Pressemitteilung vom 17. Mai 2002

Mehr Schutz für Opfer häuslicher Gewalt
Haus Hagar informiert Frauen über das neue Gewaltschutzgesetz

Die Niederbronner Schwester Anna Matthia Platzer leitet das Frauenhaus (Foto: Sauerbeck)

Nürnberg - Ein Gesetz bietet seit Beginn dieses Jahres Opfern häuslicher Gewalt mehr Schutz. Doch die neuen rechtlichen Möglichkeiten, die das Gewaltschutzgesetz bietet, sind noch nicht hinreichend bekannt. „Bei uns rufen viele Frauen an, die Genaueres wissen wollen“, berichtet Schwester Anna Matthia, die Leiterin von Haus Hagar, einem vom Caritasverband Nürnberg getragenen Frauenhaus.

Platzverweis
Ziel des Gewaltschutzgesetzes sei es, Opfern häuslicher Gewalt, Frauen und Kindern, die Möglichkeit zu geben in ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben, erläutert Schwester Anna Matthia. Dem Opfer könne, schneller als früher, die gemeinsam genutzte Wohnung gerichtlich zugewiesen werden. Dem Täter hingegen drohe ein Platzverweis. Haus- und Wohnungsschlüssel müsse er abgeben. Außerdem könne das Familiengericht für die Opfer Schutzanordnungen erlassen. Das Gesetz gelte für eheliche und nichteheliche Lebensgemeinschaften, ergänzt Karin Engelstädter, die als Sozialpädagogin im Haus Hagar arbeitet.

Verbessert habe sich mit dem neuen Gesetz, so der Eindruck von Schwester Anna Matthia, auch die Einstellung der Polizei zum Thema Gewalt in der Familie. Die Polizisten würden geschult, brächten den betroffenen Frauen mehr Verständnis entgegen und klärten sie über ihre Rechte auf. Falls ein Opfer häuslicher Gewalt keinen Antrag auf Überlassung der Wohnung stellen wolle, könne der Platzverweis für den Täter auch so lange ausgesprochen werden, bis die Frau einen sicheren Aufenthaltsort, etwa in einem Frauenhaus gefunden habe, heißt es in der Broschüre „Häusliche Gewalt - Informationen über das polizeiliche Einschreiten“ des Bayerischen Innenministeriums.

Kirchliches Frauenhaus
Mehr als 40.000 Frauen flüchten jährlich bundesweit in eines der mehr als 400 Frauenhäuser in Deutschland, teilt das Ministerium mit. In Haus Hagar, einem von insgesamt fünf Frauenhäusern in Mittelfranken, haben seit der Eröffnung im Jahre 1993 insgesamt 420 Frauen und 451 Kinder einen Schutzraum auf Zeit gefunden. Das kirchliche Frauenhaus, das über 12 Zimmer für maximal acht Frauen und ihre Kinder verfügt, steht jeder von psychischer oder physischer Gewalt bedrohten und misshandelten Frau aus dem ganzen Bundesgebiet offen. Nur alkohol- und drogenabhängige, stark psychisch kranke und langfristig obdachlose Frauen können nicht aufgenommen werden und müssen an andere Einrichtungen im Nürnberger Raum, mit denen Haus Hagar zusammenarbeitet, verwiesen werden. Tag und Nacht besteht Rufbereitschaft, eine Aufnahme erfolgt rund um die Uhr. Wie bei anderen Frauenhäusern bleibt die Adresse zum Schutz der Frauen geheim.

Die Caritas-Einrichtung steht unter dem Prinzip der Selbstversorgung. Die Fachkräfte - zum Team von Schwester Anna Matthia, einer ausgebildeten Heilpädagogin, gehören noch eine Sozialpädagogin und eine Erzieherin in Teilzeit - unterstützen die Frauen im Alltag und bei der Erziehung der Kinder, sie vermitteln den Kontakt zu Beratungsstellen und helfen bei den notwendigen Behördengängen.

„Gewalt im sozialen Nahraum ist keine Privatsache, der Täter wird zur Verantwortung gezogen“, diese Stoßrichtung des Gesetzes müsse man noch stärker in der Öffentlichkeit vermitteln und die Opfer häuslicher Gewalt über ihre Rechte informieren, so die Frauenbeauftragte der Stadt Nürnberg Ida Hiller.

Den hohen Informationsbedarf bestätigt Birgit Viebig, die beim „Modellprojekt Kooperation Polizei-Jugendhilfe-Sozialarbeit-Schule“ für die Umsetzung des neuen Gewaltschutzgesetzes verantwortlich ist: Bayernweit werde die ambulante Beratung sehr nachgefragt.

Faltblatt
Das Frauenbüro der Stadt Nürnberg und die Kooperationsstelle planen daher die Herausgabe einer Informationsschrift unter dem Titel „Häusliche Gewalt - Verbesserter Schutz für Opfer“. Das Faltblatt soll in wenigen Tagen erscheinen und in Frauenhäusern, bei der Polizei, im Rathaus, in allen einschlägigen Beratungsstellen sowie in Kliniken und Allgemeinarztpraxen ausgelegt werden. Schwester Anna Matthia unterstreicht: „es ist wichtig für das Haus Hagar, dass wir uns daran beteiligen“.
Über das polizeiliche Einschreiten informiert die Broschüre „Häusliche Gewalt“ des Bayerischen Staatsministeriums des Innern, die auch über das Internet (www.polizei.bayern.de) abgerufen werden kann. Haus Hagar ist Tag und Nacht erreichbar unter der Telefonnummer 0911/9594392.

Ingrid Petersen

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