Pressemitteilung vom 2. Oktober 2002

Mit Pettstadt eng verbunden: Weihbischof Radspieler segnete das neue Haus der Caritas-Kinder- und Jugendhilfe St. Marien

Die neuen Räume – hier einer der Gemeinschaftsräume mit großem Esstisch und Kochecke – segnete der Vorsitzende des Diözesan-Caritasverbandes und Bischofsvikar für Caritas und soziale Dienste, Weihbischof Werner Radspieler, begleitet von Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon (2. v. li.) und Pettstadts Pfarrer Herrmann Komnick.

Mit seinen drei Gebäudeflügeln und dem Innenhof bewahrt der Neubau die Geborgenheit vermittelnde Atmosphäre des alten Hauses, das ursprünglich ein Bauernhof war.

Der Abriss des alten Kinderheims St. Marien war bereits im Gange, da hatte Rudolf Reinwald ein gespenstisches Erlebnis. Spät abends fiel dem Heimleiter siedendheiß ein, dass er vergessen hatte, das Werkzeug wegzuschließen. So machte er sich gegen zehn Uhr noch einmal auf den Weg, das Versäumte nachzuholen. Unter dem abgedeckten Dach starrten ihn die leeren Höhlen der Türen und Fenster an. Die elektrischen Leitungen waren auch schon abgeklemmt, und deshalb musste sich Reinwald mit einer Taschenlampe den Weg durch das Haus notdürftig erleuchten. Dabei kam er in einen ehemaligen Gruppenraum – und zuckte zurück, als er ihn betreten wollte. Auf dem Boden des leeren Zimmers kauerte im Finstern ein junger Mann. Es war ein ehemaliger Bewohner. Er war noch einmal zurückgekehrt, um von dem Haus, das mehrere Jahre seiner Kindheit für ihn Heimat war, Abschied zu nehmen, bevor es für immer verschwinden sollte.

Rudolf Reinwald erzählte sein Erlebnis bei einem durchaus fröhlichen Ereignis: der Einweihung des neuen Hauses der Caritas-Kinder- und Jugendhilfe St. Marien in Pettstadt. Mit der Episode wollte er verdeutlichen, wie schwer der Abschied von dem früheren, zuletzt völlig ungenügenden und beengten Gebäude vielen Bewohnern, Mitarbeitern, Nachbarn und „Ehemaligen“ dennoch gefallen ist.

So bekundeten sämtliche Grußredner – Ministerialdirigentin Johanna Huber vom Bayerischen Sozialministerium, Michael Fechner von der Heimaufsicht der Regierung von Oberfranken, Bürgermeister Siegfried Stengel in Vertretung des Landrats und Pettstadts Bürgermeister Jürgen Schmitt – die Anerkennung, die sich die nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst als Heim für Flüchtlingskinder gegründete Einrichtung durch vorbildliche Arbeit erworben hat, und wünschten, dass der Geist, den das bisherige Marienheim prägte, auch im neuen Haus herrschen möge.

Auch Rudolf Reinwald unterstrich, dass die „wunderschönen Räume“ – jedes Kind hat jetzt sein eigenes Zimmer – nur der Rahmen sein könne, den die pädagogischen Mitarbeiter mit ihrem Leben erfüllen müssten, indem sie sich „als Person den Kindern öffnen und sich als Vorbild zur Verfügung stellen“. Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon betonte, die Kirche betreibe Jugendhilfe, damit Jugendliche das bekämen, was sie bräuchten: „Manche erfahren sich zu Hause hinausgetrieben, buchstäblich hinausgesprügelt.“ Verletzungen – meist psychische – habe jeder junge Mensch, der hierher komme. „Ob wir sie heilen können, ist nicht sicher; aber wir können zumindest weitere verhindern.“

Für die großzügige finanzielle Unterstützung des 2,2 Millionen Euro teuren Neubaus – er war notwendig, da eine Renovierung und Umgestaltung noch teurer gekommen wäre – dankte Simon dem Sozialministerium (800.000 Euro), der Bayerischen Landesstiftung (200.000 Euro) und dem Erzbischöflichen Ordinariat, für die Baubetreuung der Joseph-Stiftung. Reinwald schloss in den Dank die Nachbarn ein, die einer dreiseitigen Grenzbebauung zugestimmt haben, und bescheinigte den Dorfbewohnern nicht nur stete Hilfsbereitschaft gerade während der Bauphase, sondern auch Toleranz und Verständnis für die Jugendlichen, die in der Caritas-Einrichtung leben.

Die Verbundenheit der Bevölkerung nicht nur Pettstadts, sondern auch der näheren und weiteren Umgebung mit der Caritas-Kinder- und Jugendhilfe St. Marien demonstrierte auch der Tag der offenen Tür. 1100 Besucher wollten am Sonntag nach der Einweihung das neue Haus sehen und ließen sich von den Mitarbeitern durch die Räume führen. „Ich hätte nie gedacht, dass soviel Andrang sein würde,“ freute sich anschließend Rudolf Reinwald, „die letzten Gäste sind erst abends um halb acht gegangen, obwohl offiziell um 18 Uhr Schluss war.“

Das Fest für die Allgemeinheit war nur dank großherziger Sponsoren möglich. Die Großschlächterei Konrad Böhnlein aus Bamberg spendete Steaks und 800 Paar Bratwürste. Die Getränke stiftete Püls Bräu aus Weismain. Für Brot, Brötchen und Gebäck sorgte die Bamberger Bäckerei Loskarn. Pettstadter Frauen buken 27 Kuchen, und Jürgen Heidinger aus Pettstadt organisierte nicht nur die ganze Feier, sondern bestückte auch das kalte Büfett. Ihnen allen gilt Rudolf Reinwalds ganz besonderer Dank.

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