Pressemitteilung vom 28. Mai 2001

Erzbischof zeichnete karitative Initiativen Ehrenamtlicher aus

Sieben von Ehrenamtlichen angeregte und durchgeführte Projekte mit Vorbildcharakter hat Bambergs Erzbischof Dr. Karl Braun mit einem erstmals verliehenen Förderpreis für Freiwilligen-Initiativen ausgezeichnet. Fünf der Preisträger kommen aus dem Bereich der Caritas im Erzbistum.

Aischgründer Tafel

Weil sie nach den Worten des Erzbischofs „der zunehmenden Armutsproblematik in unserer Gesellschaft über den Weg sehr konkreter und wirksamer Hilfe in der Öffentlichkeit Aufmerksamkeit“ verschaffe, wurde die Aischgründer Tafel ausgezeichnet. Die 65 Ehrenamtlichen des Vereins „Iss was e.V.“ geben in Neustadt/Aisch, Bad Windsheim und Scheinfeld derzeit an rund 450 bedürftige Menschen wöchentlich Lebensmittel aus, die sonst vernichtet würden, weil das Verfallsdatum naht, die Verpackung kleine Mängel hat oder sich nicht genug Käufer finden. Zusätzlich gibt es in Neustadt das Begegnungscafé Lebenstraum und eine Suppenküche. Der im September 1998 gegründete Verein „Iss was e.V.“ gehört als assoziiertes Mitglied dem Caritasverband für den Landkreis Neustadt/Aisch an. Dieser stellt in Neustadt die Räume für Ausgabestelle, Café und Suppenküche sowie ein Büro. Das Preisgeld – es besteht aus einer Grundförderung von 1000 Mark und bei Bedarf einer Aufstockung – soll für die geplante Kleiderkammer in Bad Windsheim und eine zusätzliche Ausgabestelle in Uffenheim verwendet werden.

Vinzenzkonferenz St. Otto in Bamberg

In ähnlicher Weise wirkt die Vinzenzkonferenz St. Otto in Bamberg. Auf dem Hof der Familie Dorsch können jeden Mittwoch und Samstag rund 120 bedürftige Männer, Frauen und Kinder sich mit Lebensmitteln, Kleidung, Möbeln, Heizmaterial und anderen Dingen des täglichen Bedarfs versorgen. Auch finanzielle Unterstützung wird in Einzelfällen gewährt. Etwa 20 Firmen spenden regelmäßig Lebensmittel. Rund 25 Freiwillige helfen beim Sortieren und Verteilen. Der Erzbischof nannte bei der Preisverleihung die Initiative „aus dem Norden Bambergs kaum mehr wegzudenken“.

Konferenz der pfarrlichen Caritasbeauftragten in Erlangen und Höchstadt

Als ein „wegweisendes Modell für die Caritas der Gemeinde in Dekanaten und Kreis-Caritasverbänden“ würdigte der Erzbischof die Konferenz der ehrenamtlichen Caritasbeauftragten der Pfarrgemeinden im Bereich des Caritasverbandes für die Stadt Erlangen und den Landkreis Erlangen-Höchstadt. In allen 31 Pfarreien der Dekanate Erlangen und Höchstadt/Aisch gibt es ehrenamtliche Caritas-Helfergruppen. Sie delegieren die Beauftragten, die sich dreimal im Jahr zu einer Konferenz treffen. Dort tauschen die Caritasbeauftragten Erfahrungen aus und holen Informationen aus dem Caritasverband ein. Die Konferenz führt Fortbildungen durch und sorgt für die Zusammenarbeit mit den Dekanatsräten und mit professionellen sozialkaritativen Einrichtungen. Der Erzbischof lobte die Konferenz als wichtige Stütze für die ehrenamtliche Caritasarbeit in der Gemeinde. Dass es in den Dekanaten Erlangen und Höchstadt in jeder Pfarrei eine Caritasgruppe Freiwilliger bestehe, sei einzigartig im Erzbistum Bamberg.

Selbsthilfegruppen von Frauen aus Asien und Lateinamerika in Nürnberg

Aus dem Kontakt- und Informations-Zentrum für Afrikanerinnen, Asiatinnen und Latein-Amerikanerinnen (KOFIZA) des Vereins IN VIA Katholische Mädchensozialarbeit Nürnberg – eines Fachverbandes der Caritas – zeichnete der Erzbischof eine Gruppe philippinischer und eine Gruppe brasilianischer Frauen, die mit deutschen Männern verheiratet sind, aus. Selbsthilfegruppen ähnlich, organisieren die Frauen für sich Informations- und Bildungsveranstaltungen, die der Integration diesen. Themen sind etwa geringfügige Beschäftigung, Krankenversicherung oder die Deutschprüfung für die Einbürgerung. Aus einem durch Benefizveranstaltungen gespeisten Fonds werden Migrantinnen aus Afrika, Asien und Lateinamerika finanziell unterstützt, wenn diese aus anderen Quellen keine Hilfe erwarten können. Erzbischof Dr. Karl Braun würdigte die beiden seit fast zehn Jahren bestehenden Gruppen als „einen wichtigen Baustein für das multikulturelle Zusammenleben und das gesellschaftlichen Gefüge der Stadt Nürnberg“.

Frauenhaus in Bamberg

Eine Wochenendfreizeit für Bewohnerinnen und vor kurzem ausgezogene Bewohnerinnen sowie für deren Kinder will der Preis für das Frauenhaus Bamberg fördern. Im Frauenhaus wirken neben den hauptamtlichen Mitarbeiterinnen 22 Frauen freiwillig, zehn von ihnen seit Gründung des Hauses 1986. Sie leisten Rufbereitschaft, bieten eine Freizeitgruppe für die Frauen , die im Haus Zuflucht gefunden haben, und Beschäftigung für deren Kinder an. Der Erzbischof wies darauf hin, dass die Ehrenamtlich auch auf gesellschaftlich geduldete Gewalt gegen Frauen aufmerksam machten und so Bewusstseinsveränderung bewirkten. Das Frauenhaus wird vom Sozialdienst katholischer Frauen Bamberg betrieben, der ebenfalls ein Fachverband der Caritas ist.

Erzbischof richtet Fonds ein

Der Preis drücke Anerkennung und Wertschätzung für das bisweilen zuwenig geachtete ehrenamtliche Engagement aus, sagte Erzbischof Dr. Karl Braun bei der Preisverleihung im Bischofshaus. Der Preis solle zu freiwilliger Einsatzbereitschaft motivieren und vorbildlichen Projekten einen ideellen und materiellen Anschub geben. „Das Ehrenamt ist Rückgrat der Kirche und der Gesellschaft“, sagte der Erzbischof. Es werde in Zukunft noch nötiger und wichtiger sein.

Darüber hinaus gab Erzbischof Dr. Karl Braun die Einrichtung eines Fonds bekannt, der der Förderung ehrenamtlicher Dienste im Erzbistum Bamberg dienen soll. Er sei aus Mitteln des Erzbischöflichen Stuhls mit 300.000 Mark ausgestattet. Aus den Zinserträgen erhielten künftig alljährlich besondere Aktivitäten und Projekte aus dem ehrenamtlichen Bereich eine Unterstützung. Braun betonte die besondere Bedeutung der Stiftung, denn der Erzbischöfliche Stuhl gehe damit an die Grenzen seiner finanziellen Möglichkeiten. Er würde sich daher sehr über Zustiftungen freuen.


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