Pressemitteilung vom 4. April 2002

Die erste Vater-Kind-Kur in Bayern
Caritas-Kurheim St. Hedwig in Bad Steben machte den Anfang

Schon seit einigen Jahren hatten die Mitarbeiterinnen des Mutter-Kind-Kurheims St. Hedwig in Bad Steben den Gedanken: „Warum soll diese besondere Kurform nur Frauen zustehen?“ Auch meldeten Kurberatungsstellen verstärkt Nachfrage nach Vater-Kind-Kuren. Jetzt bietet der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg erstmals in Bayern diese Kurform an: Fünf Väter mit sechs Kindern im Alter von drei bis neun Jahren kuren gemeinsam drei Wochen in Bad Steben. Die Männer reisten aus Baden-Württemberg, Bayern und Schleswig-Holstein an.

Laut Statistik gibt es in Deutschland etwa 240.000 alleinerziehende Väter – Tendenz steigend. Viele von ihnen suchen nach der Möglichkeit einer Vater-Kind-Kur, so auch die beiden Alleinerziehenden, die jetzt in Bad Steben zu Gast sind. Insgesamt 15 Väter bekundeten im Vorfeld Interesse an der Vater-Kind-Kur im Haus St. Hedwig. Die Lebensumstände der kurenden Väter sind ganz unterschiedlich: Familien mit bis zu drei Kindern, Arbeitslosigkeit, Auslandsarbeit oder – wie schon erwähnt – alleinerziehend.

Alle Väter sind sich einig, dass sie in Bad Steben nicht nur etwas für ihre Gesundheit und die ihrer Kindern tun möchten. Sie sind mit dem Ziel gekommen, ihre Beziehung zu den Kindern intensiv zu leben. „Ich sehe meine Tochter nur alle zwei Wochen am Wochenende“, meint ein Vater, ein anderer: „Und ich nur nach der Arbeit!“. Wichtig ist den berufstätigen verheirateten Männern, die Verantwortung für ihre Kinder 24 Stunden am Tag zu übernehmen; dazu kommt die Entlastung der Ehepartnerinnen, die sich durch die Kur ergibt.


Zeit für sich und Zeit für das Kind

Sehr positiv empfinden die Männer das Konzept des Hauses St. Hedwig: An- und Abreise erfolgen für alle am gleichen Tag. „Wir finden uns als Gruppe zusammen und die Kinder ebenso“, meinte spontan ein Kurgast. Während die Kinder am Vormittag im Kinderclub betreut werden und in dieser Zeit ihre Kuranwendungen (Gruppen- oder Einzelkrankengymnastik, Inhalationen, therapeutische Kleingruppe, psychologische Begleitung) erhalten, gehen die Väter in Ruhe ihren eigenen Verordnungen nach (Moorpackungen, Mineralbäder, Krankengymnastik, Bewegungsbad, Massagen, Entspannungstraining, sozialpädagogische oder psychologische Einzelgespräche). Am Nachmittag werden Vater-Kind-Gruppen und Vater-Kind-Schwimmen von Therapeuten angeleitet.

Auf die Männer eigens zugeschnitten, gibt es nachmittags oder abends sozialtherapeutische Gruppengespräche. Das Haus St. Hedwig hat für einen Teil dieser Gruppengespräche einen männlichen Sozialpädagogen eingeladen. „Wir wollten die Möglichkeit schaffen, dass Männer über persönliche Probleme mit Männern sprechen können“, betont Renate Baumann, die Leiterin des Hauses. Verändert wurde zudem das Kreativangebot. Hier liegt nun der Schwerpunkt auf der Holzwerkstatt. Und es gibt mehr Angebote im Bewegungsbereich: Wer möchte, kann zusätzlich vier mal zum Krafttraining ins MediGym der Kurverwaltung. Noch für dieses Jahr ist geplant, im Haus St. Hedwig einen eigenen Fitnessraum einzurichten.


Die Gesundheit stärken

Vater-Kind-Kuren sind gesetzlich Mutter-Kind-Kuren gleichgestellt, auch wenn dies nicht ausdrücklich im Gesetzestext genannt ist. Sie fallen unter stationäre Rehabilitationsmaßnahmen und Vorsorgekuren. Die individuellen ärztlichen Verordnungen für Vater und Kind dienen dazu, eine Erkrankung zu heilen, zu lindern oder mit einer chronischen Erkrankung besser leben zu können. Eine Vater-Kind-Kur ist mehr als eine „normale Rehabilitationsmaßnahme“; sie ist immer dann angezeigt, wenn familiäre Strukturen und Belastungen die Ursache der Krankheit sind oder eine Erkrankung psychosomatisch verstärken.

Die Männer und Kinder, die gegenwärtig im Haus St. Hedwig kuren, sind gesundheitlich meist mehrfach angeschlagen: Bei den Vätern sind es Erkrankungen der Atemwege, Erkrankungen des Haltungs- und Bewegungsapparates, Überlastungs- und Haltungsschäden, Erschöpfungszustände, Burn-out-Syndrom. Bei den Kindern ergibt sich folgendes Bild: Erkrankungen der Atemwege, Verhaltungs- und emotionale Störungen sowie Entwicklungsverzögerungen und körperliche Beeinträchtigungen.

In der gesamten Bundesrepublik ist freilich zu beobachten, dass Krankenkassen bei dieser Kurform vermehrt den Rotstift ansetzen. Die Folgen sind Widerspruchsverfahren und Teilfinanzierung von Mutter- oder Vater-Kind-Kuren; die Patienten werden gezwungen, mehr als den normalen Eigenanteil zu zahlen. Das spürten die Kurgäste im Haus St. Hedwig deutlich: „Mich hat meine Krankenkasse erst mal zum Rentenversicherungsträger geschickt“, erzählt einer der Männer. Ein anderer kämpfte um die Vollfinanzierung der Kurkosten seiner Tochter. Die Väter bezeichneten einstimmig den Kurantrag als „Papierkrieg, der ohne die Hilfe der Kurberatungsstellen der Caritasverbände kaum zu bewältigen ist.“


Großes Medieninteresse

Völlig überrascht und fast perplex reagierten Kurgäste und Mitarbeiterinnen des Hauses St. Hedwig auf das rege Medieninteresse; unter anderem berichten Bayerischer Rundfunk und Bayerisches Fernsehen über die laufende Vater-Kind-Kur. Hier sind sich alle einig: „Eine Vater-Kind-Kur soll in Zukunft nicht mehr etwas Besonderes sein, sondern eine Selbstverständlichkeit!“ Das gelte sowohl für die Akzeptanz in der Gesellschaft, als auch durch die Krankenkassen.

Im Jahr 2003 ist eine weitere Vater-Kind-Kur geplant. Der genaue Termin kann im Spätsommer dieses Jahres beim Träger des Hauses St. Hedwig erfragt werden: Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg e. V., Obere Königstr. 4b, 96052 Bamberg, Tel. 0951/86 04-514, Fax 0951/86 04-33 514, Email: familienhilfe@caritas-bamberg.de.

Weitere Informationen über das Caritas-Kurheim St. Hedwig kann man hier entnehmen:
www.caritas-bamberg.de/mutter-kind-kurheim

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