Pressemitteilung vom 12. Juni 2002

Personalentwicklungsprozess
Gute Mitarbeiter dank guter Führungskräfte

Am Nachmittag trugen die Teilnehmer die Ergebnisse der Workshops zusammen und entwickelten daraus Perspektiven für die Zukunft.

Bei der Tagung forderten Frauen eine
Gleichstellungsbeauftragte für die Caritas im Erzbistum.

"Gutes Personal gibt es nur bei guten Führungskräften", fasste Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon das Ziel des Personalentwicklungsprozesses zusammen. Mit einer Tagung im Nürnberger Caritas-Pirckheimer-Haus beschloss der Diözesan-Caritasverband eine zweijährige Fortbildung, bei der sich rund 140 Leitungskräfte aus der Caritas des gesamten Erzbistums in Personalführung schulen ließen.

Welche Erfahrungen sie bei der Durchführung von Mitarbeiterfördergesprächen gemacht haben, schilderten die Leiter dreier Caritas-Einrichtungen. Peter Wambach, Rektor der Maximilian-Kolbe-Schule, einer Schule zur individuellen Lebensbewältigung in Lichtenfels, plädierte für die klare Trennung von Beurteilungsgespräch, das bei Lehrern gesetzlich vorgeschrieben ist, und Mitarbeiterfördergespräch. Letzteres solle vor allem auf der Beziehungsebene liegen und etwa die Zusammenarbeit mit Kollegen und Vorgesetztem oder die persönlichen Berufsperspektiven des Mitarbeiters behandeln. Zielvereinbarungen sollten nach Wambachs Meinung aus Fördergesprächen herausgehalten werden.

Dagegen nutzt Rudolf Reinwald, Leiter des Caritas-Kinderheims St. Marien in Pettstadt, das Mitarbeiterfördergespräch, um mit dem Mitarbeiter Ziele für dessen Arbeit zu entwickeln und zu überprüfen. Was im vergangenen Halbjahr erreicht wurde, welche Ziele sich der Mitarbeiter für die nächsten sechs Monate setzt, ist Gegenstand des Gesprächs, bei dem der Vorgesetzte vor allem das Ganze, also die Ziele der Einrichtung, im Blick behalten soll. Nach Reinwalds Erfahrung „wollen die Mitarbeiter das Fördergespräch“. Es fördere die Identifikation mit der Einrichtung und dadurch die Zufriedenheit mit der Arbeit.

Dass bei einer souveränen Beziehung zwischen Mitarbeiter und Vorgesetztem das Fördergespräch Erfolg verspreche, brachte Ursula Kundmüller, Leiterin der Bamberger Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen, ein. Herrschten zwischen beiden aber starke Widerstände, werde es schwierig, das Gespräch sinnvoll zu führen.

In einem anderen Workshop gingen Brigitte Neundorfer und Elisabeth Nüßlein der Frage nach, wie der Diözesan-Caritasverband ein familienfreundlicher Arbeitgeber sein könne. Sie stellten ein Modell vor, mit dem der Diözesan-Caritasverband München Kontakt zu Mitarbeitern halten will, die sich in Elternzeit oder Sonderurlaub befinden: Weiterbildung auch in der „Auszeit“, Einladung zu Veranstaltungen, Infotage, Zusendung der internen Stellenausschreibungen, Gespräche vor dem Wiedereinstieg in den Beruf.

„Ist das nicht eine Frechheit, Mütter auch in der Elternzeit mit diesen Dingen zu belästigen?“, zog Simon freilich die vorgebliche Uneigennützigkeit des Dienstgebers in Zweifel und plädierte dafür, dass solche Angebote absolut freiwillig sein müssten. Außerdem warf er die Frage auf, wie es mit der Familienfreundlichkeit gegenüber jenen Mitarbeitern bestellt sei, die mit befristeten Verträgen die Festangestellten in der Elternzeit vertreten.

Dieses Problem aufgreifend wurde in der Diskussion mehrfach gefordert, die kirchlichen Arbeitgeber in der Erzdiözese sollten einen gemeinsamen Pool schaffen, an den sie freie Stellen melden und bei dem sich befristet Beschäftigte über Alternativen informieren könnten. Zumindest im Bereich der Caritas müsse dies möglich sein.

Als Ergebnis einer vom Diözesan-Caritasdirektor selbst geleiteten Gesprächsgruppe über „Spiritualität und Führung“ und weiterer Diskussionsrunden am Nachmittag schälte sich der Wunsch nach einem breiten Angebot von Hilfen und Begleitung im Bereich der Spiritualität heraus. Hier seien die Dienstgeber gefordert. Geistliche Leitgedanken für den Monat, spirituelle Begleiter von außen, Glaubensseminare, Gesprächsgruppen von Verantwortlichen und die verpflichtende Einführung neuer Mitarbeiter in christliche Grundgedanken lauteten konkrete Vorschläge.

Klaus-Stefan Krieger

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