Pressemitteilung vom 12. April 2002

Schwangeren- und Sexualberatungsstelle der Caritas Nürnberg: Beratung weiterhin stark nachgefragt

Teambesprechung in der Schwangerenberatungsstelle des Caritasverbandes Nürnberg. Foto: Sauerbeck

Von Anfang an das Leben wählen statt auswählen. So heißt das Motto der diesjährigen Woche für das Leben, mit der die beiden Kirchen vor einem Missbrauch der vorgeburtlichen Diagnostik als Baby-TÜV warnen. Wie sehr Frauen und Eltern heute schon unter Druck geraten können, wenn sie sich gegen bestimmte Verfahren der Pränataldiagnostik aussprechen oder wenn sie sich für ein möglicherweise behindertes Kind entscheiden, weiß Heidi Winter-Schwarz, die Leiterin der Schwangeren- und Sexualberatung des Caritasverbandes Nürnberg.

Immer häufiger würden im Verlauf des Beratungsprozesses Fragen im Kontext der pränatalen Diagnostik thematisiert, berichtet die Sozialpädagogin. “Wir versuchen hier gemeinsam mit den Frauen und Paaren den Weg zu einer guten Entscheidung zu finden und bieten psychosoziale Begleitung an.”

Den Beraterinnen hilft ein erstmals 1997 vom Sozialdienst katholischer Frauen und Caritasverband erarbeitetes Konzept. “Allzu häufig wird die Entscheidung für die Pränataldiagnostik eingeleitet, ohne die betroffene Frau auf die möglichen Konsequenzen vorzubereiten”, heißt es in dem Papier. “Nur wenige Frauen sind sich bewusst, dass sie sowohl ein Recht auf Wissen als auch ein Recht auf Nichtwissen und eine somit eigene Entscheidungskompetenz haben.”


Gruppenangebot ausgebaut

Wie andere katholische Beratungsstellen versteht die Schwangerenberatung der Caritas, die im nächsten Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiern kann, ihre Tätigkeit als christlichen Auftrag, für den Schutz und die Würde des ungeborenen Kindes einzutreten und schwangeren Frauen und ihren Familien Perspektiven im alltäglichen Leben zu erschließen.

Durch den Ausstieg aus dem staatlichen Beratungssystem sei es wider Erwarten nicht zu einem Einbruch bei den Beratungszahlen gekommen. Im Gegenteil: 838 Frauen und Männer kamen im vergangenen Jahr zu Einzel- und Paarberatung in die Beratungsstelle in der Tucherstraße. Im Jahr 2000 zählte die Statistik 724 beratene Personen. Nach Einschätzung der Leiterin der katholischen Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen, die mit drei Beraterinnen und zwei Verwaltungsfachkräften fast wieder die ursprüngliche Besetzung erreicht hat, hängt diese Entwicklung auch mit dem Umstand zusammen, dass die Beratung wegen eines existentiellen Schwangerschaftskonflikts vor dem 1. Januar 2002 nur knapp 20 Prozent der Beratungstätigkeit umfasste und seit dem Ausstieg das Aufgabenspektrum ausgeweitet wurde. “Zu uns kamen und kommen verstärkt die Frauen, die eine längerfristige Begleitung wünschen”, meint Frau Winter-Schwarz. In Nürnberg haben Frauen die Wahl zwischen fünf staatlich anerkannten Schwangerenberatungsstellen und der katholischen Beratungsstelle der Caritas.

Im Bereich der Schwangerschaftskonfliktberatung suchten im vergangenen Jahr 34 Frauen die Caritas-Beratungsstelle auf: Darunter Frauen, so Heidi Winter-Schwarz, die bereits bei einer staatlich anerkannten Stelle eine Beratungsbescheinigung erhalten hatten, die jedoch weiterhin Rat und Orientierung an christlichen Wertvorstellungen suchten.

Charakteristisch für die Arbeit der Caritas-Stelle ist “die multikulturelle Klientel”. Etwa die Hälfte aller beratenen Frauen sind Ausländerinnen. Die materiellen Probleme zeigten sich bei den ausländischen Schwangeren in verschärfter Form, heißt es im Jahresbericht. Besonders betroffen seien Asylbewerberinnen und Bürgerkriegsflüchtlinge, “die unter vielfachen Leistungskürzungen bzw. -ausschlüssen leiden und äußerst schwierige soziale Bedingungen für sich und ihre Kinder vorfinden”. Die Beraterinnen können in solchen akuten Notlagen auf eine Ersthilfe aus dem bischöflichen Härtefonds zurückgreifen und mit Sachspenden aus der eigenen Kleiderkammer helfen.


Die Klientel verarmt

Spezifische Probleme haben Alleinerziehende, die gut ein Drittel der Klientinnen stellen. Sie seien vor allem von der Einberechnung von Kinder- und Erziehungsgeld als Einkommen auch bei der Landesstiftung “Hilfe für Mutter und Kind” betroffen. Und von Frauen im Sozialhilfebezug würden die Sozialämter grundsätzlich die Auflösung einer privaten Altersvorsorge verlangen und den Verkauf des eigenen Autos fordern... Im Jahresbericht 2001 bilanziert das Beratungsteam: “unsere Klientel verarmt zunehmend”.

Gruppenangebote ergänzen die Einzelberatung. Seit Herbst findet einmal im Monat ein Frauenfrühstück statt. “In der Großstadt sind wir für viele Frauen ein soziales Netz, weil Familie oder Freunde, die einen Rat erteilen könnten, fehlen.” Bei ihren Klientinnen bemerken die Beraterinnen zum Teil große Informationsdefizite. Ausgehend von den Bedürfnissen der Frauen plant das Team daher noch ein Gruppenangebot zum Thema Ernährung in Schwangerschaft, Stillzeit und Kleinkindalter mit praktischen Übungen unter fachlicher Anleitung. Im vergangenen Jahr übernahm die Beratungsstelle zudem erstmals die Nachsorge für Teilnehmerinnen von Mutter-Kind-Kuren. Außerdem ist ein Angebot im Bereich Natürliche Familienplanung (NFP) vorgesehen.
Auf großes Interesse stoßen die Angebote im Präventivbereich, Werkwochen zu sexualpädagogischen Themen für Schulklassen, Elternabende in Kindergärten und Grundschulen zur “ganzheitlichen Sexualerziehung” oder die gemeinsam mit der Schwangerenberatung des Diözesancaritasverbandes Bamberg entwickelten Workshops “LoveTours” für Jugendliche.
Ingrid Petersen

Kontakt: Katholische Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen und Sexualberatung, Tucherstraße 15, 90403 Nürnberg, Tel. 0911/2354231, Fax: 0911/ 2354239.

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