Pressemitteilung vom 2. April 2001

In Neunkirchen am Brand öffnet nach Ostern die erste Tagespflege im Landkreis Forchheim

Am 17. April, dem Dienstag nach Ostern, eröffnet die Caritas in Neunkirchen am Brand eine Tagespflegestation. Peter Ehmann, Geschäftsführer des Caritasverbandes für den Landkreis Forchheim, bezeichnet sie als „Rarität“, denn bislang fehlt im Landkreis ein derartiges Angebot.

Als Bindeglied zwischen ambulanter Pflege und Pflegeheim versteht Ulrike Görner, Leiterin der Caritas-Sozialstation in Neunkirchen am Brand, die Tagespflege. Das Angebot richte sich an Menschen, die von Angehörigen oder von den Mitarbeiterinnen der Sozialstation zu Hause gepflegt werden. Diese Menschen seien tagsüber oft allein, weil sie keine Familienmitglieder vor Ort hätten oder diese wegen beruflicher Verpflichtungen außer Haus seien. Auch benötigten pflegende Angehörige, oft Ehefrau, Tochter oder Schwiegertochter, einmal einen Tag zur Erholung. Um dies zu ermöglichen, können pflegebedürftige Menschen den Tag in der Tagespflegestation verbringen. Zwischen 8 und 9 Uhr werden sie zu Hause abgeholt, ab 16 Uhr wieder in ihre Wohnung zurückgebracht.

Die Tagespflege befindet sich unter der Adresse Mühlweg 1 im gleichen Haus wie die Caritas-Sozialstation. Die hohe Akzeptanz der seit 20 Jahren bestehenden Station habe man bewusst nutzen wollen, erläutert Ulrike Görner und berichtet: „Wir haben im Advent in der Sozialstation Nachmittage für die Patienten veranstaltet, und immer wieder kam die Frage, wann wir so etwas wieder einmal machen würden.“ Dass in dem Haus, in dem auf der ersten Etage die Sozialstation untergebracht ist, eine Wohnung frei wurde, ermöglichte dann die Einrichtung einer Tagespflege.

Gegenwärtig laufen noch die Umbauten. Nach ihrem Abschluss werden in der Tagespflege ein Gruppenraum, ein Ess- und Wohnzimmer, zwei Ruheräume, eine Küche, eine Teeküche und eine behindertengerechte Dusche und Toilette zur Verfügung stehen. In der Sozialstation können das Pflegebad und ein Gymnastikraum genutzt werden.

Die Räumlichkeiten weisen schon auf die Aktivitäten hin: Nach dem gemeinsamen Frühstück sollen Angebote wie Sitztanz, Gedächtnistraining, Malen, Handwerken, Musikhören, Spaziergänge und gemeinsames Einkaufen gemacht werden. Mittagessen liefert das nahe gelegene Altenheim. Einmal in der Woche kommt eine Ergotherapeutin. „Wir üben aber keinen Aktivitätszwang aus“, betont Altenpflegerin Sybille Hoersch, die sich um die Tagesgäste kümmern wird. „Das Wichtigeste ist, dass die Gäste entscheiden, was sie möchten.“ Vor allem wolle man Gemeinschaft und Kontakt zu anderen Menschen ermöglichen. Eine Besonderheit wird das Erinnerungszimmer mit Dingen aus dem Alltag wie Kaffeemühle, Nähmaschine oder Waschbrett sein. Altersverwirrte Menschen, so Ulrike Görner, orientierten sich oft am besten an Gegenständen, Gerüchen und Geräuschen. Wert wird auch auf die seelsorgliche Begleitung gelegt, zumal sich In dem Haus, das der katholischen Kirchenstiftung gehört, eine Kapelle befindet.

In der Tagespflege stehen zehn Plätze zur Verfügung. Die Gäste können entscheiden, an wieviel Tagen pro Woche sie kommen wollen. Für Interessenten gibt es Schnuppertage. Auch kurzfristig will die Tagespflege Patienten aufnehmen, etwa wenn ein Angehöriger, der sonst die Pflege übernimmt, dringend verreisen muss. Für die Tagesgäste stehen anderthalb Stellen an Pflegepersonal, stundenweise eine Hauswirtschafterin, eine Praktikantin im Freiwilligen Sozialen Jahr und ein Zivildienstleistender zur Verfügung. Ehrenamtliche wollen das Team der Tagespflege unterstützen.

Die Tagessätze pro Gast und Tag betragen einschließlich des Essens in der Pflegestufe I 74,26 DM, in Stufe II 102,38 DM und in Stufe III 129,50 DM. Davon muss der Gast einen Eigenanteil von 12 Mark übernehmen, den übrigen Betrag erstattet die Pflegeversicherung für maximal 12 bis 18 Tage im Monat. Selbst bezahlen müssen die Tagesgäste anfallende Fahrtkosten.

Der Umbau der Wohnung zu einer Tagespflege hat nach Angaben von Peter Ehmann 40.000 Mark gekostet. Davon werde die Gemeinde Neunkirchen am Brand voraussichtlich 12.000 Mark übernehmen. Ein weiterer Zuschuss komme von der Kirchenstiftung.

Für die Tagespflege anmelden kann man sich bei der Caritas-Sozialstation unter Tel. 09124/1845.

Die Caritas im Erzbistum Bamberg erhält mit der Neueröffnung in Neunkirchen am Brand die sechste Tagespflege. Bisher gab es dieses Angebot bereits in Kronach, in Röthenbach/Pegnitz, in Schnaittach und zweimal in Nürnberg (Tagespflege Angelus und Tagespflege Nord).


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