Pressemitteilung vom 20. Juni 2001

Tagung: Trainingsprogramme für Kinder und Eltern können jugendlicher Gewalt vorbeugen

Die gesellschaftlichen Ursachen jugendlicher Gewalt stärker in den Blick zu nehmen, hat Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon auf der Tagung „Für eine Pädagogik gegen Gewalt“ am 19. Juni 2001 in Bamberg eingefordert. In der Jugendhilfe werde die Caritas immer öfter mit gewaltbereiten und gewalttätigen Jugendlichen konfrontiert. Lösungen für dieses Problem zu suchen, sei aber nicht nur Aufgabe der Familien und der Erzieher, sondern der gesamten Gesellschaft. Vor allem müsse überlegt werden, was bereits im Vorfeld zu tun sei, damit es unter Jugendlichen gar nicht erst zu Phänomenen wie Vandalismus oder Mobbing komme, sagte Simon.

Simon wies auf die sozialen Ursachen jugendlicher Gewalt hin: „Die aufgehende Schere zwischen Arm und Reich löst Aggressionen aus.“ Leistungsdruck, das Gefühl der Benachteiligung und mangelnde sprachliche Fähigkeiten ließen Jugendliche zu Gewalt greifen als einer Strategie sich durchzusetzen. Jugendlichen müsse vermittelt werden, Konflikte konstruktiv zu lösen. Solche Angebote mache die Caritas in ihren Jugendhilfe-Einrichtungen, in der Erziehungsberatung oder in Kindertagesstätten. Darüber hinaus sei aber das Zusammenspiel aller gesellschaftlichen Institutionen notwendig. Die beste Vorbeugung gegen Straftaten biete eine gute Sozialpolitik.

Der Hauptreferent der Tagung, Dr. Andreas Beelmann vom Fachbereich Psychologie der Universität Erlangen-Nürnberg, empfahl soziale Trainingsprogramme für Kinder. Besonders effektiv, so hätten Studien gezeigt, seien solche Trainings bei Kindern, die vom sozialen Umfeld und ihrer Entwicklung her das Risiko einer Gewaltkarriere mitbringen. Als wirksam habe sich zudem erwiesen, das Training der Kinder mit Kursen zur Förderung der Erziehungskompetenz für die Eltern zu flankieren. Beelmann stellte das an der Universität in Erlangen entwickelte Training „Ich kann Probleme lösen“ für Vorschulkinder vor. Elisabeth Nüßlein, Mitarbeiterin der Caritas bei der Diözesanstelle Familie, wies auf das Elterntraining „Mach’ Halt vor Gewalt“ hin, das die Diözesanstelle Familie und der Familienbund der Katholiken gemeinsam in Forchheim durchführen.

Einen Schwerpunkt legte die Tagung auf – wie Diözesan-Caritasdirektor Simon eingangs betonte – „gezielte Anregungen für die pädagogische Praxis“. In Workshops konnten die Tagungsteilnehmer und –teilnehmerinnen Anti-Gewalttraining in der Schule, Peer-Konfliktlotsenmodell oder Improvisationstheater kennen lernen und selbst ausprobieren. Das Bamberger Canisiusheim der Salesianer stellte seine Zirkuspädagogik vor. Aus dem Nürnberger Caritas-Pirckheimer-Haus berichteten Jugendakademie und Internationales Jugendzentrum über die Integration ausländischer Jugendlicher und interkulturelle Angebote in der außerschulischen Jugendbildung.

180 Teilnehmer und Teilnehmerinnen, vorwiegend Lehrer und Erzieher, aus ganz Bayern sowie Baden-Württemberg besuchten die Tagung im Bamberger Freizeitwerk St. Heinrich, die vom Bundesfamilienministerium und vom Projekt „Dem Leben die Hand reichen“ der Erzdiözese Bamberg gefördert wurde. Die Tagung hatten der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg, die Diözesanstelle Familie und die Diözesanverbände der Katholischen Elternschaft Deutschlands und des Familienbundes der Katholiken gemeinsam ausgerichtet.


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