Pressemitteilung vom 10. September 2002

Eine „urchristliche Aufgabe“: Seit fünf Jahren bietet das Hospiz „Haus Xenia“ in Nürnberg Gastfreundschaft für die letzten Lebenstage

Haus Xenia ist die Hospiz-Einrichtung des Nürnberger Caritasverbandes.

Stadtdekan Theo Kellerer dankte dem Leiter von Haus Xenia, Stefan Madinger (Mitte), und der Krankenschwester Sabine Wittmann für ihren Einsatz. Fotos: Sauerbeck

„Wenn durch einen Menschen ein wenig mehr Liebe und Güte in dieser Welt war, dann hat sein Leben einen Sinn gehabt.“ Mit diesen Worten lud Stefan Madinger dazu ein, das fünfjährige Bestehen von Haus Xenia zu feiern. Fünf Jahre, das klingt wenig, doch die Hospiz-Einrichtung mit ihren sieben Plätzen hat in der kurzen Zeitspanne Pionierarbeit geleistet, und so dankte der Sozialpädagoge all den hauptberuflichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern sowie dem Träger, dem Caritasverband Nürnberg. Durch hohes persönliches Engagement und mit großer finanzieller Unterstützung haben sie schwerstkranken Menschen in der letzten Phase ihres Lebens ein Haus der Gastfreundschaft geschaffen. Das, so Madinger, „ist eine urchristliche Aufgabe“.

Für viele Menschen werde durch die Hospizarbeit im Haus Xenia sichtbar und erfahrbar, was eine caritative kirchliche Einrichtung leistet, meint Madinger. 396 Menschen im Alter von 27 bis 91 Jahren, fast ausschließlich Krebs- und Tumorpatienten, sind in den vergangenen Jahren in der Caritas-Einrichtung von dem 15-köpfigen Team, davon arbeiten zehn direkt in der Pflege, und einem mittlerweile festen Stamm von 17 Ehrenamtlichen begleitet worden. Ziel ist es, den Menschen in enger Zusammenarbeit mit der Nürnberger Schmerzambulanz und mit Palliativmedizinern ein schmerzfreies Dasein und, unterstützt durch seelsorgerliche Begleitung, ein menschenwürdiges Sterben zu ermöglichen.

Pionierarbeit

Die durchschnittliche Verweildauer beträgt 21 Tage. Mitunter zwei Todesfälle in einer Woche stellen auch für die professionellen Pflegekräfte eine emotionale Herausforderung dar. „Der Tod gehört zum Leben - diese Grundeinstellung trägt uns“, bringt es Madingers Stellvertreterin, die Krankenschwester Sabine Wittmann, auf den Punkt. Sie ist eine der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ersten Stunde, die trotz der „harten und persönlich belastenden Arbeit“, so Madinger, „immer noch dabei sind und nichts von ihrer Energie und ihrem Elan für eine qualitäts- und niveauvolle Pflege an Schwerstkranken verloren haben“.

Mit Haus Xenia wurde 1997 das zweite stationäre Hospiz in Bayern eröffnet. Mittlerweile gibt es bayernweit sieben, von den Spitzenverbänden der freien Wohlfahrtspflege getragene und nach den Prinzipien der Hospizphilosophie geführte Einrichtungen. Sie arbeiten kollegial zusammen und bilden demnächst eine Arbeitsgemeinschaft, um einheitliche Qualitätsstandards zu erarbeiten. Der Bedarf an stationären Hospizplätzen ist groß und die vorhandenen Kapazitäten reichen bei weitem nicht aus. Haus Xenia ist ausgelastet, „die Nachfrage ist in den fünf Jahren ständig gestiegen“, teilt Madinger mit.

Auf durchschnittlich 3300 Einsatzstunden im Jahr kommen die ehrenamtlichen Hospizhelfer, die in einem von Haus Xenia konzipierten Kurs und einem 40-stündigen Praktikum auf der Station auf ihre Tätigkeit vorbereitet wurden und sich dann zu einem vierstündigen Dienst in der Woche verpflichtet haben. „Ich bin der Meinung, dass so ein Haus nicht nur Sache der Caritas ist, sondern von uns allen“, begründet Gerda El-Banna ihr Engagement. Seit über drei Jahren arbeitet sie ehrenamtlich im Hospiz mit. Zusammen mit Sabine Wittmann veranstaltet sie in ihrer Heimatpfarrei Heilig Kreuz in Gebersdorf einen Informationsabend über Haus Xenia (Donnerstag, 14. November, 19.15 Uhr, Pfarrsaal Heilig Kreuz).

An den Kosten der Hospizpflege beteiligen sich die Krankenkassen und die Pflegeversicherung. Vom Bewohner des Hospizes wird eine Zuzahlung verlangt, und der Träger wird mit einem Eigenanteil in Höhe von zehn Prozent belastet. Tatsächlich sei es aber mehr, denn „die Leistungen der Krankenkassen enden mit dem Todestag des Bewohners, der Abschiedstag für die Angehörigen geht voll zu unseren Lasten“, führt der Leiter von Haus Xenia als Beispiel an, „unser Haus ist daher auf Spenden angewiesen“.

Madinger sah und sieht es, Seite an Seite mit den anderen stationären Hospiz-Einrichtungen, als Aufgabe an, sich für die „Sache einer schmerzlindernden Pflege und Versorgung Schwerstkranker“ einzusetzen. Dazu gehört auch der Appell an die Politik, Hospizarbeit und Palliativmedizin angemessen zu fördern. Ingrid Petersen

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