Pressemitteilung vom 5. Juli 2001

Erste Bilanz des Caritas-Leitbildes: Mehr Projekte gegen Armut

Die Caritas im Erzbistum Bamberg hat ihr Engagement bei armutsorientierten Projekten verstärkt. Das ergab die Bilanz, die ein Jahr nach Veröffentlichung des Leitbildes der Caritas bei einer Tagung in Hersbruck gezogen wurde. Im März 2000 hatte sich der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg als "Anwalt und Partner der benachteiligten Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben, die öffentlich keine Stimme haben und die sich nicht selbst helfen können," positioniert.

Im Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim, berichtete Geschäftsführer Gerhard Behr-Rößler vom dortigen Caritasverband, habe die Caritas in Zusammenarbeit mit einer nichtkirchlichen Initiative sehr schnell ein Netzwerk von Stellen aufgebaut, die Lebensmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs an Bedürftige ausgeben. Mit Straßensozialarbeit und einem Computercafé für jugendliche Aussiedler sei es in Stadt und Landkreis Bamberg gelungen, die Kommunen zur Weiterführung der Projekte anzuregen, resümierten Fritz Skowranek, Abteilungsleiter Jugendhilfe beim Diözesan-Caritasverband, und Luise Zenk, Vorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen Bamberg. Sie sprachen bei der Podiumsdiskussion, die im Rahmen der Leitbildtagung im Schulzentrum an der Happurger Straße stattfand.

Aus dem Publikum – alles Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas – wurden aber auch Forderungen nach einem stärkeren politischen Engagement der Caritas laut. Gerade aus dem gastgebenden Caritasverband Nürnberger Land kam der Wunsch nach mehr Protest gegen die Entmenschlichung der Pflege. „Wir sind fast verzweifelt, wie wenig da kommt“, sagte Monika Seckmeier von der Beratungsstelle für pflegende Angehörige. Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon räumte denn auch ein: „Wir brauchen noch mehr Transparenz zwischen denen, die an der Basis arbeiten, und denen, die mit Kostenträgern verhandeln.“ Allerdings wurde auch, so von Fritz Skowranek, beklagt, dass dem Diözesanverband der direkte politische Kontakt fehle, da als Gegenüber zur Staatsregierung der Landes-Caritaverband auftrete.

Ethische Grundlagen

Nicht nur diese Debatte zeigte, dass das Leitbild bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern etwas bewegt hat. Vermehrt setzen sie sich mit den ethischen Grundlagen ihrer Arbeit auseinander. Dazu sei im Don-Bosco-Haus in Hersbruck, nannte dessen Leiter Michael Schubert ein Beispiel, eigens ein Arbeitskreis gegründet worden. Auf Wunsch der Belegschaft werde es auch einen Seminartag mit dem Theologen und Psychotherapeuten Dr. Georg Beirer zu diesem Thema geben.

Guido Aengenheyster, Leiter des Caritas-Altenheims St. Franziskus in Bubenreuth, bestätigte die religiöse Motivation vieler Mitarbeiter. Allerdings fehle oft das Wissen über den eigenen Glauben. Daher sollten religiöse Fortbildungen für Mitarbeiter angeboten werden.

Zum Ziel der Wirtschaftlichkeit, das im Leitbild festgehalten ist, wollte Schubert auch die Mitarbeiter in die Pflicht genommen sehen. Die Einrichtungen müssten Kreativität im Umgang mit Geld und Ressourcen entwickeln. Die Klage über die knapper werdenden öffentlichen Mittel nannte Schubert „auch eine Pseudodiskussion“. Mehrere Podiumsteilnehmern plädierten für die verstärkte Gewinnung Ehrenamtlicher.

Vor der Podiumsdiskussion hatten die Caritas-Beschäftigten einen Gottesdienst in der Spitalkirche gefeiert. Weihbischof Werner Radspieler, Caritas-Referent des Erzbistums Bamberg, forderte in seiner Predigt zu dem Vertrauen auf, dass Gott für die Früchte menschlicher Bemühungen sorgt. Der Tag endete mit einer Besichtigung des Integrationsbetriebs Carisma.


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