Pressemitteilung vom 25. September 2002

Betreuungsverein der Caritas Nürnberg rät: Rechtzeitig an den Ernstfall denken

Die Sozialpädagoginnen Birgit Saffer und Petra Gronau (rechts) vom Betreuungsreferat. Foto: Sauerbeck

Ein plötzlicher Unfall, eine schwere Erkrankung, körperliche und geistige Gebrechlichkeit im Alter können einen Menschen in eine Situation bringen, in der er nicht mehr selbstbestimmt handeln kann. Für solche Ernstfälle des Lebens ist zumindest eine rechtliche Vorsorge mittels Vorsorgevollmachten, Betreuungs- und Patientenverfügungen möglich, doch sie wird, so die Erfahrung des Betreuungsvereins der Nürnberger Caritas, viel zu wenig getroffen.

„Wir sind für Sie da, wenn Sie oder Ihr Angehöriger Ihre rechtlichen Belange nicht selbst ausführen können“, wenden sich die Sozialpädagoginnen vom Betreuungsreferat des Caritasverbandes Nürnberg an die Öffentlichkeit. 70 gesetzliche Betreuungen führen Birgit Saffer und Petra Gronau derzeit durch. Sie betreuen psychisch Kranke, alkoholabhängige und demente Menschen. Viele ihrer Klienten leben von der Sozialhilfe.

Betreuungsgesetz
Eine rechtliche bzw. gesetzliche Betreuung wird vom Vormundschaftsgericht angeordnet. Es bestellt einen gesetzlichen Betreuer, „wenn ein Volljähriger aufgrund einer psychischen Krankheit oder einer körperlichen, geistigen oder seelischen Behinderung seine Angelegenheiten ganz oder teilweise nicht besorgen kann“, erklärt Stellenleiterin Birgit Saffer.

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt besteht in der Beratung, Begleitung und Fortbildung ehrenamtlicher gesetzlicher Betreuer. Im Durchschnitt sind es, neben den Einmalberatungen, fünf bis sechs Ehrenamtliche, die neben regelmäßig bei Frau Saffer und ihrer Kollegin Rat und Unterstützung für ihre verantwortungsvolle Tätigkeit suchen.

Das Betreuungsreferat der Caritas in der Tucherstraße 15 ist einer von insgesamt sechs Nürnberger Betreuungsvereinen, die zusammen mit der städtischen Betreuungsstelle den „Arbeitskreis Betreuung Nürnberg“ bilden. Der Arbeitskreis trägt auch das vor zwei Jahren gestartete und vom Bayerischen Sozialministerium geförderte Modellprojekt GeBeN (Gewinnung ehrenamtlicher Betreuer/Innen für Nürnberg). Das Ziel, ein Netzwerk zur Werbung und Begleitung von ehrenamtlichen Betreuern aufzubauen und bis März kommenden Jahres 100 Ehrenamtliche zu gewinnen, dürfte, so zeichnet es sich bereits heute ab, erreicht werden.

Neben Berufsbetreuern, Betreuungsvereinen wie der Caritas oder einer städtischen Betreuungsbehörde werden immer wieder ehrenamtliche Betreuer gesucht. Denn die Zahl der Betreuungen hat sich seit 1992, als das neue Betreuungsgesetz in Kraft trat, in Nürnberg mehr als verdoppelt: 6100 gesetzliche Betreuungen verzeichnete das Vormundschaftsgericht im vergangenen Jahr. In Bayern würden - so steht es in einer Informationsbroschüre des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz vom Oktober 2001 - über 125.000 Menschen gesetzlich betreut.

Ehrenamt
Ehrenamtliche Betreuer seien aber keine Lückenbüßer, sondern eine wertvolle Ergänzung der professionellen Betreuung, da sie oftmals mehr Zeit hätten und, wie der Sozialpädagoge Ulli Schneeweiß als Sprecher der Initiative GeBeN betont, „mehr persönliches Engagement und mehr Herz“ einbrächten. Birgit Saffer sieht das als gesetzliche Betreuerin eines Betreuungsvereins ähnlich: „Insgesamt stellen wir fest, dass für die einzelne Betreuung immer weniger Zeit bleibt, der Verwaltungsaufwand hat stark zugenommen.“

Patientenverfügung
Die Caritas-Mitarbeiterinnen werben für eine rechtzeitige Vorsorge und ermuntern dazu, die damit verbundenen Fragestellungen in der Familie oder mit Freunden zu besprechen.

Wer sich erst einmal grundsätzlich über die unterschiedlichen rechtlichen Vorsorgemöglichkeiten informieren möchte, ist beim Betreuungsverein der Caritas an der richtigen Adresse. Die Sozialpädagoginnen erklären, wann die privatrechtliche Vereinbarung einer Vorsorgevollmacht angebracht ist, wie man sie mit einer Patientenverfügung kombinieren kann, und erläutern, dass man für den Fall einer rechtlichen Betreuung mit Hilfe einer Betreuungsverfügung einen „Wunschbetreuer“ benennen kann.

Birgit Saffer und Petra Gronau kommen auch zu Informationsabenden in die Nürnberger Pfarrgemeinden.

Kontakt
Betreuungsreferat des Caritasverbandes Nürnberg, Tucherstraße 15, 90403 Nürnberg, Tel. (0911) 2354210, Fax (0911) 2354209.

Ingrid Petersen

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