Pressemitteilung vom 5. Oktober 2001

Simon: "Soziales Engagement steht nicht im Belieben des einzelnen Christen"
Kritische Worte zum Start der Fortbildung über Freiwilligen-Management

„Die verfassten Kirchen haben sich ihr soziales Standbein amputiert. Umgekehrt ist beim Sozialkoloss Caritas fraglich, ob sein religiös-kirchliches Standbein noch sichtbar ist.“ Mit, wie er selbst einräumte, zugespitzten Formulierungen hat Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon das Auseinanderdriften von christlicher Gemeinde und kirchlichen Wohlfahrtsverbänden kritisiert. Gleichzeitig forderte er verstärkte und vor allem veränderte Bemühungen um die Förderung des sozialen Ehrenamtes. Simon eröffnete am heutigen Freitagvormittag ein dreiteiliges Fortbildungsseminar des Diözesan-Caritasverbandes zum Thema Freiwilligen-Management.

Jahrhundertelang sei die Sorge um Arme und Kranke selbstverständliche Aufgabe der christlichen Gemeinden gewesen, führte Simon aus. Erst der Sozialstaat habe in Deutschland für eine große Zahl von hauptamtlich Beschäftigten im Sozialbereich gesorgt. Eine Situation wie in den letzten vier Jahrzehnten „hatten wir in der ganzen Geschichte des Christentums nicht“, sagte der Diözesan-Caritasdirektor. Er bezeichnete es als Herausforderung, den Gläubigen wieder bewusst zu machen, „dass soziales Engagement konstitutiv zum Glauben gehört und nicht in das Belieben des Einzelnen gestellt ist“.

Die Caritas forderte Simon auf, sich mit den neuen Entwicklungen im Ehrenamt zu befassen. Die Vielzahl der Motive für ein freiwilliges Engagement sei wahrzunehmen, den Bedürfnissen der Ehrenamtlichen müsse Rechnung getragen werden. Simon warnte davor, Ehrenamtliche als Sparmaßnahme zum Ersatz hauptberuflicher Mitarbeiter zu missbrauchen. Freiwillige benötigten Begleitung, Koordination und Entlastung durch hauptamtliche Kräfte. Simon betonte, dass die Arbeit mit Ehrenamtlichen auch einen Wettbewerbsvorteil verschaffe. Der Besuchsdienst im Altenheim etwa bedeute Qualität, die von Kostenträgern zunehmend eingefordert werde.

Der Referent der Tagung, Michael Helmbrecht, Dozent am Fachbereich Soziale Arbeit der Universität Bamberg, empfahl den Wohlfahrtsverbänden, sich nicht nur als Dienstleister und nicht nur als Anwalt der Benachteiligten, sondern auch als Solidaritätsstifter zu verstehen. Die Erfindung neuer Netzwerke in der Gesellschaft, wie sie etwa die Selbsthilfegruppen darstellten, könne von der Caritas gefördert werden.

[nach oben]   [zurück]