Pressemitteilung vom 22. Juli 2002

Altenpfleger/in – Beste Berufschancen

Im Altenpflege-Kurs lernen die Teilnehmerinnen zum Beispiel, wie der Patient richtig gelagert wird. Fotos: Fischer





Mit einer großangelegten Kampagne wird zur Zeit im Freistaat für die Altenpflege als Beruf geworben. Die vier Personen, die für die Reklame ihren Kopf hinhalten, sind echte Pflegekräfte – drei Frauen und ein junger Mann, die aus einem Wettbewerb als „Gesicht der Altenpflege in Bayern“ ausgewählt wurden.

Die weiteren Aussichten: positiv! Wie gegenwärtig kaum ein anderer Beruf bietet sich dem Altenpfleger – oder sagen wir besser der Altenpflegerin, denn die überwiegende Mehrheit der Beschäftigten sind Frauen – die Aussicht auf einen sicheren Arbeitsplatz. Altenpflegerinnen sind gesucht, und die Nachfrage wird in den kommenden Jahren noch steigen.

Allerdings: Die Altenpflege leidet unter ihrem Image. Sie gelte als Dienst an einer Randgruppe der Gesellschaft, beklagt Siegfried Espach. Leiter der Caritas-Fachschule für Altenpflege St. Marien in Bamberg. Den Krankenpfleger rücke das Vorurteil dagegen in die Nähe des Arztes und unterstelle, dass ein wenig Glanz der „Halbgötter in Weiß“ auch auf ihn falle.

Espach hält den Beruf der Altenpflegerin freilich für den interessanteren. In der Altenpflege hätten die medizinisch-pflegerischen Aufgaben und der sozialpflegerische Aspekt gleiches Gewicht. Es sei nicht damit getan, Spritzen zu geben und Verbände zu wechseln. Vielmehr müsse die Altenpflege auch den Alltag der alten Menschen so organisieren, dass ihr Leben trotz aller Einschränkungen lebenswert bleibe.

Mit Menschen ihren Alltag leben

Letztlich bedeutet das, den Alltag mit den Patienten zu teilen. In den Altenheimen geht der Trend mehr und mehr zu Hausgemeinschaften, in denen die Senioren zusammen eines Wohnbereichs den Tag zusammen verbringen. Die Altenpflegerin bereitet z.B. mit ihnen das Frühstück vor, man isst gemeinsam, und anschließend spülen alle zusammen ab. Es sei besser, dass man den Menschen die Fähigkeit, alltägliche Dinge zu verrichten, erhält, statt ihnen „alles wegzunehmen und sie dann künstlich zu beschäftigen“, erklärt Espach dieses Konzept. Daher sei der Beruf gerade für Menschen geeignet, die gerne mit anderen Menschen arbeiten, und zwar beständig mit den gleichen Personen, so dass sich eine Beziehung entwickeln kann.

Espach hebt auch das selbständige Arbeiten hervor. Während der Krankenpfleger ganz von den Weisungen des Arztes abhängig sei, hat etwa im Altenheim „die Altenpflege die Hauptregie“. Aber nicht nur im Altenheim werden Altenpflegerinnen und Altenpfleger gebraucht, auch Sozialstationen, Reha-Kliniken und Tagespflege sind Arbeitsfelder.

Wer sich für den Beruf interessiert, bewirbt sich bei einer Fachschule für Altenpflege. Im Erzbistum Bamberg betreibt die Caritas zwei solcher Schule, jene in Bamberg, die sich in Trägerschaft des Diözesan-Caritasverbandes befindet, und in Nürnberg die Altenpflegeschule des dortigen Caritasverbandes.

Die – übrigens kostenfreie – Ausbildung zur Altenpflegerin bzw. zum Altenpfleger dauert gegenwärtig zwei Jahre. Sie besteht aus 18 Monaten Schulunterricht, unterbrochen von kurzen praktischen Einsätzen, und sechs Monaten Berufspraktikum. Daneben gibt es eine Variante, bei der in Teilzeit unterrichtet wird, der Kurs sich dafür über insgesamt drei Jahre erstreckt. Ein solcher Kurs ist etwa für Mütter mit schulpflichtigen Kindern geeignet. Ob zwei oder drei Jahre, wer die Ausbildung erfolgreich abschließt, ist dann staatlich anerkannter Altenpfleger/in.

Nach der Familienpause

Siegfried Espach betont, dass derzeit die Zugangsvoraussetzungen für die Altenpflege-Ausbildung noch recht vielfältig sind: Ideal ist eine zweijährige, abgeschlossene Berufsausbildung in einem sozialen Beruf, etwa als Kinderpfleger/in, Sozialpfleger/in oder Hauswirtschaftshelfer/in. Wer einen anderen Beruf gelernt hat, muss erst noch ein Jahr Vorpraktikum absolvieren. Wer keinen Berufsabschluss hat, kann ihn durch eine dreijährige Tätigkeit in der Altenpflege oder drei Jahre Haushaltsführung ersetzen. Hat die Bewerberin die Mittlere Reife (Realschulabschluss) genügen zwei Jahre. Diese „Hausfrauenregelung“ ermöglicht Müttern nach der „Familienpause“ den Berufseinstieg. Espach nennt sie für die Pflege sehr wertvoll, bringt sie doch Frauen mit Lebenserfahrung in diesen Arbeitsbereich. Nicht ganz die Hälfte der Kursteilnehmerinnen sind regelmäßig Frauen im Alter über 35 Jahre.

Gerade diese Hausfrauenregelung könnte fallen, wenn eine von der Bundesregierung beschlossene Neuregelung der Altenpflege-Ausbildung, die gegenwärtig noch vor dem Bundesverfassungsgericht anhängig ist, Gesetz werden sollte. Die Mittlere Reife soll dann zur normalen Zugangsvoraussetzung werden und der Kurs drei Jahre dauern. Außerdem müsste der Bewerber zunächst einen Ausbildungsplatz in einem Altenheim oder einer Sozialstation vorweisen. Es empfiehlt sich daher, die Chance zu nutzen, wenn man jetzt einen Kurs zu den bisherigen Konditionen beginnen kann. Die Caritas-Fachschule in Bamberg startet den nächsten am 1. Oktober und hat noch die meisten der 25 bis 30 Plätze frei.

Die Chance, nach dem Kurs eine Anstellung zu finden, bezeichnet Siegfried Espach als „sehr gut“. In Bayern fehlten 6000 Altenpfleger, viele neue Heime seien in letzter Zeit gebaut worden. „Im vergangenen Herbst,“ so Espach, „haben alle unsere Absolventen ohne Probleme eine Stelle bekommen.“ Klaus-Stefan Krieger


Kontakt:
Fachschule für Altenpflege
des Caritasverbandes Nürnberg e. V.
Obstmarkt 28
90403 Nürnberg
Tel.: (0911) 23 54-150
Fax: (0911) 23 54-149

Fachschule für Altenpflege St. Marien
des Caritasverbandes für die Erzdiözese Bamberg e. V.
Schützenstraße 21
96047 Bamberg
Tel.: (0951) 98 61 9-0
Fax: (0951) 9 86 19-40
E-Mail: bfsa@caritas-bamberg.de

Kursbeginn: 1. Oktober 2002
Zweijährige Ausbildung zum/zur staatlich geprüften Altenpfleger/in
Bewerbng mit den üblichen Unterlagen bei der
Caritas-Fachschule für Altenpflege St. Marien in Bamberg

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