Pressemitteilung vom 2. Juli 2002

Caritas-Ehrenamtliche erkunden die Caritasarbeit in der tschechischen Partner-Diözese Leitmeritz

Fast 50 Ehrenamtliche der Arbeitsgemeinschaft ehrenamtliche Caritasdienste in der Erzdiözese Bamberg besuchten mit Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon vom 7. – 9. Juni 2002 die Caritas in der tschechischen Diözese Leitmeritz. Zu diesem Besuch hatte die Leitmeritzer Caritasdirektorin Ruzena Kavková eingeladen, nachdem Pfarreien insbesondere aus den Dekanaten Erlangen und Höchstadt über Jahre hinweg Hilfsgütertransporte mit Gebrauchtkleidern, Einrichtungsmöbeln und Medikamenten zur Unterstützung der Caritasarbeit nach Leitmeritz gesandt hatten.

Die Helferinnen und Helfer sollten sich selbst ein Bild machen können von der Aufbauarbeit der tschechischen Caritas, von der Nützlichkeit der Hilfsgüter aber auch von notwendigen neuen Caritasprojekten, die den noch jungen tschechischen Caritasverband herausfordern. Neben ihrem knappen eigenen Reisegepäck hatte die Reisegruppe den gesamten Gepäckraum des Omnibusses mit Kleider- und Wäschespenden bis in den letzten Winkel vollgeladen.

Am ersten Tag stand ein Besuch in einem Caritas-Altenwohnheim und in einer Unterkunft für Asyl Suchende auf dem Programm. Tags darauf nahmen die Bamberger an einer Wallfahrt der gesamten tschechischen Caritas zum Grab der Patronin der tschechischen Caritas, der hl. Zdislawa, in der Basilika von Jablonné v. Podjestedi, teil. Dort zelebrierte der Präsident der tschechischen Caritas P. Miroslav Fiala zusammen mit Domvikar Bernhard Simon den Festgottesdienst. Eine kurze Wanderung führte zum Heilwasser-Brunnen der hl. Zdislawa. Zu ihm stieg die Heilige immer wieder von der nahe gelegenen Burg Lembergk hinab, um Wasser für die Pflege ihrer Kranken zu schöpfen.

Danach ging die Fahrt weiter nach Jiretin bei Varnsdorf. Direktorin Kavková stellte hier den Besuchern ein Mutter-Kind-Heim vor. Diese Einrichtung begleitet Mütter, die nicht in der Lage sind, sich allein um ihre Kinder zu kümmern. Es geht darum, die teilweise auch geistig behinderten Frauen zu befähigen, ihren Alltag und die Erziehung ihrer Kinder selbständig zu bewältigen. Die Frauen sind meist Opfer häuslicher Gewalt und sexueller Ausbeutung. Viele arbeiteten als Prostituierte an der deutsch-tschechischen Grenze und waren schutzlos der Ausbeutung durch Zuhälter ausgeliefert. Ein Großteil der Kinder im Haus hat wohl auch deutsche Väter, die aber nicht bekannt sind.

Das wichtigste Ziel der Einrichtung ist es, die Mütter für ein selbständiges Leben mit ihren Kindern vorzubereiten und zu stabilisieren. Dadurch soll vor allem verhindert werden, dass den Kindern das Schicksal ihrer Mütter und Großmütter erspart bleibt, die ihrerseits meist keine Familie hatten und in Heimen aufgewachsen sind. Das Haus ist die einzige derartige Einrichtung in der tschechischen Republik. Mit 20 Frauen und 40 Kindern ist es voll belegt.

Aufgrund eines unmittelbar notwendigen Wechsels der Trägerschaft von tschechischen Ordensschwestern zum Caritasverband Leitmeritz sind die Personal- und Betriebskosten in den letzten vier Monaten des Jahres 2002 nicht gedeckt, was evtl. die Schließung der gesamten Einrichtung bedeuten kann. In diesem Fall droht den Kindern die Einweisung in ein Heim und ihre Mütter stünden wieder auf der Straße in der gleichen Situation wie vor ihrer Aufnahme in die Einrichtung.

Die unmittelbare Konfrontation mit der Not der Frauen und ihren Kindern und der Einrichtung selbst, die ums Überleben kämpft, löste bei den Besuchern aus der Diözese Bamberg große Betroffenheit aus. Noch vor Ort beschloss man, die Reste der Reisekasse der Teilnehmer für die Einrichtung zu spenden und in den Heimatpfarreien daheim zu Spenden für das Mutter-Kind-Haus aufzurufen.

Nach dem Gottesdienst im Leitmeritzer Dom mit Domvikar Simon am Sonntag erfolgte eine Besichtigung des ehemaligen Konzentrationslagers Theresienstadt. Anschließend verabschiedete Direktorin Ruzena Kavková ihre Bamberger Gäste herzlich zur Rückfahrt nach Deutschland.

Peter Grau


Spenden werden erbeten unter Kennwort „Mutter-Kind-Heim Tschechien“ an:
Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg
Konto-Nr.: 9003002
Liga-Bank-Bamberg (BLZ 750 903 00)

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