Pressemitteilung vom 18. September 2000

Der Kindergarten nützt Kindern, Eltern und Pfarrei
Diözesan-Caritasverband stellte Ergebnisse aus Projektkindergärten der Region Lichtenfels – Kronach – Coburg vor

"Der Kindergarten bietet eine Chance für die Seelsorge, die wir viel zu wenig wahrnehmen". Dieses Fazit von Diözesan-Caritasdirektor Bernhard Simon ist ein Ergebnis des Modellprojekts "Kindergarten und Pfarrgemeinde in lebendiger Beziehung zueinander ?!", das der Caritasverband für die Erzdiözese Bamberg von Juni 1998 bis zum Frühling diesen Jahres durchführte. Erfahrungen aus dem Versuch, katholische Kindergärten stärker in das Leben ihrer jeweiligen Pfarrei einzubinden, wurden heute mittag auf einer Pressekonferenz in Bamberg vorgestellt.

Als "Ort der Seelsorge" nicht nur für die Kinder, sondern auch für die Eltern bezeichnete Simon bei dieser Gelegenheit den Kindergarten. Er bringe auch Erwachsene wieder in Kontakt mit Kirche und Glauben. Dass Eltern vom Kindergarten Hilfestellung bei der religiösen Erziehung erwarten, berichtete Pia Pillach, Leiterin der Abteilung "Tageseinrichtungen für Kinder" beim Diözesan-Caritasverband, als ein Ergebnis des Projekts, das ihre Abteilung entwickelt hatte. Der Franziskus-Kindergarten Lichtenfels habe darauf mit dem Kursprogramm "Mit Kindern leben, glauben, hoffen" reagiert und es für Eltern aus der ganzen Pfarrgemeinde angeboten.

Das Projekt habe aber auch den Kindern Gewinn gebracht, betonte Pillach. So organisierte der Kindergartens St. Johannes der Täufer in Haßlach (bei Kronach), in dessen Einzugsbereich es für Kinder im Alter von drei bis acht Jahren keine Begegnungsmöglichkeit gab, einen Treff, bei dem einmal im Monat Grundschüler und –schülerinnen der 1. und 2. Klasse sowie Kindergartenkinder zusammenkommen. Inzwischen, so berichtete Kindergartenleiterin Annette Becker, werden die Treffen, die durchschnittlich 50 Kinder besuchen, von Eltern selbst gestaltet. Simon bezeichnete den gelungenen Versuch, Eltern zur Mitwirkung und Eigenverantwortung anzuregen, als vorbildlich. Dass Kindergärten durch verstärkten Dialog mit den Eltern deren Wünsche und die der Kinder besser berücksichtigen könne, steigere zudem die Qualität der Einrichtungen.

Seine Beziehungen zu Gruppierungen und Vereinen des Dorfes konnte der Kindergarten Neukenroth (bei Kronach) ausbauen. Er verstärkte eine damit eine weitere Funktion, die Simon den Kindergärten zusprach: die Kinder mit der Kommune, in der sie leben, vertraut zu machen.

Als weiteren positiven Effekt schilderte Pillach, dass das Kindergartenpersonal für seine Arbeit mehr Anerkennung erhalte. Der Kindergarten Eicha (bei Coburg), den erst drei Jahre zuvor die Kirchenstiftung Witzmannsberg übernommen hatte, knüpfte intensive Kontakte zu Pfarrer, Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat und erreichte, dass er als Teil der Gemeinde akzeptiert wird. Der Einbau einer zweiten Spielebene in den Kindergarten wurde mit der Hilfe von Eltern, Gemeindemitgliedern und Innenarchitekturstudenten der Fachhochschule Coburg verwirklicht. Manfred Kolberg, Pfarrer von Neukenroth, unterstrich, dass das Projekt Kirchenverwaltungen und Pfarrgemeinderäten verdeutlicht habe, dass Kindergärten wertvolle Arbeit leisten und nicht "ein Anhängsel der Pfarrei, das auch noch Geld kostet," seien.

Die Ergebnisse des Modellprojekts sollen nun anderen Kindergärten im Erzbistum vorgestellt werden. Dazu hat die Abteilung "Tageseinrichtungen für Kinder" des Caritasverbandes für die Erzdiözese Bamberg eine 15-seitige Broschüre herausgegeben. Außerdem wollen die Fachberaterinnen der Abteilung die Erfahrungen auf Fortbildungstagungen in Bamberg, Bayreuth und Nürnberg weitergeben.

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