Pressemitteilung vom 3. Juni 2002

Für den Erhalt von Familienpflege und Mütterkur
Drei Caritasverbände demonstrierten gemeinsam in Nürnberg

Nürnberg – „Lasst Familien nicht im Regen stehen!“ „Genug gespart bei den Schwachen! Nur Reiche können sich Gesundheit leisten!“ Solche Transparente waren am Vormittag des 3. Juni vor der Lorenzkirche zu lesen. Für den Erhalt der Familienpflege und der Müttergenesungskuren waren die Diözesan-Caritasverbände von Bamberg, Eichstätt und Würzburg gemeinsam auf die Straße gegangen.

Mit der Demonstration wandten sich betroffene Familien, Caritas-Mitarbeiter sowie Mütter und Kinder, die gegenwärtig eine Kur in den Mutter-Kind-Kurhäusern St. Hedwig in Bad Steben und St. Stilla in Eichstätt absolvieren, gegen Pläne der Bundesregierung, bei der nächsten Stufe der Gesundheitsreform die Familienpflege aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen zu streichen. Bisher habe aber niemand gesagt, wie diese angeblich versicherungsfremde Leistung künftig finanziert werden solle, kritisierte Bambergs Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon vor rund 200 Kundgebungsteilnehmern. Daher bestehe „die Gefahr, dass die Familienpflege ganz untergeht“.


Kassen kürzen schon jetzt

Ins Visier nahm Simon auch die Praxis der Krankenkassen, nur alle drei Jahre eine Familienpflegerin zu genehmigen, „als ob man Krankheit planen könne“. Hendrik Lütke, 2. Vorsitzender der ökumenischen Arbeitsgemeinschaft Familienpflege in Bayern, schilderte den Fall, dass eine Mutter sofort in die Klinik eingewiesen wurde und später noch ein Chemotherapie absolvieren musste. In dieser Zeit habe eine Familienpflegerin die Kinder betreut und den Haushalt geführt. Lütke wandte sich scharf gegen die Absicht der AOK Bayern, ab 1. Juli Familienpflege in den ersten drei Tage nicht mehr zu finanzieren. Hier kürzten Kassen „mit dem Segen der Bundesregierung“ bereits jetzt.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Marlene Rupprecht, die als einzige Politikerin der Einladung der Veranstalter zur Teilnahme an der Kundgebung gefolgt war, versuchte die Pläne ihrer Regierung mit dem Hinweis zu verteidigen, die Familienpflege solle künftig steuerfinanziert werden. Sie kündigte an, die Bundesregierung beabsichtige eine zusätzliche Finanzspritze für die Kommunen, damit diese soziale Aufgaben erbringen könnten. Genauere Angaben, wie und wo Familien künftig die Erstattung von Familienpflege beantragen könnten, machte sie jedoch nicht.

Rupprecht bedankte sich aber für den „massiven Druck“ auf die Politiker, die die Absicht der AOK Bayern, ab 1. Juli die Kosten für Müttergenesungskuren nur noch teilweise zu erstatten, ausgelöst hatten. Er habe bewirkt, dass SPD und Grüne jetzt einen Gesetzentwurf in den Bundestag einbrachten, der die Kassen zur Vollfinanzierung dieser Kuren verpflichtet.


2000 Unterschriften

Die Veranstalter der Kundgebung waren jedoch nicht bereit gewesen, voreilig diesem Frieden zu trauen. In Nürnberg übergab Diözesan-Caritasdirektor Simon rund 2000 Unterschriften aus dem Erzbistum Bamberg, die die Forderung nach Vollfinanzierung der Mütterkuren unterstützen, an Anne Schilling, die Geschäftsführerin des Müttergenesungswerks. Die bundesweit gesammelten Unterschriften sollen in zwei Wochen der Bundesgesundheitsministerin übergeben werden. Simon und Schilling forderten alle Politiker auf, dem Gesetzentwurf, der am 17. Juni auch noch den Bundesrat passieren muss, zuzustimmen.

Nur 0,2 Prozent des Budgets aller Krankenkassen werde für Mutter-Kind-Kuren ausgegeben, rechnete Simon vor und fragte: „Ist das zuviel oder nicht eher zuwenig? 0,2 Prozent heute gespart, heißt, morgen ein Vielfaches ausgeben.“ Monika Knöpfle, verheiratete Mutter zweier Kinder und berufstätig, berichtete, wie eine Mütterkur ihr „neue Kraft für Monate und Jahre“ gegeben und so „der Krankenkasse sicher Kosten gespart“ habe.

Eichstätts Diözesan-Caritasdirektor Willibald Harrer betonte die Bedeutung der Kurvorbereitung und Kurnachsorge, welche die acht Beratungsstellen seines Bistums und die 15 in der Erzdiözese Bamberg erbringen. Von den zusammen rund 1800 Frauen, die in den beiden Bistümern eine Mutter-Kind-Kur antraten, hätten 80 Prozent nach der Kur Kontakt zur Beratungsstelle gesucht und weiterführende Hilfen erhalten.

„Wir erwarten uns mehr Unterstützung von der Politik,“ sagte am Ende der Veranstaltung Würzburgs Diözesan-Caritasdirektor Franz Stephan und Kündigte an: „Wir werden wieder hier stehen, wenn unsere Forderungen nicht erfüllt werden.“

Bereits in diesen Tagen läuft eine Unterschriftensammlung an, die sich für den Erhalt der Familienpflege in der bisherigen Form ausspricht.

Klaus-Stefan Krieger

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