Pressemitteilung vom 20. September 2001

Kirchen wollen sich in Debatte um Euthanasie einschalten
Ökumenische Initiative „Ja zum Leben – bis zuletzt“ startet im Oktober

Das Ende des menschlichen Lebens gerät immer stärker in die Diskussion, wie die im April in Kraft getretene Gesetzgebung zur aktiven Sterbehilfe in den Niederlanden zeigt. Die beiden großen Kirchen auf dem Gebiet des Erzbistums Bamberg melden sich daher mit einer Initiative „Ja zum Leben – bis zuletzt“ zu Wort.

Träger der Initiative sind die katholische Erzdiözese Bamberg, die evangelisch-lutherischen Kirchenkreise Bayreuth, Nürnberg und Ansbach sowie die kirchlichen Wohlfahrtsverbände Caritas und Diakonie. Mit Hospizvereinen gibt es eine enge Zusammenarbeit. Die Koordination liegt beim Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg.

Die ökumenische Initiative will der Tendenz entgegenwirken, Leid, Krankheit, Sterben und Tod an bestimmte gesellschaftliche oder kirchliche Institutionen abzuschieben und damit zu Tabu-Themen zu machen. Sie will in die öffentliche Debatte und in die Diskussion betroffener Berufsgruppen (etwa von Ärzten, Alten- oder Krankenpflegern) sachgerechte Information und vor allem christliche Alternativen einbringen. Dem lauter werdenden Ruf nach der Freigabe der aktiven Sterbehilfe sollen Antworten aus dem christlichen Menschenbild entgegengesetzt werden. Um hier einen deutlichen Impuls zu setzen, werden der Diözesanadministrator des Erzbistums Bamberg, Weihbischof Werner Radspieler, und die evangelischen Kreisdekane eine gemeinsame Erklärung veröffentlichen.

Engagement der Kirche

Die Initiative will verdeutlichen, dass in der Hospizarbeit und in der Schmerztherapie menschenwürdigere Konzepte angeboten werden als die aktive Sterbehilfe. Auch soll gesellschaftspolitisch neu bewusst werden, dass Kirche sich in diesem Bereich seit langem qualifiziert engagiert: Klinikseelsorge, Sterbebegleitung, kirchliche Krankenhäuser, die Sozialstationen von Caritas und Diakonie, kirchliche Alten- und Pflegeheime, die Besuchsdienste der Pfarreien bei alten und schwerstkranken Menschen, berufsethischer Unterricht in den Krankenpflegeschulen und Thematisierung dieser Fragen im schulischen Religionsunterricht sind Beispiele, wie die Kirche versucht, Jesu Forderung nach Nächstenliebe in die Tat umzusetzen.

Arbeitshilfen

Dass diese sinnvolle und erfolgreiche Arbeit weiter intensiviert und ausgeweitet wird, dazu möchte die Initiative Hilfestellung leisten. Deshalb wurden drei Arbeitshilfen erstellt, die Anregungen zum Umgang mit Sterben, Tod und Trauer geben. Eine umfangreiche Arbeitshilfe will Orientierung und praktische Vorschläge vermitteln, wie in der Pfarrgemeinde mit dem Thema umgegangen werden kann. Eine weitere Handreichung wendet sich an alle, die in der ambulanten Pflege (z.B. in Sozialstationen) tätig sind. Die dritte Broschüre ist für Alten- und Pflegeheime gedacht.

Auftakt

Die Initiative startet am Freitag, 19. Oktober 2001, mit einer Auftaktveranstaltung im Bamberger Dom. Um 18 Uhr wird ein ökumenischer Gottesdienst gefeiert, den Weihbischof Werner Radspieler und Oberkirchenrat Wilfried Beyhl leiten. Danach findet eine Projektmesse im Domkreuzgang statt. Hier werden die von der Initiative erstellten Arbeitshilfen präsentiert, Arbeitsgruppen wie „Klinikseelsorge“, „Verwaiste Eltern“ oder der Hospizverein stellen sich vor, Altenheime und Sozialstationen von Caritas und Diakonie geben Auskunft über ihre Arbeit.

Regionale Auftaktveranstaltungen folgen:
Bayreuth
, Donnerstag, 25. Oktober, 18 Uhr, Stadtkirche Hl. Dreifaltigkeit
Forchheim, Mittwoch, 14. November, 19 Uhr, St. Martin
Kronach, Donnerstag, 15. November, 19 Uhr, Stadtpfarrkirche St. Johannes der Täufer
Ansbach, Mittwoch, 21. November, 19 Uhr, Friedenskirche
Nürnberg, Sonntag, 25. November, 17 Uhr, Klarakirche

Zwischen Oktober 2001 und Ostern 2002 sollen dann Veranstaltungen in der gesamten Diözese stattfinden, die von Veranstaltern vor Ort ausgerichtet werden, etwa Informationsabende, Diskussionsforen, Vorträge, Besinnungstage, Schulungen und Fortbildungen. Der Abschluss der Initiative wird am Ostersonntag 2002 in Nürnberg erfolgen.

Kontaktadresse der Initiative ist die Zentrale des Caritasverbandes für die Erzdiözese Bamberg.

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