Pressemitteilung vom 9. Mai 2000

Kursteilnehmer reduzierten ihren Alkoholkonsum
Erfolgreiches Pilotprojekt der Caritas Nürnberg

Ein "hoch attraktives und erfolgreiches Angebot für Menschen mit leichten bis schweren Alkoholproblemen" – so bewertet Prof. Dr. Joachim Körkel das "Ambulante Gruppenprogramm zum kontrollierten Trinken" nach der ersten Erprobungsphase. Die Kurse für Menschen, die ihren Alkoholkonsum als problematisch einschätzen, sind ein Pilotprojekt, das die Suchtberatungsstelle des Caritasverbandes Nürnberg gemeinsam mit Prof. Körkel durchführt.

Erfolge gilt es nach den ersten beiden Kursen – einer fand von Oktober bis Dezember 1999, der andere von Februar bis Mai 2000 statt – zu vermelden: Im Durchschnitt halbierten die insgesamt 25 Teilnehmer und Teilnehmerinnen ihren Alkoholverbrauch – von umgerechnet knapp 34 Flaschen Bier in der Woche auf 17,5. Die Tage, an denen sie überhaupt keinen Alkohol tranken, haben sich durchschnittlich von einem auf 2,7 pro Woche mehr als verdoppelt. Einer Kontrollgruppe von Interessenten, die zunächst auf eine Warteliste mußten, gelang nur eine minimale Reduzierung ihres Alkoholkonsums.

Die Kurse wenden sich bewusst an Menschen, die Alkoholprobleme haben und diese in den Griff bekommen wollen, die aber noch nicht schwerst abhängig sind, bislang keine gravierenden Gesundheitsschäden davongetragen haben und sozial integriert sind. Das Ziel des Kurses ist zunächst, dass die Teilnehmer ihren Alkoholverbrauch drosseln. Sie können sich freiwillig für völlige Abstinenz entscheiden.

Als "wichtigen Schritt zur Weiterentwicklung deutscher Suchthilfe" bezeichnet Wilfried Langguth, Leiter der Nürnberger Caritas-Suchtberatungsstelle, das Programm zum kontrollierten Trinken. Es erreiche eine Personengruppe, die sonst nicht in Kontakt zu einer Suchtberatung kämen. Mindestens 5,8 Millionen der 18-59jährigen Deutschen trinken nach Angaben von Prof. Körkel täglich Alkohol in gesundheitsschädlichen Mengen, d.h. bei Frauen mehr als 20 Gramm oder eine Flasche Bier, bei Männern mehr als 40 Gramm. Nur 4,7 Prozent von ihnen träten jemals in Verbindung zur Suchthilfe. "Frühzeitig etwas gegen Alkoholprobleme zu tun, erhöht aber die Erfolgsquote", beruft sich der Professor der Evangelischen Fachhochschule Nürnberg auf amerikanische Vorbilder des Kursprogramms zum kontrollierten Trinken.

Dass "die Krankenkassen hier einen Beitrag leisten", fordert daher Roland Werber, Direktor des Caritasverbandes Nürnberg. Bislang finanziere sein Verband das Pilotprojekt aus eigenen Mitteln. Sobald weitere Ergebnisse aus den Kursen vorlägen, wolle man mit den Krankenkassen in Verhandlungen über Zuschüsse treten. Ein dritter Kurs beginnt am 24. Mai, ein vierter ist für den Herbst vorgesehen.

Auskünfte erteilt die Suchtberatung des Caritasverbandes Nürnberg, Obstmarkt 28, 90403 Nürnberg, Telefon (0911) 23 54-181.

Informationen sind ferner im Internet abrufbar unter www.kontrolliertes-trinken.de.

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