Pressemitteilung vom 9. November 2001

Nicht auf Kosten der Schwachen
Fachtagung des Diözesan-Caritasverbandes: Direktor Simon erhebt Einwände gegen Änderung der Kindergarten-Finanzierung

„Wir müssen darauf achten, dass bei einer veränderten Finanzierung der Kindergärten nicht die finanziell schwächeren Familien auf der Strecke bleiben,“ mahnte Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon gestern bei der Pressekonferenz, die im Rahmen der Tagung „Fit für die Zukunft“ stattfand. Die vom Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg veranstaltete Fachtagung, zu der rund 420 Mitarbeiterinnen von Kindertagesstätten ins Bamberger Freizeitwerk St. Heinrich gekommen waren, behandelte als ein Thema das vom Bayerischen Sozialministerium angeregte veränderte Finanzierungssystem für Kindergärten. Es wird vom Nürnberger „Institut für soziale und kulturelle Arbeit“ entwickelt und gegenwärtig in einem Modellversuch in der Stadt Bayreuth und im Landkreis Landsberg am Lech erprobt. Das Modell sieht vor, dass Freistaat und Kommunen die Personalkosten der Kindergärten nicht mehr pauschal nach der Anzahl der Gruppen im Kindergarten fördern, sondern nach der Zahl der Kinder und nach der Zeit, die sie tatsächlich in der Einrichtung verbringen. Die Eltern buchen nach dieser Vorstellung für ihr Kind individuell Stunden im Kindergarten. Diözesan-Caritasdirektor Simon befürchtet, dass gerade Familien aus sozial schwächeren Schichten nur geringe Zeiten in Anspruch nehmen, vor allem wenn Jugendämter ihnen auch nur die Kosten für das Minimum von drei bis vier Stunden am Tag ersetzen.

Simon kritisierte auch, dass das Modell die Folgekosten der vorgesehenen Altersmischung nicht berücksichtige. Wenn die Kindergärten auch Kinder, die jünger als drei Jahre und älter als sechs Jahre sind, aufnehmen sollen, seien in vielen Einrichtungen bauliche Veränderungen notwendig, etwa ein Schlafzimmer für die Kleinkinder oder ein Raum, in dem die Schulkinder ungestört ihre Hausaufgaben erledigen können. Träger, die sich in einem engen finanziellen Korsett befänden, kämen dann in Schwierigkeiten. Ebensowenig berechne das Fördermodell die Zeit für Gespräche mit den Eltern und für die Fortbildung der Erzieherinnen. Simon warnte davor, die Veränderung der Förderung als „geheimes Sparprogramm“ zu nutzen.

Simon kündigte bei der Tagung auch an, dass das Modellprojekt „Kindergarten und Pfarrgemeinde in lebendiger Beziehung zueinander“ auf die gesamte Erzdiözese Bamberg ausgeweitet werden soll. Das Projekt des Diözesan-Caritasverbandes will eine verstärkte Zusammenarbeit von Kindergärten und Pfarreien anregen. Mitarbeiterinnen aus dem Franziskus-Kindergarten in Lichtenfels und dem Kindergarten St. Johannes der Täufer in Haßlach/Stockheim berichteten bei der Tagung von ihren Erfahrungen aus der zweijährigen Modellphase, die im Frühjahr 2000 zu Ende gegangen war. Sie waren sich darin einig, dass das Modell die Kindergärten stärker in den Pfarreien verankert und die Eltern zu größerem Engagement für den Kindergarten veranlasst habe.

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