-Trainerin Kern vergleicht die Strategie des Elterntrainings gern mit dem Bau eines Hauses. Zuerst müsse sozusagen mit dem Fundament angefangen, also eine positive Beziehung zu den Kindern aufgebaut werden, dann könne ein wünschenswertes Verhalten gefördert werden. Für den „Umgang mit Problemverhalten“ empfiehlt das Elterntraining u.a. Familienregeln aufzustellen. Fünf bis sieben klare Regeln, an die sich alle Familienmitglieder halten sollten, reichten aus, so die Erfahrung von Frau Kern.

Sieben Elternpaare nahmen im letzten Jahr am Pilotkurs teil. Bei drei Familien, so Initiatorin Gabriele Kern, hätten Anfragen der Schule wegen Verhaltensauffälligkeiten der Kinder die Eltern veranlasst, die Erziehungsberatung aufzusuchen. Während die Kinder eine Gruppentherapie der Beratungsstelle besuchten, absolvierten ihre Eltern das Elterntraining.

Für Kinder, Jugendliche, Elternpaare und Alleinerziehende bietet die Erziehungsberatungsstelle in der Tucherstraße 15 seit 27 Jahren professionelle Beratung und psychotherapeutische Behandlung an. Über 400 Klientinnen und Klienten betreut und begleitet das Team aus Psychologen, Pädagogen und Sozialpädagogen im Jahr. Mit einer Gesamtzahl von 481 Klienten weist die Statistik für 2001 einen neuen Rekord aus.

Erziehungs- oder Beziehungsprobleme, Verhaltensauffälligkeiten wie Aggression oder Hyperaktivität, Ess- und psychosomatische Störungen: „Zu uns kommen Menschen in ganz unterschiedlichen problematischen Lebenslagen“, berichtet Wolfgang Oslislo, der die Erziehungsberatung der Caritas seit 15 Jahren leitet. Der Diplompsychologe stellt allerdings eine starke Zunahme bei familiären Problematiken aufgrund von Scheidung und Trennung fest.


Pionierarbeit
Gestiegen sei zudem der Anteil der „Multiproblemfamilien“ und der Klienten, die unter mehreren Problemen gleichzeitig litten. Pionierarbeit leiste die Einrichtung der Caritas seit Jahren auf dem Gebiet der Erziehungsberatung ausländischer Familien; jeder dritter Klient, so unterstreicht Stellenleiter Oslislo, ist nichtdeutscher Nationalität.
Beratung und Behandlung bei der Caritas-Einrichtung sind kostenfrei. Die Einrichtung steht allen offen, unabhängig von Konfession, Nationalität oder Weltanschauung. Die Mitarbeiter der Beratungsstelle sind zur Verschwiegenheit verpflichtet. Ein wichtiger Grundsatz der Arbeit ist die Freiwilligkeit der Ratsuchenden.

Kontakt: Erziehungsberatungsstelle des Caritasverbandes Nürnberg, Tucherstraße 15, 90403 Nürnberg, Tel. (0911) 2354-241.

Ingrid Petersen


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