Pressemitteilung vom 20. Oktober 2000

Äußerst wenige Zwangsarbeiter im Bereich der Caritas des Erzbistums

Auf dem Gebiet des Erzbistums Bamberg sind während der nationalsozialistischen Diktatur nur sehr wenige Zwangsarbeiter im Bereich der Caritas eingesetzt worden. Das haben die Recherchen des Diözesan-Caritasverbandes ergeben.

Insgesamt konnten lediglich drei Zwangs- oder Fremdarbeiter ermittelt werden. Sie waren in einer Einrichtung für Behinderte und Pflegebedürftige der Regens-Wagner-Stiftung in Michelfeld (Ortsteil von Auerbach im Landkreis Amberg) eingesetzt. Ein namentlich bekannter polnischer Staatsbürger wurde im April 1940 zur Mitarbeit in der Landwirtschaft eingestellt. Im Juli des gleichen Jahres wurden zwei französische Kriegsgefangene zugeteilt. Allerdings wurden die Einrichtungen der Regens-Wagner-Stiftung nach Auskunft des Bischöflichen Ordinariats Augsburg, das die Nachforschungsergebnisse der Stiftung gesammelt hat, frühzeitig auch vom Militär genutzt und dann beschlagnahmt. So wurden seit Beginn des Zweiten Weltkriegs wegen der Nähe des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr Soldaten in Michelfeld einquartiert; von Oktober 1941 bis Kriegsende war die Einrichtung als Lazarett konfisziert.

Die Namen zweier Fremdarbeiter hat das Provinzialat Bamberg der Dillinger Franziskanerinnen dem Diözesan-Caritasverband mitgeteilt. Beide Männer waren jedoch nicht auf dem Gebiet der Erzdiözese eingesetzt: Ein russischer Zivilgefangener wurde 1941 von der "Kreisbauernschaft Weißenburg" dem Antoniuskinderheim in Nennslingen zugewiesen. Dobrudscha-Deutsche, von denen einer namentlich bekannt ist, wurden der Mädchenschule in Lohr am Main zugeteilt, die allerdings ebenfalls als Lazarett beschlagnahmt war.

Ohne Ergebnisse blieben die Nachforschungen der anderen Orden, die soziale Einrichtungen im Erzbistum Bamberg betreiben. So teilte Frater Donatus Wiedenmann, Provinzial der Bayerischen Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder, mit: "Für unsere Einrichtung in Gremsdorf können wir ausschließen, dass dort Zwangsarbeiter in irgendeiner Form eingesetzt wurden". In Gremsdorf bei Höchstadt/Aisch unterhalten die Barmherzigen Brüder eine Einrichtung für behinderte Menschen.

Keine Hinweise auf Zwangsarbeiter konnte auch der Diözesan-Caritasverband selber in den archivierten Unterlagen und Protokollen aus der Kriegszeit finden. Die Kreis- und Stadt-Caritasverbände wurden bis auf den Caritasverband Nürnberg, dessen Recherchen ebenfalls ergebnislos verliefen, erst nach 1970 gegründet.

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