Pressemitteilung vom 26. November 2001

Caritas Fürth: Geschäftsführer Erwin Schneider geht in Ruhestand

Ende November verabschiedet der Caritasverband für Stadt und Landkreis Fürth Erwin Schneider in den Ruhestand. Der langjährige Geschäftsführer kann auf eine erfolgreiche Tätigkeit zurückblicken, bei der er die Arbeitsgebiete des Wohlfahrtsverbandes zukunftsträchtig ausgebaut hat.

Als Erwin Schneider im Juni 1984, von der Bundesbahn kommend, wo er als Revisor für alle Sozial-Einrichtungen wie Kantinen, Kur- und Erholungsheime in Nordbayern zuständig war, seinen neuen Posten antrat, hatte der Fürther Caritasverband 19 Mitarbeiter. Heute sind es 52. Bis auf die Allgemeine Soziale Beratung, die Sozialstation und die Suchtberatung sind alle Einrichtungen der Fürther Caritas in Schneiders Amtszeit entstanden.

Die Allgemeine Soziale Beratung ist wie bei fast allen Kreis-Caritasverbänden die Keimzelle der Arbeit. Hier wird vorgängig zu einer speziellen Beratung Ratsuchenden Hilfe in sozialen Fragen und Problemen zuteil. Unter Erwin Schneider hat diese Stelle jedoch eine ganze Reihe besonderer Angebote entwickelt: Arbeit mit Gruppen Trauernder; Hospizarbeit; Partner-, Trennungs- und Scheidungsberatung; Arbeit mit Kindern aus Scheidungsfamilien; Hilfe für Schwangere. Durch die gesetzliche Änderung der Pflegschaften 1992 hat sich die Vereinsbetreuung entwickelt. Stark vorangetrieben hat Schneider im Beratungsbereich Kuren und Erholungen die Nachsorgegruppen „Mütter nach der Kur“. Denn, so Schneider, „es nützt nicht, Frauen auf Kur zu schicken, wenn sie nachher ins gleiche Milieu zurückkommen und alles, was in der Kur aufgebaut wurde, wieder verloren geht.“

Seit 1980 besteht die Caritas-Sozialstation für die häusliche Kranken- und Altenpflege in Fürth. Zu ihr kam 1986 die Sozialstation des Landkreises in Zirndorf hinzu. Als neues Angebot wurde eine Beratung für pflegende Angehörige entwickelt. Sie wird im „Netzwerk Pflege“ gemeinsam mit Arbeiterwohlfahrt, Rotem Kreuz und Diakonie organisiert. Eine gerontopsychiatrische Betreuung, die sich dem wachsenden Problem altersverwirrter Menschen annimmt, baut die Fürther Caritas gegenwärtig auf.

Allerdings hat die Sozialstation eine schwierige Phase zu bewältigen. Die Dienstleistungen waren ausgeweitet worden, ohne dass zusätzliches Personal eingestellt wurde. „Die Station lebte von der Substanz,“ stellt der jetzige Caritas-Vorsitzende Günther Zwecker fest. Jetzt beteiligt sich die Sozialstation gemeinsam mit den Nürnberger Krankenpflegevereinen am Qualitätsmanagement des Diözesan-Caritasverbandes.

Zusätzliche Aufgaben erhielt auch die seit 20 Jahren bestehende Psychosoziale Beratungsstelle, die Menschen bei Suchterkrankungen berät und behandelt. So gibt es nun eine Zusammenarbeit mit den Krankenhäusern: die Berater suchen dort Patienten aktiv auf. Neue Gruppen entstanden, darunter eine Selbsthilfegruppe für Frauen mit Essstörungen. Erwin Schneider hat in der Suchtberatung darauf hingewirkt, dass dort Beschäftigte auch in Teilzeit arbeiten können. Generell sei es dem scheidenden Geschäftsführer, lobt Friederike Süß, im Verband für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, „ein großes Anliegen gewesen, für die Mitarbeiter die besten Lösungen zu finden.“

1983 wurde in Fürth auf Initiative der Volkshochschule die Beratungsstelle für Arbeitslose Ifa gegründet. Drei Jahre später ging sie in die Trägerschaft von Caritasverband, Diakonie und Evangelischem Bilddungswerk über. Die Hauptamtlichen von ifa erhielten ihre Stellen damals als Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, inzwischen haben sie unbefristete Arbeitsplätze. Als Ergänzung zur Beratungsstelle hat sich ein Verein gegründet, der Langzeitarbeitslosen in Beschäftigungsprojekten eine Tätigkeit vermittelt.

Stark gewandelt hat sich Schneiders Amtszeit die Arbeit mit Ausländern. 1986 begann die Beratung mit ausländischen Flüchtlingen; Caritas-Mitarbeiter suchten Asylbewerber in ihren Unterkünften auf. „Damals“, so Schneider, „hatte diese Arbeit bei Kirche und Caritas einen hohen Stellenwert und auch die staatliche Förderung war höher.“ Nachdem die öffentlichen Gelder spärlicher fließen und Flüchtlingsheime geschlossen wurden, hat die Caritas diese Arbeit zurückgefahren.

Nur noch eine geringe Rolle spielt die Arbeit mit Aussiedlern. 1989 baute die Caritas eine umfangreiche Beratung in den verschiedenen Übergangswohnheimen in Fürth und Ammerndorf auf. Außerdem gab es zeitweise eine Kinderbetreuung, zwei Erzieherinnen kümmerten sich um diese Gruppe. Auch in der Aussiedlerarbeit gingen die Zuschüsse stark zurück. Heute gibt es bei der Caritas nur noch eine wöchentliche Sprechstunde für Aussiedler. Insgesamt plant der Fürther Verband eine Neupositionierung der Ausländerarbeit. Verstärkt will man ausländische Studenten und binationale Ehen in den Blick nehmen.

Ende der 80er Jahre ganz eingestellt wurde die Freiwillige Hauswirtschafts- und Familienhilfe. Dabei sollten am Arbeitsmarkt schwer vermittelbare Mädchen durch den Einsatz in Privathaushalten beruflich integriert werden. Der Caritasverband leitete die Einsätze in der ganzen Region Fürth, Erlangen und Nürnberger Land. 1987 gegründet wurde die Sozialpädagogische Familienhilfe.

Nicht alle Wünsche freilich konnte sich Erwin Schneider verwirklichen. Die Sanierung des alten, aber denkmalgeschützten Caritas-Hauses in der Alexanderstraße hat der Vorstand aus Kostengründen (geschätzte fünf Millionen Mark) endgültig zu den Akten gelegt. Nun bleibt es bei einer Umgestaltung der Räume von Suchtberatung und Sozialstation.

Auch der Bau eines Altenheims in Oberasbach kam nicht zustande. Zwar hatte die Gemeinde der Caritas ein Grundstück zur Verfügung gestellt, doch die Regierung von Mittelfranken sah keinen Bedarf und gab keine Zuschüsse. Später baute das Rote Kreuz das Heim ohne öffentliche Förderung.

Allerdings hat Erwin Schneider in den letzten Monaten seiner Amtszeit noch die Weichen für die Zukunft mit gestellt. Eine aus Mitteln der Caritas gegründete Stiftung soll künftig als Förderverein den Fürther Verband finanziell unterstützen.

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